Stadtpolitik: Ein neuer Name für die Hindenburgstraße? Der zweite Versuch

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Der Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld will der rund 260 Meter langen Asphaltstrecke zwischen Kaiserstraße und Viehmarkt einen neuen Namen geben. Es ist der dritte Vorstoß in dieser Sache binnen der vergangenen zehn Jahre.

Heute vor 100 Jahre, am 18. November 1919, setzte Reichspräsident Paul von Hindenburg die so genannte Dolchstoßlegende in die Welt. Das deutsche Heer sei im Ersten Weltkrieg im Feld unbesiegt geblieben. Schuld an der Niederlage des Deutschen Reichs sei vielmehr die Zivilbevölkerung, deren Unterstützung gefehlt und die dadurch die Armee „von hinten erdolcht“ habe.

Die Nationalsozialisten nutzen die Verschwörungstheorie für ihre Propaganda. Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler schließlich zum Reichskanzler.

Die Erinnerung an diese Geschehnisse nahmen die Grünen im Stadtteil Trier-Mitte/Gartenfeld in der Novembersitzung des Ortsbeirats zum Anlass, die Umbenennung der Hindenburgstraße, die zwischen der Kaiserstraße und dem Trierer Viehmarktplatz verläuft, zu fordern. „Gerade in einer Zeit, in der Versuche zunehmen, die Schreckensherrschaft von 1933 bis 1945 zu relativieren, soll dieser Wegbereiter des ,Dritten Reichs’ nicht mehr die Ehre behalten, Namensgeber einer Straße in Trier zu sein“, begründet Horst Steffny den Antrag seiner Fraktion.

Der Ortsbeirat stimmte mit deutlicher Mehrheit zu. Auch Ortsvorsteher Michael Düro, ebenfalls Grüne, ist dafür: „Hindenburg hat eine sehr unrühmliche Rolle bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten gespielt. Mit der Straßenumbenennung wollen wir klar Position beziehen.“

Die Trierer Stadtverwaltung steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Zwar hatte der Stadtrat bereits 2013 beschlossen, dass die Hindenburgstraße einen neuen Namen erhalten soll – der Ortsbeirat Trier-Mitte lehnte damals allerdings ab (siehe Info).

Mit der Zustimmung des Gremiums wird die Sache wieder aktuell – denn der Stadtratsbeschluss von damals gilt noch. Muss die Stadtverwaltung nun also ohne weitere Diskussion die Straßenumbenennung einleiten? So einfach ist die Sache nicht.

Denn 2017 haben Verwaltung und Rat die Grundsätze für die Benennung von Straßen in Trier geändert. Seitdem haben die Ortsbeiräte einen viel größeren Einfluss darauf. Die Rolle des Stadtrats wurde dagegen abgeschwächt. Dafür muss jetzt der Stadtvorstand mit der Namenswahl einverstanden sein. Zwischen Ortsbeirat und Stadtvorstand müsse „Einvernehmen“ herrschen, heißt es in dem entsprechenden Beschluss von 2017.

Anders als der Stadtrat hatte sich der Stadtvorstand allerdings 2013 klar dagegen ausgesprochen, dass die Hindenburgstraße ihren Namen verlieren soll. Allerdings hat der komplette Stadtvorstand seitdem gewechselt: Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen, die damals zuständige Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani, Ex-Ordnungsdezernent Thomas Egger und auch die einstige Sozialdezernentin Angelika Birk sind längst nicht mehr im Amt.

Wie der neue Stadtvorstand – Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Baudezernent Andreas Ludwig, Ordnungsdezernent Thomas Schmitt und Sozialdezernentin Elvira Garbes – zu der Sache stehen, ist ungeklärt. Nach dem erst kürzlich gefassten Beschluss des Ortsbeirats Mitte-Gartenfeld, die Straße umzubenennen, habe sich der Stadtvorstand „noch nicht mit der Angelegenheit befasst. Eine Meinung des Stadtvorstandes dazu gibt es also noch nicht“, teilt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage mit.

Die Meinung des aktuellen Stadtvorstandes ist aber nicht die einzige Hürde. Möglich sind laut Satzung Straßenumbenennungen nämlich nur, wenn „dies aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist“. Dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung durchaus gewahrt bliebe, auch wenn die Straße ihren Namen behält, räumt Ortsvorsteher Düro ein. „Für mich ist das übergeordnete Interesse an einer Umbenennung der Straße allerdings sehr hoch einzuordnen – unser Bedürfnis, die Namen Hindenburg aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen, ist groß.“

Düro geht denn auch fest davon aus, dass sich der Stadtvorstand in Kürze mit der Angelegenheit auseinandersetzen wird. „Uns schwebt vor, dass Bürger, Vereine, Verbände und Organisationen befragt werden, um das gesamtstädtische Interesse in dieser Sache festzustellen“, sagt der grüne Ortsvorsteher. Die Befragung der aktuellen, direkten Anwohner der Hindenburgstraße – wie die Stadt es 2014 getan hat (siehe Info) – reiche jedenfalls nicht aus.

Auch ein neuer Name für die Straße könnte über eine Bürgerbefragung gefunden werden. Ideen dafür gibt es bereits: Nach dem Vorbild des ansässigen Gymnasiums, das 2004 von Hindenburg- in Humboldt-Gymnasium umbenannt wurde, könne auch die Straße zur Humboldtstraße werden. Alternativ könnte die an der Einmündung in die Kaiserstraße stehende Synagoge mit dem neuen Straßennamen in Zusammenhang stehen.

„Es kam auch schon der Vorschlag auf, dass Frauen bevorzugt als mögliche Namenspatroninnen in den Blick genommen werden sollen“, sagt Düro.

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