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Ein Mann mit "Ecken und Kanten" für Triers Norden

Ein Mann mit "Ecken und Kanten" für Triers Norden

STADTKYLL/TRIER. Der Bischof hat gerufen: Joachim Waldorf, seit fast 18 Jahren Pastor in den Pfarreien Stadtkyll, Hallschlag, Ormont und Schüller, wechselt nach Trier. Im Frühjahr übernimmt er die vakanten Pfarreien St. Martin und St. Paulin.

Es ist kein leichter Abschied für Joachim Waldorf: "Schweren Herzens", so bekennt er im aktuellen Pfarrbrief in der Eifel, folge er dem Ruf nach Trier. Im Oberen Kylltal, so erzählt er im Gespräch mit dem TV, habe er sich wohlgefühlt, seit er 1989 als 31-Jähriger die Nachfolge von Wilhelm Wagner antrat. Was er nun hinter sich lasse, sagt Waldorf, "ist immerhin mein bisheriges Lebenswerk. Und ich glaube, dass ich hier noch einiges hätte bewegen können.""Völlig normal, dass Pfarrer versetzt werden"

"Es tut uns allen Leid, dass er geht", sagt Christian Kandels, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Stadtkyll. "Aber wenn er für höhere Aufgaben bestimmt ist, dann sei ihm das natürlich vergönnt." Ob die beiden Pfarreien im Trierer Norden als "höhere Aufgabe" zu sehen sind, lässt man beim Generalvikariat offen. Genauso wie die Frage, warum die Wahl auf Waldorf fiel: "Die Gründe darf ich überhaupt nicht veröffentlichen", sagt Personalchef Rainer Scherschel. Es sei aber "völlig normal, dass Pfarrer versetzt werden". Immerhin - zu einer allgemeinen Aussage lässt sich Scherschel dann doch überreden: "Grundsätzlich versetzen wir Leute auf eine Stelle in der Hoffnung, dass sie das gut können, was da zu tun ist." In der Doppel-Pfarrei St. Martin/St. Paulin erwartet Waldorf ein weites Betätigungsfeld. St. Paulin wurde jahrzehntelang von Pfarrer Ernst Vierbuchen geprägt, der sich stark für den Erhalt einer der bedeutendsten Barockkirchen des Landes Rheinland-Pfalz eingesetzt hatte. Vierbuchen war von 1965 36 Jahre lang, bis 2001, Pfarrer in Paulin und galt als Symbolfigur des konservativen Flügels der katholischen Kirche. Sein Nachfolger Josef Mettel wurde allerdings nach wenigen Jahren versetzt. Die Vakanz füllte Pfarrer Josef Schönborn, der bereits im Ruhestand ist. Damit waren 36 Jahre Kontinuität in der pastoralen Seelsorge beendet. Pfarrer Waldorf kommt in eine der ältesten Christen-Gemeinden Deutschlands, die in ihrer Geschichte auf eine lange Tradition bis zu den Märtyrern im dritten Jahrhundert zurückblicken kann. Diesen widmet die Pfarrei Paulin traditionell die jährlichen Märtyrertage mit besonderen Gottesdiensten im Oktober. Neben den zahlreich besuchten Gottesdiensten an Festtagen wie Pfingsten, Ostern oder Weihnachten zeichnen sich die Pfarreien St. Paulin und St. Martin durch eine rege Konzerttätigkeit aus und bilden einen kulturellen Schwerpunkt mit Orgel- und Chorkonzerten im Trierer Norden. Zudem ist die Barock-Basilika Paulin als Kirche für Hochzeiten im ganzen Umland beliebt. Bei der Wahl Joachim Waldorfs dürfte offensichtlich mehr als nur Hoffnung den Ausschlag gegeben haben: "Ein fähiger Mann", beschreibt Christian Kandels den 48-Jährigen. "Mit Ecken und Kanten - er sagt immer geradeheraus, was er denkt. Vielleicht war das ja der Grund." In der Eifel zumindest habe Waldorf Impulse gesetzt: Für Kandels bleibt vor allem Waldorfs Jugendarbeit in guter Erinnerung. Ebenso die Renovierung der Pfarrkirchen in seiner Seelsorge-Einheit. Und die Reisen mit dem Pastor, der zugleich die Bistumswallfahrten leitet: Rom, Lourdes, das Heilige Land oder zuletzt die Fahrt auf den Spuren von Papst Benedikt XVI. Waldorf habe zu Bischof Reinhard Marx zu seiner Versetzung gesagt: "Wenn Sie das wollen, dann mach' ich das", berichtet Waldorf. "Und zwar mit vollem Einsatz." Wer auf ihn folgt, bleibt offen

Ein bisschen Zeit bleibt dem Pastor noch bis zum Abschied aus dem Oberen Kylltal: Denn die nächsten Kommunionkinder will Joachim Waldorf auf jeden Fall noch betreuen. "Das hat er sich nicht nehmen lassen", erzählt Pfarrsekretärin Margit Brandt-Leuwer. Das "bisherige Lebenswerk" des Pastors rundet sich zu einer schönen Schlusspointe. Vorige Woche trat eines der Kommunionskinder aus Joachim Waldorfs erstem Stadtkyller Jahr wieder vor den Altar: Andrea Bach - diesmal allerdings als Braut.