Ein Hoch aufs Freiluft-Bier

TRIER. 1996 läutete die Totenglocke für den Biergarten der Löwenbrauerei. Zehn Jahre später ist Triers Freiluft-Gastronomie-Angebot so vielfältig wie nie zuvor. Neu hinzugekommen in dieser Saison: das Cum Vino, das Cuba Viejo im ehemaligen Mephisto und der Bit-Sun-Beach

Halber Liter Edelpils 4,90 Mark, Hausmacher-Sülze mit Bratkartoffeln 8,80 Mark - Auszüge aus der allerletzten Version der Terrassenkarte des Löwenbrauerei-Ausschanks, die ab Herbst 1996 Makulatur war. Im darauf folgenden Frühjahr machten Abrissbagger die Brauerei dem Erdboden gleich. Ab der Saison 1997 mussten sich die Fans des gepflegten Freiluft-Feierabend-Biers Ausweich-Ziele suchen. Gar nicht so einfach: Römersprudel und Altenhof liegen weit entfernt von der City. Also profitierten zunächst die Zurlaubener Gastro-Meile und die Viehmarkt-Kneipen vom kollektiven Dürsten nach Open-Air-Gerstensaftgenuss. Dann kamen der Domfreihof und der Stockplatz dazu. Heute ist es ausgesprochen schwierig, für Gruppenverabredungen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die Lieblings-Locations der neueren Generation heißen Ferrys Cabana, Coyote, Louisiana. Und auch die bekommen mächtig Konkurrenz. 2005 legte die Bitburger Brauerei mit ihrem Wirtshaus vor: 300 Plätze auf dem Kornmarkt, bei schönem Wetter fast jeden Abend voll besetzt. "Der Laden läuft gut", freut sich Regional-Verkaufsdirektor Michael Stumpf (43). Die Eifler haben noch zwei weitere ganz heiße Eisen im Feuer: Der Bit-Sun-Beach am Moselufer in Trier-Nord hat bereits nach drei Wochen seinen Testlauf bestanden. Bis 2010 ist der sommerliche Sun-Beach, der am Eröffnungstag 2000 Gäste verbuchte, gesichert. Trumpf-Karte Nummer drei: das "Naunheim`s" im Petrisberg-Sattelpark verdoppelte in dieser Saison die Kapazität seiner florierende Außengastronomie auf 330 Plätze. Der Namensgeber gilt als Triers "Biergarten-König": Eric Naunheim (40), Betreiber auch des Louisiana, war der letzte Wirt der Löwenbrauerei. Die Karlsberg Brauerei konterte eindrucksvoll: Sie belebte nach dreijähriger Abstinenz das Mephisto (Irminenfreihof/Kalenfelsstraße) wieder. Dort verwirklichen Sandra Weiß (28) und Raúl Huerga (37), der dafür seinen Direktoren-Posten im Park-Plaza-Hotel aufgegeben hat, ihren Traum von der Selbstständigkeit. Die Zeiten der Massenabfertigung im Mephisto-Garten bleiben Vergangenheit.Karlsberg auf dem Nostalgie-Trip

Das neue Betreiberpaar hat mit großzügiger Möblierung das Fassungsvermögen des Gartens von 350 auf 120 Plätze verkleinert und setzt auf frische Küche südamerikanischer und karibischer Provenienz. Das frisch eröffnete Lokal heißt Cuba Viejo (Alt-Kuba). Cum Vino ("mit Wein") heißt die neue Gaststätte auf dem Gelände des FWG-Weinguts (Weberbach). Auch dort gibt es einen Garten (120 Plätze) - und Bier. Jürgen Kast (42) vertreibt nebst Rebensäften die von Karlsberg wiederbelebte Traditionsmarke "Trierer Löwenbräu". Das würden die Saarländer gerne in ganz großem Stil tun. "Wir suchen händeringend einen geeigneten Standort mit bis zu 500 Plätzen - wie sie der Löwenbrauerei-Biergarten hatte", bestätigt Regional-Verkaufsleiter Sven Schirmer (39). Sieht ganz so aus, als würde Triers Gastro-Szene noch weiteren Zuwachs bekommen.

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