Ein Mann für alle Fälle

Von 1989 bis 1999 war Dr. Norbert Neuhaus Triers Wirtschaftsdezernent. Zu einer zweiten Amtszeit kam es nicht, "weil niemand für mich in die Bütt ging". Stattdessen ging Neuhaus, und zwar in die Privatwirtschaft. Heute ist er als Unternehmensberater, Autor und Publizist tätig.

Trier. Norbert Neuhaus auf dem Fahrrad unterwegs durch Trier - ein Bild wie in alten Zeiten, nur viel seltener. Alleine seine Auslandstermine summierten sich 2009 auf rund zweieinhalb Monate. "Klar, dass ich dann nicht mehr ganz so oft in der Heimat anzutreffen bin ", sagt der 56-Jährige. 1998 hätte Neuhaus nicht damit gerechnet, seinen dienstlichen Aktionsradius weit über die Großregion Trier hinaus auszuweiten. Damals signalisierte er seine Bereitschaft, als Wirtschaftsdezernent weiterzumachen. Doch er stand ziemlich allein auf weiter Flur. Seine Partei, die CDU, hievte 1999 Christiane Horsch ins Amt. Was Neuhaus als "völlig in Ordnung" bezeichnet. Verwunderlich aber für ihn: "Ich habe einen guten Job gemacht und erwartet, dass jemand für mich in die Bütt geht." Weil das nicht passierte und er sich nicht "zum Spielball machen lassen wollte", schaltete der einstige Senkrechtstarter und Triers jüngstes Stadtvorstandsmitglied aller Zeiten auf Neustart. Mit 45 machte sich der promovierte Volkswirt als Unternehmensberater selbstständig.

Die ersten Großeinsätze ließen nicht lange auf sich warten. Fünf Jahre lang war Neuhaus mit den "Aufräumarbeiten" nach der Affäre um die Caritas-Trägergesellschaft Trier (ctt) beschäftigt. Er übernahm Geschäftsführungen "in allen Bereichen, in denen es brannte". Das war unter anderem in der Bergstraße der Fall. Die Wohnanlage auf dem Gelände der abgerissenen Löwenbrauerei stand im Rohbau. "Ich habe das Projekt zu Ende geführt, die 55 Wohnungen vermietet und dann die Liegenschaft verkauft", berichtet Neuhaus. Einer der Mieter ist er selbst. Die Wohnung in der Bergstraße ist aber nicht Neuhaus einziges Domizil in Trier. Sein "familiäres Leben" führt der 56-Jährige mit Glaubensbrüdern im Trierer Zentrum von Opus Dei in der Stresemannstraße.

Die Zugehörigkeit zu der konservativen katholischen Gemeinschaft bietet eine Erklärung für Neuhaus' immense Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit. Er selbst spricht von "Heiligung durch berufliche Arbeit" und "Selbstverwirklichung im wirklichen Sinne".

Aber schon vor seinem Eintritt in Opus Dei 1977 galt der an Allerheiligen 1953 in Brohl am Rhein geborene "Positiv-Denker" (Neuhaus über Neuhaus) als eifriger und konzeptioneller Arbeiter, der den Dingen gerne auf den Grund geht, auch wenn es in der eigenen Freizeit ist.

"Ja, da ist was dran", stimmt Neuhaus zu; das Konzept für den Aufbau der regionalen Abfallwirtschaft, eine seiner großen Errungenschaften als Dezernent, habe er im Weihnachtsurlaub 1990 geschrieben. Nachhaltige Folge: Die Abfallgebühren sind niedrig und stabil. Neuerdings geht Neuhaus neben seiner Beratertätigkeit ganz neue Wege. Nach einem zweijährigen Intermezzo als Generalsekretär des päpstlichen Hilfswerks "Kirche in Not", das ihn von 2004 bis 2006 in 17 Länder führte, ist er nun auch unter die Autoren und Herausgeber gegangen. Sein gemeinsam mit dem langjährigen Trierer CDU-Vorsitzenden und Europa-Parlamentarier Horst Langes (81) verfasstes Buch "Werte der christlichen Demokratie" ist in Rumänisch, Russisch und Ukrainisch erschienen. Seinem "Anliegen, Themen Roms und der Weltkirche nach Deutschland zu tragen" trägt er mit dem seit 2007 monatlich erscheinenden Magazins "Vatican" Rechnung, bei dem er als Mitherausgeber fungiert. Weitere Früchte seines jüngeren Schaffens: die Produktion der DVD "Die Miniaturen des Codex Egberti - vorgestellt von Professor Franz Ronig" und ein Führer zu den "Heiligen und Seligen des Niederrheins". So etwas würde er auch gerne für Trier machen.

Fast wäre Neuhaus 2006 als Nachrücker im Stadtrat gelandet. Aber wegen der zahlreichen Auslandsreisen für "Kirche in Not" sagte er ab. Grundsätzlich steht der CDU-Mann parteipolitischen Aufgaben aufgeschlossen gegenüber: "Wenn ich gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung. Ich hege keine Ressentiments und bin nach wie vor ein positiv denkender Mensch." Und, wie er freimütig einräumt, "viel lockerer geworden".