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Ein Hunsrücker für den Stadtvorstand

Ein Hunsrücker für den Stadtvorstand

Hält das schwarz-grüne Bündnis im Trierer Stadtrat zusammen, könnte der nächste Trierer Baudezernent Andreas Ludwig heißen. Der 53-Jährige, derzeit Bürgermeister im thüringischen Eisenach, geht als Favorit in die Beigeordnetenwahl am 19. Januar.

Trier. Drei Bewerber für die Leitung des Trierer Baudezernats hatte die CDU zur Vorstellungsrunde am Samstag ins Rathaus eingeladen. Zwei davon sagten den Vorstellungstermin kurzfristig ab. "Aus privaten Gründen", wie einer der beiden am Telefon auf TV-Anfrage erklärte. Grund für die Absagen könnte allerdings auch sein, dass bei der CDU längst eine Vorentscheidung für den dritten geladenen Bewerber gefallen ist: Andreas Ludwig, 53 Jahre alt und derzeit Bürgermeister im thüringischen Eisenach.
Offiziell wird Triers neuer Baudezernent erst am Montag, 19. Januar, vom Stadtrat in geheimer Wahl bestimmt. Nach Rückzug der beiden CDU-Männer stellten sich am Samstag noch acht Bewerber den Ratsfraktionen im Rathaus vor. "Es sind mehrere sehr interessante Kandidaten dabei", erklärte SPD-Chef Sven Teuber in einer Gesprächspause. Auch Paul Hilger, Vizefraktionsvorsitzender der Linken, betonte: "Insbesondere ein Bewerber hatte sehr gute Ideen zum Thema soziales Wohnen." Die Bewerbungsgespräche könnten da allerdings bereits Makulatur gewesen sein. Denn CDU und Grüne stellen mit insgesamt 29 Sitzen im 56-köpfigen Stadtrat die Mehrheit. Damit wäre einem gemeinsam von Schwarz-Grün aufgestellten Kandidaten der Sieg bei der Dezernentenwahl schon im Vorfeld so gut wie sicher. Insbesondere bei Personalfragen an einem Strang zu ziehen, ist schließlich ein Kernpunkt der schwarz-grünen Bündnisvereinbarungen (der TV berichtete).
Am heutigen Montagabend wollen CDU und Grüne bei einem Treffen über die gemeinsame Kandidatennominierung sprechen. Dass die CDU dabei Ludwig vorschlagen wird, scheint sehr wahrscheinlich. Zwar hatten die Grünen bei den Vorstellungsgesprächen dem Vernehmen nach auch große Sympathien für einen SPD-nahen Bauamtsleiter einer rheinland-pfälzischen Stadt sowie für eine Frau, die zuletzt Bereichsleiterin in einem Schweizer Bauamt war.
Aber die CDU wird sich auf diese beiden Kandidaten wohl nicht einlassen: "Uns geht es vor allem um Fachkompetenz - und da wiegen etliche Jahre Dezernatsleitung mehr als die Erfahrung, die man in wenigen Jahren bei der Leitung eines Amts sammeln kann", erklärte CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle im TV-Gespräch. Bewerber Andreas Ludwig blickt auf insgesamt 18 Berufsjahre als Dezernatsleiter zurück (siehe Extra).Kaes-Torchiani will bleiben


Ob sich Schwarz-Grün tatsächlich auf ihn einschwört, wird sich letztlich erst am Samstag nächster Woche, 17. Januar, auf dem Parteitag der Grünen entscheiden: Die Parteivorderen wollen dann die Basis über die Koalition mit der CDU abstimmen lassen. Die Christdemokraten haben dagegen bislang nicht angekündigt, die neue Liaison mit dem ehemaligen politischen Lieblingsgegner von ihren Mitgliedern absegnen zu lassen.
Eine Gelegenheit, Argumente für das auch von vielen CDUlern mit Unbehagen beäugte Bündnis der Basis schmackhaft zu machen, hatte der Trierer Parteivize und Stadtrat Udo Köhler am Freitagabend verstreichen lassen. Beim Neujahrsempfang der beiden CDU-Kreisverbände Trier-Stadt und Trier-Saarburg in Konz erwähnte Köhler das angestrebte Bündnis mit keinem Wort.
Dass mit der Festlegung auf Ludwig die amtierende CDU-Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani aus dem Rennen ist, wollte CDU-Fraktionschef Dempfle bislang nicht offiziell bestätigen. Kaes-Torchiani habe immerhin noch kürzlich "mit einer brillanten, hervorragenden Rede" in der Fraktion für ihre Wiederwahl geworben. Allerdings müsse man bei Kaes-Torchiani, die im Oktober 60 Jahre alt wird, damit rechnen, dass sie nach fünfeinhalb Amtsjahren ihren Job aufgebe und in Pension gehe. "Uns ist aber Kontinuität in diesem Amt wichtig", betonte Dempfle. Bei einer potenziellen Wiederwahl vor Ablauf der acht Amtsjahre in Pension gehen zu wollen, weist Kaes-Torchiani strikt von sich: "Selbstverständlich würde ich bis zum Schluss bleiben", weist sie Dempfles Spekulationen zurück. Die SPD könnte sich dem Vernehmen nach durchaus vorstellen, Kaes-Torchiani zu wählen - würde die CDU sie denn als Kandidatin aufstellen.
Ansonsten waren bei der SPD am Samstag als Favoriten der rheinland-pfälzische Bauamtsleiter und die Frau mit Verwaltungserfahrung in der Schweiz auszumachen.
Beide waren nicht nur auch bei den Grünen gut angekommen, sondern ebenfalls bei Triers künftigem Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). "Besonders der Amtsleiter hat auf mich einen hervorragenden Eindruck gemacht", erklärte Leibe im Gespräch mit dem TV.Meinung

Vorentscheid versus Überraschung
Auch wenn CDU und Grüne beteuern, alle Kandidaten der Vorstellungsrunde unvoreingenommen und offen empfangen zu haben: Dass zwei von drei geladenen CDU-Männern auf den Antrittsbesuch in Trier verzichten, nachdem die CDU im Vorfeld eingehende Sondierungsgespräche geführt hat, spricht Bände. Andreas Ludwig ist zudem eine Art Sandkastenfreund der CDU-Vizefraktionsvorsitzenden Birgit Falk, die ebenfalls aus Idar-Oberstein stammt. Und bereits am frühen Samstagnachmittag, noch bevor alle Vorstellungsgespräche geführt waren, beteuerten die Christdemokraten - als sei die Entscheidung bereits gefallen - am Montag ihren Favoriten für die Dezernentenwahl zu verkünden. Alles deutet also darauf hin, dass Ludwig das Rennen macht. Denn selbst wenn die Basis der Grünen bei der Mitgliederversammlung nächste Woche Nein zum schwarz-grünen Bündnis sagt: Bei der geheimen Dezernentenwahl ist jedes Ratsmitglied nur sich selbst verpflichtet. Die grüne Stadtratsfraktion ist die Liaison mit der CDU ohnehin längst eingegangen, wie jüngste Ratsbeschlüsse beweisen - zum Beispiel das Ja der ehemaligen Alternativpartei zum Drogeriemarkt auf dem Petrisberg. Überraschungen auf den letzten Drücker sind bei Wahlen allerdings immer möglich - wie zuletzt eindrucksvoll die Trierer Oberbürgermeisterwahl gezeigt hat. Es bleibt also trotzdem spannend. c.wolff@volksfreund.deExtra

Andreas Ludwig stammt gebürtig aus Idar-Oberstein, ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der gelernte Architekt war von 1995 bis 2003 Beigeordneter der Stadt Bad Kreuznach mit den Geschäftsbereichen Bauen, Planen, Umwelt. Ebenfalls zum Bad Kreuznacher Stadtvorstand gehörte in dieser Zeit die heutige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Von 2003 bis 2011 leitete Ludwig die Geschicke Bad Kreuznachs als Oberbürgermeister und führte das Baudezernat. 2011 schaffte Ludwig seine Wiederwahl nicht, den Job als Oberbürgermeister musste er an die Herausfordererin der SPD abgeben. Für Ludwig folgten zwei Jahre Selbstständigkeit als Geschäftsführer der PPP Ludwig GmbH. Im Januar 2013 wechselte der Hunsrücker dann wieder in eine Verwaltung: Als Bürgermeister der Stadt Eisenach, zuständig für die Geschäftsbereiche Planen, Bauen, Umwelt, Verkehr und Sport. Dass er dieses Amt nach nur gut zwei Jahren für einen Posten in Trier aufgeben will, hänge nicht mit Problemen an seiner jetzigen Dienststelle zusammen. "Im Gegenteil, hier läuft alles sehr gut", erklärte Ludwig gegenüber dem Volksfreund. Da seine Eltern allerdings in der Nähe von Trier wohnen, und auch Ehefrau und Kinder noch in der Nähe von Bad Kreuznach lebten, ziehe es ihn in die alte Heimat. Und sein Verhältnis zu den Grünen? "Gar kein Problem!", betont der Christdemokrat. In Bad Kreuznach habe er seinerzeit eine Jamaikakoalition mitgestaltet, der eine große Koalition zwischen CDU und SPD vorausgegangen sei. Derzeit arbeitet Ludwig unter der linken Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf. "Es kommt immer auf die Inhalte an", betont Ludwig. woc