Ein leckendes Fass und ein leeres Einkaufszentrum

Ein leckendes Fass und ein leeres Einkaufszentrum

Ein leckgeschlagener Behälter mit einer giftigen Substanz löste am Dienstagabend einen Großalarm in Kenn aus (der TV berichtete). Die gefährliche Chemikalie konnte schnell gesichert werden. Die Bearbeitung des Falls hielt die Polizei auch am Mittwoch noch in Atem.

Kenn. (f.k.) Wie berichtet, hatte ein Passant gegen 19.20 Uhr auf dem Parkplatz des Real-Einkaufszentrums die von einer LKW-Ladefläche tropfende rote Flüssigkeit bemerkt und Alarm geschlagen. Die kurze Zeit später eintreffenden Feuerwehren aus Schweich und Kenn standen anfangs vor der Frage, um welchen Stoff es sich handeln könnte. Der LKW-Fahrer - und mit ihm die Frachtpapiere - waren zunächst nicht aufzufinden. Wehrleiter Alexander Loskyll von der Verbandsgemeinde Schweich entschied, die Gefahrenstelle weiträumig abzuriegeln und alarmierte vorsorglich DRK Schweich sowie Malteser-Hilfsdienst Kenn. Ebenfalls nach Kenn beordert wurden der Gefahrstoffzug Trier-Saarburg und ein Spezialfahrzeug der Berufsfeuerwehr Trier. Gegen 20 Uhr ließ Loskyll das Real-Einkaufszentrum evakuieren - die Kunden mussten gegen die Windrichtung vom Parkplatz zu fahren.

Als der Fahrer schließlich erschien, konnte die Identität der Chemikalie, der in 20-Liter-Blechbehältern auf einer Palette abgepackt war, ermittelt werden. Es handelte sich um Dichlormethan, einen Chlorkohlenwasserstoff, der Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu narkoseähnlichen Zuständen auslösen kann. Nach Rücksprache mit dem Transportunfall-Zentrum der chemischen Industrie in Ludwigshafen wurde der durch einen hervorstehenden Palettennagel beschädigte Behälter von der Feuerwehr in einen luftdichten Spezialbehälter verpackt. Luftmessungen des Gefahrstoffzuges ergaben keine Hinweise auf Verunreinigungen. Der LKW-Fahrer sowie zwei Polizeibeamte, die über Hustenreiz klagten, wurden zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben von Dieter Wiegandt von der Polizeiinspektion Schweich bestätigte sich der Verdacht auf eine Vergiftung jedoch nicht.

Die letzten der rund 70 eingesetzten Kräfte verließen gegen Mitternacht den Ort des Geschehens.

Der mit Sammel-Frachtgut beladene LKW befand sich auf der Fahrt von England nach Bulgarien. Doch am Mittwoch hatte er zunächst Zwangspause: Beamte des Wittlicher Polizei-Gefahrstofftrupps untersuchten gestern den Sattelzug.

Dazu Polizeihauptkommissar Ludwig Huber aus Wittlich: "Die Ladung war schlecht gesichert, die Papiere sind in Ordnung. Strafrechtliche Tatbestände sehen wir nicht. Alle Chemiefässer müssen aber in Sicherheitsbehälter umgepackt werden - so lange bleibt der LKW auf dem Gelände der Autobahnpolizei in Schweich stehen." Das Bundesamt für den Güterverkehr (BAG) werde nun ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen den bulgarischen Fahrer und seine Firma einleiten.

Wie viele Kunden am Dienstagabend das Real-Einkaufscenter in Kenn verlassen mussten, kann die Real-Zentrale in Düsseldorf nicht abschätzen. "Gott sei Dank ist unseren Kunden nichts passiert", sagt Silke Wimmers von der Real-Pressestelle. Ob Real nun rechtlich gegen die Transportfirma vorgehe, bleibe abzuwarten.

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