Ein Gang voller Geschichte

Als ehemaliger Oberbürgermeister von Trier hat Helmut Schröer das Stadtbild mitgeprägt. Für die TV-Serie "Mein Zuhause" erzählt der 67-Jährige, was ihn als Kölner auch jetzt noch in Trier hält.

 Helmut Schröer genießt den Ausblick und die Stille im Domkreuzgang. TV-Foto: Friedemann Vetter

Helmut Schröer genießt den Ausblick und die Stille im Domkreuzgang. TV-Foto: Friedemann Vetter

T rier ist meine Heimatstadt geworden. Als 2007 meine Zeit als Oberbürgermeister endete, wurde ich tatsächlich gefragt, ob ich wieder nach Köln zurückziehe. Ich habe die Frage erst nach einigem Überlegen verstanden. Natürlich habe ich zu Köln eine sehr enge Beziehung. Das merke ich besonders in der Karnevalszeit. Es ist auch eine Tatsache, dass meine Frau und ich oft nach Köln fahren. Aber wenn wir wieder zurückkommen, dann fängt schon auf der Autobahn durch die Eifel ein neues Heimatgefühl an.

Das liegt zum einen an den Menschen und zum anderen an den Plätzen und Gebäuden der Stadt. Ich bin mit allen Plätzen sehr vertraut, weil sie alle aus meiner Zeit stammen. Mit vielen Gebäuden verbinde ich ebenfalls persönliche Erfahrungen, auch wenn es oft Diskussionen mit den Trierer Bürgern über die Projekte gab. Ich liebe diese Diskussionen, denn sie zeigen die tiefe Verbundenheit der Bürger zu ihrer Heimat.

Die Trierer sind schon anders als die Kölner. Die Rheinländer sind direkter und auch offener. Aber wenn die Trierer einen Menschen ins Herz geschlossen haben, dann ist es eine intensive Beziehung. Sie wollen erobert werden, und wenn man das geschafft hat, dann sind sie liebenswert, treu und zuverlässig. Es ist für mich ganz wichtig, Bindungen zu haben. Die Welt wird ja immer unübersichtlicher. Trier bietet den Menschen außerordentlich viele dieser Verankerungen. Gemeinsam mit meiner Frau gehe ich auch heute noch regelmäßig durch die Stadt oder auch zum Sport. Das sind immer Feste der Begegnungen. Ich weiß, dass wir immer Leute treffen, mit denen wir uns unterhalten können.

Besonders gerne gehe ich auch zum Domkreuzgang. Er ist für mich ein Platz zum Innehalten, nur wenige Meter vom Trubel der Trierer Innenstadt entfernt. Meistens bin ich fast alleine an diesem Ort, den ich Adenauer-Blick nenne. Dort hat Konrad Adenauer 1966 als neuer Ehrenbürger der Stadt gestanden und den Dom bewundert. Die Aussicht ist einzigartig: 1700 Jahre Baugeschichte, kirchliche Geschichte und Stadtgeschichte bündeln sich an einer Stelle. Wenn ich dort stehe, merke ich, dass ich nur ein kleines Mosaiksteinchen in der Geschichte bin. Dadurch ist der Kreuzgang für mich ein Platz, der Demut und Achtung vor der Vergangenheit vermittelt.

Trier ist aber auch eine dynamische und junge Stadt. Man kann davon ausgehen, dass jeder fünfte Bürger ein Student ist. Das wirkt sich natürlich auch auf das Leben aus. Durch die Universität und die Fachhochschule ist man in Trier mittendrin in aktuellen Entwicklungen und Diskussionen. Dabei hat die Stadt unheimlich viel Charme. Trier ist eine kleine Stadt mit Metropolfunktion. Mit dem Einzelhandel sowie Kultur- und Sportangeboten bietet sie ihren Bürgern und Besuchern eine Menge. Es ist wirklich unglaublich, was für eine Qualität wir hier haben.

Aufgezeichnet von Hannah Schmitt