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Ein Katzensprung zur Mosel und zum Wein

Ein Katzensprung zur Mosel und zum Wein

Der Frühsommer ist die Zeit der großen Weinpräsentationen. Zu den wichtigsten Veranstaltungen gehört die Riesling-Präsentation des Bernkasteler Rings. Etwa 300 Weinfreunde waren am Dienstag in Kloster Machern.

Bernkastel-Kues. (cb) "Die Mosel ist für uns eine Wein-Gegend um die Ecke." Aus dem Munde eines Finnen klingt das merkwürdig. Doch mit dem Flugzeug sind es von Tampere bis zum Flughafen Hahn nur zweieinhalb Stunden. Von daher ist es für Rune Lygdbäck, Tage Neumann und Mikael West nur ein Katzensprung zum Wein.

Das Trio aus der Stadt am Bottnischen Meerbusen ist seit Jahren dem deutschen Wein zugetan. Lygdbäck und Neumann haben sich sogar zum Sommelier (Weinkellner) ausbilden lassen. Im Frühsommer reist das Trio immer von Weingut zu Weingut.

Zum Programm gehört auch die Präsentation des Bernkasteler Rings, des ältesten Versteigerungsrings an der Mosel. Der feiert in diesem Jahr 110. Geburtstag. Die Geburtstagsfeier am Vorabend sei sehr schön gewesen, berichtet Vorsitzender Peter Pauly. Es sei eine "Investition in die atmosphärischen Beziehungen unserer Mitglieder gewesen". Will heißen: Die Vertreter der 34 Mitgliedsbetriebe haben viel Arbeit und wenig Zeit, einmal gemeinsam zu entspannen. Dafür sei dieser Abend da gewesen. Am Folgetag ist wieder Arbeit angesagt: Zuerst sind die Fachbesucher im Barocksaal von Kloster Machern unter sich. Zu ihnen gehört Rebecca Stein. Die aus Wederath (Hunsrück) stammende Frau arbeitete 15 Jahre lang in einem Hotel in Traben-Trarbach. Jetzt ist sie im Bremer Ratskeller tätig — einer mehr als 600 Jahre alten Institution, in der es nur deutschen Wein gibt. Schlanker seien die 2008er, von weniger Alkohol geprägt, sagt die 34-Jährige. "Es sind viele Überraschungen dabei."

Auch Gunther Wölfges ist ein Fachmann — allerdings in Finanzfragen. Der neue Vorstandschef der Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück erlebt erst seine zweite Weinpräsentation. Am besten schmecken ihm die feinherben Rieslinge. Wölfges, seit 1. April im Amt, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. "Ich bekomme hier auch Kontakte zu den Winzern und anderen Leuten", sagt er. Keiner der Betriebe könne sich den Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise entziehen, bemerkt Ring-Vorsitzender Peter Pauly. Im Export sei das zu merken. Es sei eine Tendenz zu einfacheren Weinen statt hochpreisigen Auslesen zu erkennen. Der Trend gehe aber sowieso etwas weg von den restsüßen Weinen hin zu feinherben Rieslingen. "Man merkt die Krise im Export", stimmt Winzer Johannes Schmitz zu. "Dafür freuen sich die Leute im Inland, dass sie sich weiter Wein leisten können."