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Ein Markt voller Möglichkeiten

Ein Markt voller Möglichkeiten

TRIER. Ein Gemeinwesen lebt vom Ehrenamt und vom freiwilligen Engagement der Bürger. Um Appetit darauf zu machen, verwandelte die Trierer Ehrenamts-Agentur in Trier am Samstag den Viehmarkt in eine riesige Informationsbörse.

Nur das Wetter blieb hinter seinen Möglichkeiten zurück beim "Markt der Möglichkeiten", der ersten Freiluft-Informationsbörse rund um's Trierer Ehrenamt. Unter dem Motto: "Freiwillig, aber nicht umsonst . . ." informierten rund 50 Vereine, Gruppierungen und Organisationen auf dem Viehmarkt über ihre ehrenamtlichen Aktivitäten und warben um die Gunst der Besucher in ihrem Dienst von Bürgern für Bürger. Mitarbeitermangel auch beim Hospizverein

Auch ohne optimale äußere Bedingungen war die Besucher-Resonanz beachtlich. Selbst Carsten Müller-Meine, Leiter der Ehrenamtsagentur, war im Großen und Ganzen zufrieden. Die Veranstaltung sei alleine schon wegen der großen Anzahl an Aktiven ein Erfolg, stellte OB Helmut Schröer zum Auftakt fest. Zwar sei Ehrenamt in, aber es sei nicht damit getan, nur darüber zu reden: "Man muss es auch tun". Der Wert einer Stadt bestehe letztlich darin, wie sich die Bürger einbringen, zeigte sich Schröer positiv überrascht über das vielfältige Angebot. Nachwuchsarbeit tut bei dem einen mehr Not als bei dem anderen. So steht die Trierer Jugendfeuerwehr mit über 130 Mädchen und Jungen überaus gut da. Anders die Situation beim Polizeichor Trier, der unverblümt seine Nachwuchsprobleme beim Namen nennt und für das Singen in seine Reihen wirbt: "Sie müssen kein Polizist sein". Jeder "rechtschaffene" Bürger könne mitmachen. Derweil geben die Porta Nigra Zoomers mit flottem American Square Dance einen Einblick in ihr Vereinsleben. Mit von der Partie im Rahmenprogramm sind der Polizeichor und die TSG-Kindertanzgruppe aus Biewer. Mit der Frage "Quo vadis, Ehrenamt", beschäftigt sich eine Diskussionsrunde, moderiert von Dieter Lintz (Leitender Redakteur des Trierischen Volksfreunds). Superintendent Christoph Pistorius bringt die Misere am Beispiel der evangelischen Kirche des Rheinlandes auf den Punkt: Die Kirche mit 89 000 Mitarbeitern und 120 000 Ehrenamtlichen sei ohne die Freiwilligen schlichtweg "aufgeschmissen". Auffälligster Infostand ist neben dem bunt angemalten Boscomobil des Jugendwerks Trier-West der Motivwagen der Karnevalsgesellschaft "M'r wieweln noch en Zalawen", darin ein ganzer Schwarm von Mädchen beim Kinderschminken. "Über die Kinder, an die Kinder, zu den Eltern", lautet für Ralf Gieche die Parole. Mit der Teilnahme wolle man auch Erwachsene für eine Vereinsmitarbeit gewinnen. Einige Schritte weiter ein ganz anderes Thema: Aufgabe des Hospizvereins ist es, ein würdevolles Sterben im Kreise der Familie zu ermöglichen - Zuhause oder in Einrichtungen. Um dies auch in der Zukunft zu sichern, "brauchen wir viel mehr Leute", so Maria Brandau. Daher sei die Suche nach Ehrenamtlichen der wichtigste Punkt. Am Ende des Tages freut sie sich über ein halbes Dutzend konkret Interessierter, die sich in eine ausgelegte Liste eingetragen haben. Freude herrscht auch am Stand der Trierer Kanufahrer, wo die erste und zweite Schicht wacker bis zum Veranstaltungsende ausharren: "Über mangelndes Interesse brauchten wir uns nicht zu beklagen", heißt es dort. Ein guter Grund für eine Neuauflage des "Marktes der Möglichkeiten" im kommenden Jahr.