Ein Knotenpunkt mit Flair

Er ist in Trier geboren, kennt die Stadt wie seine Westentasche. Für die TV-Serie "Mein Zuhause" erzählt der ehemalige Basketball-Nationalspieler und leidenschaftliche Musiker James Marsh von seinem liebsten Ruhepunkt in Trier, dem Kornmarkt, und davon, was die Stadt für ihn zu etwas ganz Besonderem macht.

Mit Kopfhörern auf den Ohren sitze ich am Trierer Kornmarkt auf den Stufen unter der großen, mehr als hundert Jahre alten Zeder. Die Sonne scheint auf mein Gesicht, wärmt mich mit ihren ersten kraftvollen Strahlen. Ich höre einen Podcast von Gilles Peterson. Musik und Interviews dringen in mein Ohr. Es hilft mir beim Abschalten - an diesem doch so belebten Ort mitten in der Stadt. Menschen gehen an mir vorbei. Manchmal schaue ich sie mir an, beobachte, was um mich herum passiert. Ein anderes Mal schotte ich mich mit meinen Kopfhörern ab von der Außenwelt. Ich liebe diesen Knotenpunkt, der einem die Freiheit lässt mittendrin, aber auch eben nur dabei und für sich selbst zu sein. Noch vor einem Jahr habe ich fast jeden Tag auf den Stufen meine Mittagspause verbracht, mein Schmierchen gegessen oder einen Kaffee getrunken.

Nur ein paar Schritte weiter zeigt sich mir die Vielfalt, die Trier so besonders macht. Römische Bauten und schöne Architektur, gepaart in einer Großstadt, die im Herzen eine sympathische Kleinstadt geblieben ist. Seit meiner Kindheit hat sich hier vieles verändert. Durch die Fußgängerzone fahren keine Straßenbahnen mehr, und die Seilbahn ist auch stillgelegt. Schade eigentlich, früher sind wir mit jedem Besuch eine Runde gefahren.

Vergleicht man Trier mit größeren Städten wie Köln, fallen mir schnell Punkte ein, die das gewisse Flair ausmachen. Der Palastgarten zum Beispiel. Die Kulisse des Kurfürstlichen Palais und der Basilika ist wunderschön. Vor allem zum Frisbee spielen oder um einfach den Tag zu genießen. Er spiegelt in gewisser Weise die Multi-Kulturalität der Stadt wider. Studenten, junge Familien, Rentner, Touristen - Menschen aus aller Herren Länder zieht es dorthin. Manchmal jammen ein paar Jugendliche mit Gitarre und Trommeln.

Für mich ist Musik ein wichtiges Element der Trierer kulturellen Szene. Auch wenn viele Bands leider eher unbekannt bleiben. Es sind junge und talentierte Musiker, die sich in verschiedenen Musikstilen austoben. Von Jazz über Rock und Pop bis hin zu Punk ist alles dabei - und immer wieder etwas, das richtig gut ist. Warum ich Trier liebe? Ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe den größten Teil meines Lebens hier verbracht. Meine Familie und der größte Teil meiner Freunde leben hier.

Und fahre ich nach vier Wochen Urlaub in Mittelamerika wieder über die Autobahn in Richtung Trier und erblicke vor mir das Moseltal, kriege ich immer so ein bestimmtes Gefühl im Magen. Trier ist für mich einzigartig. Trier ist Heimat.

Aufgezeichnet

von Constanze Junk