Ein Haufen Ärger

Trier-Tarforst · Ortstermin: Aloys Dietzen, Jagdvorsteher für Tarfost und Filsch, führt auf die Anhöhe oberhalb der beiden Stadtteile. Hier, am Waldrand zwischen Feldern und Äckern, will er erklären, welche Probleme Jägern und Landwirten durch achtlose Zeitgenossen entstehen. Vor allem durch solche, die ihre Hunde hier ausführen.

Oberhalb von Tarforst schauen sich Gerda Savelkouls und Aloys Dietzen den Flyer an, der Hundehalter und Spaziergänger zu mehr Rücksicht aufruft. Die Hunde Lara und Caruso sind reinen Gewissens: Ihre Hinterlassenschaften werden stets im Tütchen wieder mitgenommen. TV-Foto: Frank Göbel

Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"

Trier-Tarforst. Aloys Dietzen ist selbst Landwirt im Nebenerwerb. Auf einer seiner Wiesen, die er hier oben bewirtschaftet, ist ein fremder Geländewagen geparkt, der Fahrer weit und breit nicht in Sicht. "Eigentlich dürfte der gar nicht hier oben stehen", sagt Dietzen: Die Feldwege sind nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Er will kein sturer Prinzipienreiter sein: "Aber wenn ich hier zum Beispiel mähen muss und dann ist da ein Auto abgestellt, dann bin ich haftbar, wenn das durch einen Steinschlag beschädigt wird."
Die Wildparker sind ein Problem. "Das kann doch nicht sein, dass hier manchmal so viele Autos stehen, dass ich den Kollegen durch den Acker fahren muss, um vorbeizukommen", findet Dietzen - der aber noch größeren Ärger hat: Hundehaufen.
"Die Leute schicken ihre Hunde in die Wiesen, wo die dann ihr Geschäft machen", erklärt Dietzen. Bei der Heuernte werde der Hundekot dann in die großen Rundballen eingearbeitet, mit denen Dietzen seine eigenen Rinder füttert und die er auch, beispielsweise, an Reitställe in der Gegend liefert.
So ein Ballen ist komplett unbrauchbar. "Das stinkt so, dass die Tiere das Heu gar nicht anrühren wollen", sagt Dietzen. Wenn sie es doch täten, drohten ernsthafte Erkrankungen: "Während wir heutzutage genau dokumentieren müssen, was wir den Nutztieren geben, können die über den Hundekot alles mögliche aufnehmen: Chemikalien, Bakterien, Viren!"
Regelmäßig spreche er Hundehalter an, sagt Dietzen. Manchmal erreiche er Einsicht, oft gebe es Ignoranz und Egoismus zur Antwort. Offenbar setzen viele Bürger die freie Zugänglichkeit von Wiesen und Wäldern zur Naherholung mit einem unbeschränkten Nutzungsrecht gleich.
Dietzen hat eine Idee: Die Stadt solle wieder einen Feldhüter bestellen, wie er früher verbreitet war. In Trier habe einer bis etwa Anfang der 90er Jahre stadtweit in Feld und Flur nach dem Rechten gesehen. Entsprechend befugt habe er nicht nur Wildparker verwarnt, erinnert sich Dietzen: "Der hat auch Bauern erinnert, die Straßen nicht verdreckt zu hinterlassen." Der Tarforster Ortsbeirat unterstützt die Idee (der TV berichtete).
Auch die Tarforsterin Gerda Savelkouls, die jetzt mit ihren zwei Hunden zum Ortstermin dazu stößt, zeigt Verständnis: "Ich gehe gerne hier oben Gassi - es ist einfach herrlich hier." Hundehalter müssten den Dreck ihrer Lieblinge aber wieder mitnehmen: "Alles andere gehört sich nicht! Und wenn die Wiesen noch nicht gemäht sind oder das gemähte Heu noch liegt, muss man besonders aufpassen."
Da kehrt zum fremden Geländewagen auf Dietzens Wiese dessen Besitzerin zurück - mit einem Hund. In einem kurzen Gespräch wird deutlich, dass der Frau nicht bewusst ist, welchen Schaden und Ärger ein einzelner Hundehaufen im Feld anrichten kann. Doch Gerda Savelkouls kann helfen: Sie hat einen Flyer entwickelt, zusammen mit dem Arbeitskreis Hunde, der sich aus Ortsbeiratsmitgliedern und Hundebesitzern zusammensetzt. Unter der Überschrift "Rücksicht für Natur und Umwelt auf der Tarforster Höhe" wird nicht nur erklärt, wie schädlich Kot oder Zigarettenkippen sind. Ganz allgemein wird mehr Wertschätzung für Landwirte und Jäger gefordert: Weil Laien manch komplexen Sachverhalt nicht immer überblicken könnten, heißt es darin, sei es "angebracht, gewisse Verhaltensregeln zu akzeptieren".