Ein Lotse tritt ab

IRSCH. Der dienstälteste Trierer Ortsvorsteher zieht sich aus der aktiven Kommunalpolitik zurück - noch nicht heute, noch nicht morgen, aber nach der Kommunalwahl im Juni, zu der Erwin Berg nicht mehr antreten wird.

Seit 30 Jahren übt der 66-Jährige das Amt des Ortsvorstehers von Irsch aus. Nach einem kurzen Intermezzo (1969 bis 1974) entschied sich der Ur-Irscher damals gegen den Trierer Stadtrat und für den Ortsvorsteher, um seine ganze Kraft dieser Aufgabe zu widmen. Es war die Zeit kurz nach der Eingemeindung, "eine Herausforderung", so Berg.Keine Langweile im Ruhestand

"Jetzt sollen mal Jüngere ran", findet der hoch angesehene und allseits beliebte Politiker, der sich nie als Parteisoldat verstand, sondern nach eigenem Bekunden stets versucht hat, die Parteipolitik rauszuhalten. Bei der letzten Wahl gelang Berg mit fast 80 Prozent ein Traumergebnis. Langeweile dürfte für den angehenden Ruheständler ein Fremdwort bleiben. Als Vorsitzender des Irscher Kulturvereins jedenfalls will er noch eine geraume Zeit weitermachen. Und auch die Seniorenarbeit liegt ihm nach wie vor am Herzen. Hinzu kommt eine weitere Leidenschaft, das Reisen. Die Erfolgsliste auf Bergs politischem Lebensweg ist lang. Vieles hat der Kommunalpolitiker für Irsch auf den Weg gebracht. Die Eingemeindung hielt der ehemalige Gewerkschaftsmann bei der gelben Post für ein so wichtiges Thema, dass er 1968 dem CDU-Ortsverband Kernscheid-Irsch-Filsch beitrat. 94,37 Prozent (bei einer Wahlbeteiligung von 84,14 Prozent) der Irscher sprachen sich in einer Bürgerbefragung gegen die Eingemeindung aus. Doch alles Aufbäumen nutzte nichts: Der bis dahin selbstständige Ort wurde am 8. Juni 1969 Trier zugeschlagen. Berg erinnert sich anfangs an "sehr heftige Auseinandersetzungen" im Stadtrat. Auf Bergs Initiative trafen sich die Ortsvorsteher vor den Fraktionssitzungen, "um anschließend mit einer Stimme zu sprechen". Man sei eine kleine, verschworene Gemeinschaft gewesen. "Die Ortsbeiräte wurden anfangs nicht ganz ernst genommen", glaubt Berg bis heute: "Wir waren jung, dynamisch und erfolglos", sagt Berg. Er öffnete die Ortsbeiratssitzungen für die Bürger, damit sich diese zu Wort melden können. Ausgestattet mit einer Dienstanweisung der Stadt, Dienstsiegel und Gebührenmarken, trat Berg 1974 sein Amt an. "Aber dafür noch Gebühren kassieren?", fehlte Berg das Einsehen. "Ortsvorsteher ist doch mein Hobby. Da braucht doch keiner was zu bezahlen" - eine Auffassung, die sich bis heute gehalten hat. Schule, Kindergarten, die Straßen größtenteils in ordentlichem Zustand, drei Neubaugebiete, ein attraktives Sportangebot, Kleingewerbegebiet, ein Mehrzweckraum und ein aktives Vereinsleben: Vieles davon hat Berg angestoßen oder mitbegleitet.Die Stadtbusanbindung sieht er kritisch

Ganz zufrieden ist er nicht: Die Stadtbusanbindung sieht er sehr kritisch. Auch die Infrastruktur könnte besser sein: "Kein Bäcker, kein Lebensmittelgeschäft, keine Bank. Diese Entwicklung konnte ich leider nicht verhindern." Für die jungen Leute sei dies kein Problem, aber Berg denkt an die Älteren und nicht so mobilen Bürger. Seinen Nachfolger nicht belasten wollte Berg mit der Umlegung "Probstei, Husarengäßchen, Franz-Rupp-Straße". Deshalb hat er dies noch "angeleiert".

Mehr von Volksfreund