Ein Hauch von Casablanca

TRIER. (ph) Als Hendrik Wisbar kurz vor Mitternacht melancholische Liebeslieder sang, wehte ein Hauch von "Casablanca" durch den Saal - um gleich darauf durch die schnellen Rhythmen von "essential 4" hinweg geblasen zu werden. Bis zum Schluss hielt der Fünfte Trierer Jazz-Gipfel seine Zuhörer in Atem und was sein Name versprochen hatte.

Auch wenn die fünfte Auflage des vom Jazzclub Trier organisierten Gipfeltreffens mit acht Bands rein rechnerisch nur etwa die Hälfte früherer Jahre zu bieten hatte, brauchte er in puncto Qualität und Vielseitigkeit wohl keinen Vergleich mit seinen Vorgängern zu scheuen. Zumal es selbst für Kenner der Szene neues zu entdecken gab: Etwa die Formation "Nils Wills" (Nils Thoma, Edith van den Heuvel, Christian "Göethe" Gödert, Stefan Jung, Hendrik Wisbar, Simon Werner, Tobias Selinger, Stefan Zawar, Fredi Noll), die den Jazz-Abend einläutete. Auch das "Julia Kokke Quartett" (Julia Kokke, Benedikt Schweigstill, Stefan Zawar, Ortwin Feil) nahm zum ersten Mal am Gipfel teil.Zu den musikalischen Höhepunkten des Abends gehörten sicher die Auftritte des "Benedikt Schweigstill Quartetts" (Markus Poschenrieder, Benedikt Schweigstill, Edgar Weidert und Fredi Noll) sowie der "Bach-Band" (Ralf Bach, Olli Rohles, Zawar, Stefan Reinholz, Helmut Becker). Die gekonnten Improvisationen der Musiker wurden von den rund 250 Zuhörern regelmäßig mit Szenenapplaus bedacht.Dann kam im großen Saal der Tufa, der mit 250 Besuchern mehr als ausverkauft war, so etwas wie Club-Atmosphäre auf. Schade nur, dass dieser die in Hörsaal-Manier aufgestellten Stuhlreihen buchstäblich entgegen standen.Der Begeisterung der Jazzfreunde tat das jedoch keinen Abbruch. Vom Schüler bis zur reiferen Dame waren alle Altersgruppen vertreten und ließen sich zumeist kopfwiegend von den vielseitigen Arrangements in ihren Bann ziehen. Etwas aus der Reihe klassischer Jazz-Harmonien tanzte das Bläsertrio "The Lunch Connection". Goedert, Jung und Thoma hatten nicht nur einen Abba-Song, sondern auch Schlager und Klassisches im Repertoire. Und als die drei den Ray-Charles-Hit "Hit the road Jack" bliesen, schnippten 250 Daumen und Zeigefinger groovend mit.Thoma, der seit November 2003 Vorsitzender des Jazzclubs ist, bedankte sich in einer kurzen Rede bei den Musikern, die ohne Gage auf die Bühne gingen. Denn der Jazzgipfel kommt traditionell dem Jazzclub zugute. Das ist in diesem Jahr besonders wichtig, da finanzielle Zuwendungen, etwa der Stadt, zuletzt eingestellt worden seien, wie Thoma sagte. Immerhin mussten die Bands nicht mit leerem Magen auftreten, denn in einem Nebenraum sorgten Quiche, Nudelsalat und Donuts für Kräftigung.Höhepunkt im Trierer Musikleben

Die hatten offenbar auch einige Besucher nötig, denn gegen 22.30 Uhr lichteten sich die Reihen etwas. Die meisten aber wollten sich keine der Bands entgehen lassen, zu Recht: sowohl die reine Frauenband "Cliché" (Anette Brittner, Vera Eckert, Stephanie Zimmermann, Jana Herberhold, Katharina Reinholz), als auch "essential 4" (Markus Kröger, Florian Sartor, Werner, Alexander Rönz, Ludwig Voußem) überzeugten als Nachwuchs-Formationen.Und als Hendrik Wismar, der durch das Programm führte, und seine "Just Friends" (Danny Schwickerath, Weidert, Feil) dem letzen Act des Abends die Bühne überließen, konnten sie gewiss sein, zu einem der Höhepunkte des Trierer Musiklebens beigetragen zu haben.