Ein Lebenswerk in guten Händen

Trier · Zwei Jubiläen und das Ende einer Ära: Heute feiert Ulrich Pasucha seinen 80. Geburtstag - Anlass, sich aus seinem vor 50 Jahren gegründeten Architekturbüro zurückzuziehen. Alleiniger Geschäftsführer wird zum Jahresende Partner Monty Klepzig.

 Generationswechsel: Triers dienstältester und erfolgreichster Architekt, Ulrich Pasucha (rechts), verlässt sein 1961 gegründetes Architekturbüro Ende des Jahres. Alleiniger Geschäftsführer wird dann Pasuchas Partner Monty Klepzig sein. TV-Foto: Roland Morgen

Generationswechsel: Triers dienstältester und erfolgreichster Architekt, Ulrich Pasucha (rechts), verlässt sein 1961 gegründetes Architekturbüro Ende des Jahres. Alleiniger Geschäftsführer wird dann Pasuchas Partner Monty Klepzig sein. TV-Foto: Roland Morgen

Trier. Pasucha setzt sich zur Ruhe - irgendwie unvorstellbar. Nicht nur, weil man ihm seine 80 Lenze nicht ansieht. Und dass sein Architekturbüro, das er vor 50 Jahren eröffnet hat, sich ebenfalls "gut gehalten" hat, wäre eine maßlose Untertreibung. "Wir sind international erfolgreich und haben momentan Aufträge für die nächsten anderthalb Jahre." Was so viel heißt wie: In der Betriebsgrößenordnung um die 25 Mitarbeiter zählt sein Unternehmen zu den Marktführern in Deutschland.
Diese Situation in Kombination mit dem runden Geburtstag allein wäre für den "ewigen Pasucha" noch kein Grund, sich zum Jahresende zurückzuziehen. Der Ausstieg hat auch einen Namen: Monty Klepzig. Seit zehn Jahren ist der gebürtige Chemnitzer Gesellschafter des Unternehmens, das seit 2010 unter Pasucha-Klepzig-Architekten firmiert.
30-Millionen-Projekt in Almati


"Ich weiß mein Lebenswerk bei ihm in guten Händen", sagt Ulrich Pasucha. Leicht fallen wird ihm der Abschied nicht. Dafür hat er seine Wahlheimat Trier zu sehr geprägt. Dass er als gebürtiger Ostpreuße überhaupt an der Mosel landete, sieht er als glückliche Fügung nach einer Kette von abenteuerlichen Ereignissen. Als 13-Jähriger wurde er nach Russland deportiert. 1946 als Waise in Berlin auf sich allein gestellt, wollte er Pastor werden. Nach dem Tod der Pflegemutter nahmen deren Trierer Schwester Martha Weis und Schwager Werner den Überlebenskünstler auf, der just die Maurerprüfung abgelegt hatte. Der Start einer einzigartigen Karriere. Noch vor dem Examen als Hochbauingenieur plante Pasucha das Gloria-Kino (Paulinstraße). Es folgten alleine in Trier mehrere Hundert Objekte von Gaststätten (unter anderem Petrisberg, Handelshof, Deutscher Hof, Kockelsberg) bis zum JTI-Zigarettenwerk (früher Reynolds Tobacco), das sich 40 Jahre nach dem ersten Bauabschnitt über eine Fläche erstreckt, die so groß ist wie 20 Fußballfelder. Der Löwenanteil an Pasucha-Bauten steht und entsteht außerhalb der Region: In Idar-Oberstein (Fissler) und Kirn (Brauerei) ebenso wie in Washington und Schanghai. Die Bandbreite aktueller Projekte reicht vom Einfamilienhaus in Trier-Heiligkreuz bis zum 30 Millionen Euro schweren Bürokomplex in Almati/Kasachstan.
Erfolgsgeheimnis? "Man muss die Menschen zufriedenstellen - Kunden wie Mitarbeiter", sagt Pasucha und fügt hinzu: "Wir waren noch mit keinem Bauherrn vor Gericht." Dass er 1967, einem schwierigen Jahr, auf sein Gehalt verzichtete, um die Mitarbeiter bezahlen zu können, erwähnt er nicht. Es ist aber verbürgt. Nachhaltige Qualität abliefern und als Chef soziale Verantwortung tragen - in dieser Einstellung ist Pasucha mit seinem Partner und Nachfolger einig: "Zwischen uns stimmt die Chemie einfach." Was nicht heißt, dass man fachlich immer einer Meinung ist. Klepzig wird am 22. September 40, ist also gerade mal halb so alt wie sein Mentor, und hat ebenfalls als Praktiker auf dem Bau begonnen, "um mein Studium zu finanzieren".
Am Freitag wird Ulrich Pasucha mit 200 geladenen Gästen Doppel-Jubiläum (80. Geburtstag, 50 Jahre Büro) feiern und bei dieser Gelegenheit den Ausstieg verkünden. Geschenke möchte der Gymnastik-Fan ("Jeden Tag mindestens 20 Minuten") und Weingenießer ("Am liebsten Riesling") keine. Stattdessen bittet er um Spenden für die Trierer Sportstiftung. Auch das ist typisch Pasucha - und Klepzig: "Wenn man erfolgreich ist, sollte man etwas abgeben."1961 gründete Ulrich Pasucha sein Architekturbüro in Trier. Das erfolgreiche Unternehmen, das seit 2010 Pasucha-Klepzig-Architekten heißt, beschäftigte in den 70er Jahren zeitweilig 38 Mitarbeiter, heute sind es 24 (nach 17 im Jahr 2006). Einer der Architekten ist Pasuchas Sohn Uwe (53; seit 20 Jahren dabei). Pasucha/Klepzig decken eine große Bandbreite von Wohnungs- über Verwaltungs-, Labor- und Industriebau bis hin zu Einkaufszentren ab und sind derzeit unter anderem in Polen, Rumänien, Ungarn und Kasachstan tätig. Im Inland zählt die Trierer Triwo AG zu den Hauptauftraggebern. Dieses Immobilienunternehmen hat Ulrich Pasucha am 5. Oktober 1972 mitgegründet. rm.

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