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Ein Fenster ins Weltall bei Irsch

Ein Fenster ins Weltall bei Irsch

Obwohl er liebend gerne in den Himmel schaut, ist er ein bodenständiger Mensch: Werner Gruner. Der 69-Jährige ist im Vorstand des Vereins Sternwarte Trier und war 22 Jahre lang Direktor des Max-Planck-Gymnasiums (MPG). Warum ausgerechnet der finsterste Platz Triers sein Lieblingsplatz ist, erzählt er in unserer Serie.

Trier. Beim Blick in den Himmel halte ich oft den Atem an: Mit dem Teleskop gleite ich über die Mondlandschaft, die eine Lichtsekunde entfernt ist. Ich sehe Planeten und die Andromeda-Galaxie, die ganze 2,2 Millionen Lichtjahre von unserer Erde weit weg ist. Zurzeit ist der Saturn mit seinem typischen Ring sehr gut zu sehen. Faszinierend.

Vor sieben Jahren hat unser Verein Sternwarte die Beobachtungsstation in einem ehemaligen Weinberg am Ortsausgang von Trier-Irsch gebaut. Bis dahin machten wir unsere Beobachtungen nur auf dem Dach der Universität. Dort findet immer noch die Grundausbildung unserer Schüler statt. Doch die stetig dichter werdende Besiedlung auf der Tarforster Höhe verschleierte den Blick auf die tiefer im Weltall liegenden Objekte zusehends. Eine Faustregel ist: Je weniger Lichtquellen drumherum sind, umso deutlicher ist der Blick in den Himmel.

Ein Zwang wird zum Geschenk



Aus diesem Grund haben wir uns an der dunkelsten Stelle Triers niedergelassen. Übrigens: Den Sternenhimmel mit bloßem Auge sehen, so wie er tatsächlich ist, kann man wunderbar auf der Seiser-Alm in den Dolomiten, in Tibet oder in Namibia. Von diesen Standorten aus sieht man die Milchstraße als weißes Band mit unzählig vielen kleinen Sternen und nicht nur aus den stärksten Sternen bestehend. Wir sind mit unserer Station zwar überaus zufrieden, aber auch noch in Irsch macht sich der Einfluss der Lichtquellen selbst aus den Städten Koblenz und Köln leicht bemerkbar.

Es ist mir ein großes Anliegen, alle Altersgruppen, vom Kindergartenkind bis zum Rentner, an die Astronomie heranzuführen. Als Mathematiker und Physiker begeistert mich, dass die Menschen, die Gesetzmäßigkeiten des nahen Weltalls verstanden haben und mit mathematischen Sätzen verfolgen können. Und man wird bescheidener, denn man sieht wie winzig unsere Erde im Grunde genommen ist.

Und drittens, um es poetisch auszudrücken: Unsere Station ist ein Fenster zum Staunen. Dabei war es erst ein Muss, Mitglied der Sternwarte zu werden: Laut Satzung des Vereins ist man als Direktor eines Trierer Gymnasiums, ich habe von 1977 bis 1999 das Max-Planck-Gymnasium geleitet, geborenes Mitglied, und man verpflichtet sich, sich zu kümmern.

Rückblickend betrachte ich diesen Zwang als riesiges Geschenk. Die Sternwarte ist eine solch tolle Bildungseinrichtung. Stolz bin ich, dass einige Astronomieschüler heute in Forschungseinrichtungen der Luft- und Raumfahrt tätig sind.

Aber auch tagsüber ist die Beobachtungsstation eine Oase: Weit und breit findet man keine Bebauung, man trifft auf eine fast unveränderte Natur und wägt sich in großer Ruhe. Lediglich hin und wieder trippelt ein Spaziergänger auf dem Feldweg entlang.

Aber ich schätze an Trier auch sehr, dass die Stadt so reich an Geschichte ist. Ich bin in Schlesien geboren, in Düsseldorf aufgewachsen und kam berufsbedingt hierher.

Besonders mag ich die Basilika. In dem Innenraum kann man spüren, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen, während sie sich voller Hochachtung dem römischen Kaiser näherten.

Mindestens genauso spannend ist das Umland Triers: Die Tempelanlage von Tawern erzählt ebenso Geschichte wie die römische Kelteranlage in Piesport an der Mosel. Ein weiterer Lieblingsplatz von mir ist in den Reihen der Besucher eines klassischen Konzerts. Wunderbar! Das sind alles Orte in und um Trier, die neue Welten eröffnen.

Aufgezeichnet von Katja Bernardy