Ein Leben am Fahrbahnrand

Als verkehrstechnischer Problemfall gilt die Schweicher Straße in Kenn. Die geringe Breite der Fahrbahn erlaubt nur einen einseitigen kombinierten Park- und Gehwegstreifen. Auf der Gegenseite endet die Fahrbahn unmittelbar an den Grundstücksausgängen und -ausfahrten.

Kenn. Frank und Stephanie Becker wohnen seit September mit ihren Kindern Laura-Marie (3) und Johanna (sieben Monate) im Haus Schweicher Straße 13a. Ihr Grundstück liegt unmittelbar an der Straße - wer dort einen Schritt durch das Vorgartentor macht, der findet sich sofort auf der Fahrbahn wieder. Auf der Gegenseite verläuft ein Randstreifen, der als Gehweg und als Autostellfläche dienen soll. "An die Tempo-30-Regelung, die hier wie überall im Ort gilt, hält sich auch kaum jemand", sagt Stephanie Peters. Die Polizei habe auch schon Tempomessungen gemacht und Bußgelder kassiert, aber die abschreckende Wirkung sei immer nur von kurzer Dauer. Was Peters und ihre Nachbarn nicht verstehen: Unten am Ortseingang, wo die St.-Margarethen-Straße einmündet, wurde der Schweicher Straße vor einiger Zeit die Vorfahrt erteilt. Früher, als die St.-Margarethen-Straße als "abknickende Vorfahrt" in die Schweicher Straße mündete, wirkte sich dies drosselnd auf den Verkehrsfluss aus. Die nun an der Einmündung angelegten "Inseln", und die zur Markierung aufgestellten rot-weißen Kunststoff-Poller sind nach Auffassung der Anwohner wirkungslos. Direkt mit Blick auf die Einmündung wohnt Frank Klöckner. Kürzlich ist sein dreijähriger Sohn dort fast angefahren worden. Klöckner: "Wenn wenigstens die Vorfahrt wieder geändert würde." Stephanie Becker und ihre Nachbarn fragen: "Hier wohnen viele Kleinkinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Muss erst ein schwerer Unfall passieren, bevor gehandelt wird?" Eineinhalb Din-A-4-Seiten mit Unterschriften hat Becker gesammelt und führt seit Monaten mit der Ortsgemeinde Schriftverkehr in der Sache. Im jüngsten Schreiben an Ortsbürgermeister Manfred Nink schlagen Becker und ihre Nachbarn geschwindigkeitshemmende Maßnahmen wie Bodenwellen oder Blumenkübel vor. "Oder warum werden nicht einfach Parktaschen eingezeichnet, um das Tempo zu drosseln?", fragt Becker.Gemeinderat gegen Fahrbahn-Schwellen

Ortsbürgermeister Nink verweist auf eine Mehrheit im Ortsgemeinderat, die Bremsschwellen wegen der erhöhten Lärmbelästigung ablehne. Parktaschen seien nicht praktikabel, weil man dann wegen der geringen Fahrbahnbreite fast an allen Stellen in Konflikt mit gegenüberliegenden Ausfahrten gerate. "Die Ortsgemeinde soll uns Vorschläge machen, und wir werden sie wenn möglich umsetzen. Auch über die Vorfahrtsregelung kann man nachdenken", sagt Manfred Orth vom zuständigen Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Schweich. Auch will Orth nun das Gespräch mit Ortsbürgermeister Nink suchen. Meinung Wie wär's mit Blumenkübeln? Ein Beinahe-Unfall auf der Schweicher Straße, bei dem kürzlich ein D reijähriger in Lebensgefahr geriet, sollte als Warnung verstanden werden. Es bedarf keiner komplizierten Lösungen. Hilfreich wäre die erneute Änderung der Vorfahrt an der St.-Margarethen-Straße. Und wenn schon keine Parktaschen möglich sind - mehr Ruhe bringen würden auch versetzt am Fahrbahnrand aufgestellte Blumenkübel, die bei Gegenverkehr zum Halten zwingen. Diese Lösung wird anderenorts - etwa in Korlingen - schon seit Jahren erfolgreich angewandt. f.knopp@volksfreund.de