Ein König, ein Prinz und viele Majestäten

Ein König, ein Prinz und viele Majestäten

Ein karnevalistischer Weihbischof, ein feucht-fröhlicher Oberbürgermeister, ein Landrat ohne Schatten - bei Ereignissen wie dem Neujahrsempfang von Ministerpräsident Kurt Beck am Dienstagabend (der TV berichtete) geschehen die interessantesten Dinge oft am Rande.

Klaus Jensen.
Kurt Beck.
Sven Teuber.
Julia Klöckner.
Josef-Peter-Mertes.
Jörg Michael Peters.

Das passiert dem Trierer OB auch nicht oft. Claudia Kleinert, Moderatorin des Abends und bekannt als Wetterfee aus dem SWR-Fernsehen, fragte Klaus Jensen nach dem Veranstaltungsjahr der Landesgartenschau - doch er stand auf dem Schlauch und wusste es nicht. Bisschen peinlich, doch als routinierter Politiker redete der OB so lange, bis niemandem mehr sein Versäumnis auffiel. Vergessen war`s spätestens, als Jensen den Bewilligungsbescheid von Kurt Beck für 500 000 Euro in Sachen Soziale Stadt für Trier-Ehrang in der Hand hielt.

Auch Ministerpräsident Kurt Beck, von der Opposition ja gelegentlich als "König Kurt" bespöttelt, war zuvor passiert, was ihm nicht oft passiert: Er hatte die Weinköniginnen vergessen. Bei seiner Rede - die im Wesentlichen aus der Begrüßung und Würdigung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen von Lehrern über Soldaten bis zu Polizisten bestand - kamen die diversen rheinland-pfälzischen Majestätinnen (darunter Weinköniginnen, Tabakkönigin, die Loreley) nicht vor. Von seinem Referenten darauf aufmerksam gemacht, rief Beck sie kurzerhand zur "Scheckübergabe" an Klaus Jensen auf die Bühne, was diesen auf eine feucht-fröhliche Idee brachte: "Bewilligungsbescheide sehen ja immer so trocken aus. Die in dieser Form zu überreichen, das sollten wir zur Regel machen."

Eine Ex-Weinkönigin wurde bei dieser Gelegenheit freilich nicht auf die Bühne gerufen, dabei dürfte sie die derzeit prominenteste ehemalige Majestät sein: CDU-Landtagswahl-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Wahlkampf war zwar nicht angesagt an diesem Abend - aber sie verwies im Vorübergehen dann doch darauf, dass Beck zwar den Bewilligungsbescheid überreicht habe - die Soziale Stadt aber ein Programm aus Bundesmitteln sei.

Weniger ernst ging es zwischen Schwarzen und Roten anschließend beim Weintrinken in kleinerer Runde weiter. Da überboten sich ADD-Präsident Josef-Peter Mertes (SPD), der Bernkastel-Wittlicher CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Licht, der Konzer VG- und Stadtbürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU) und der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) im Kalauern. Während Mertes mit Verweis auf seine Theologiekenntnisse behauptete, er könne jeden Schwarzen bekehren, zog Licht eine Wein-Weisheit aus dem Ärmel: "Die Roten sind dann die Besten, wenn sie leicht ins Schwarze gehen." Landrat Schartz stellte sich derweil der polnischen Generalkonsulin Jolanta Roza Kozlowska vor, mit den Worten: "Wir sind von den Schwarzen. Das sehen Sie schon daran, dass wir keine Schatten werfen."

Bei so vielen Witzchen hätte es der Anwesenheit von Karnevalisten in Sachen Humor fast gar nicht mehr bedurft - aber der frischgebackene Trierer Prinz Marc I. und Prinzessin Christa I. ließen es sich natürlich nicht nehmen, beim Ministerpräsidenten-Empfang mit Hofstaat gleich jede Menge Orden unters Volk zu bringen. Der Empfang beim Ministerpräsidenten war für beide allerdings noch längst nicht das größte politisch-karnevalistische Ereignis der Session. Am 22. Februar sind sie als eines von 16 Prinzenpaaren aus ganz Deutschland zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin eingeladen.

Einen Karnevalsorden bekam auch der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters ab, der mit dem Prinzenpaar gleich mal einen Karnevalstermin für seinen Chef, Bischof Stephan Ackermann, klarmachte. Peters ist nach eigenen Angaben ein großer Karnevalist, hat schon zahlreiche Büttenauftritte hinter sich. Beim bistumsinternen Karneval aber lasse er mittlerweile anderen den Vortritt, verriet Peters: "Ich stehe ja oft genug im Rampenlicht."

Ins Rampenlicht bei den anwesenden Trierer Stadtratsmitgliedern trat SPD-Fraktionschef Sven Teuber. Der präsentierte bei dem gesellschaftlichen Ereignis nämlich eine neue, ziemlich gewagte Frisur. Grob gesagt: statt Gel nach hinten jetzt Gel nach vorn, was bei den Stadtratskollegen prompt für Gesprächsstoff sorgte - und für die eine oder andere Lästerei, selbst aus den eigenen Reihen. Ganz geheuer war Teuber der Haarschnitt angesichts dessen offenbar selbst nicht mehr. Sein Kommentar: "Das ändert sich noch mal."

Michael Schmitz

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