Ein Mann der Werte

Er steht sogar im "Who is who?" - dem Personenlexikon. Wie er es da hinein geschafft hat? Anton Viktor Wyrobisch zuckt die Schulter: "Ich weiß es nicht". Vielleicht war es sein Engagement für die deutsch-polnische Verständigung. Dafür hat ihm sogar der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen zuerkannt.

Trier. Hauptberuflich ist Anton Viktor Wyrobisch Lehrer für katholische Religion, und das bereits seit 1973 am Auguste-Viktoria-Gymnasium. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Aber wenn er erzählt, steht etwas anderes im Vordergrund: Als Erster Vorsitzender der deutsch-polnischen Gesellschaft liegt ihm mit leidenschaftlichem Ernst daran, Vorurteile abzubauen.

Auf den Spuren des Pierre Fourier



Bestes Mittel dafür seien persönliche Begegnungen, und für die bereitet er den Boden. Mit Schülerfahrten nach Polen, Ausstellungen und Konzerten polnischer Künstler, Vorträgen oder Festen. Dazu gehört auch der jährliche Ball der Nationen, den er seit zehn Jahren mitorganisiert und moderiert.

Viel Zeit verbringt Wyrobisch auch auf den Spuren des Pierre Fourier. Er ist ein echter Fan dieses Pfarrers, Juristen und Theologen, der von 1565 bis 1640 in Lothringen lebte. Wenn Wyrobisch von ihm erzählt, gerät er ins Schwärmen und ist nicht mehr zu bremsen. In schneller und begeisterter Rede fliegen seine Gedanken durcheinander, aber den Faden verliert er dennoch nie.

Fourier gilt als Gründer des Welschnonnen-Ordens - und da liegt die Verbindung der beiden Männer. Denn als Lehrer des AVG arbeitet Wyrobisch auch im "Klosterbau", also der ehemaligen Schule, in der die Welschnonnen Mädchen unterrichteten. Als er sich beim Schulprojekt "Denk mal aktiv - Kulturerbe macht Schule" intensiv mit der Geschichte des historischen Gebäudes beschäftigte, stieß Wyrobisch auf Fourier und sein bemerkenswert modernes Ansinnen, sich für die Bildung von Mädchen stark zu machen. Er habe gewusst, was auch für die heutige Zeit so wichtig sei: "Es fehlt an einer sittlichen Ordnung. Dieser Mann hat klar erkannt, dass Bildung nötig ist, um politische Katastrophen zu verhindern."

Um Fourier und seine Mitstreiterin Alix Le Clerc bekannter zu machen, entwirft Wyrobisch Banner, Lesezeichen und Broschüren. Eines seiner Banner schmückt sogar die Kathedrale von Nancy. Für die Zukunft plant Wyrobisch die Übersetzung von Fouriers Briefen. Werte will der Religionslehrer, der in Trier auch Psychologie und Philosophie studiert hat, auch auf einem weiteren Weg vermitteln. Seit 1987 arbeitet er - mittlerweile als Landeskoordinator - daran, Unesco-Projektschulen in Rheinland-Pfalz zu etablieren, die sich an Schlüsselfragen wie Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Toleranz orientieren.

Wyrobisch kennt sich damit aus, Dinge aufzubauen. Geboren 1948 in Groß-Döbern in Oberschlesien, wurden seine deutschen Eltern nach dem Krieg enteignet. Sein Vater, der eine Strumpffabrik besaß, rettete eine einzige Maschine, als die Familie 1958 in ein Auffanglager nach Friedland floh. Von dort ins Saarland geschickt, baute sich die Familie eine neue Existenz auf, wobei auch der junge Anton Viktor mithalf. Auf den Märkten in der Eifel lernte er, gestrickte Kleidungsstücke zu verkaufen. Heute bringt er, der sein Leben immer an Orten verbracht hat, an denen verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, erfolgreich Verständigung an den Mann und die Frau.