Ein neues Lied für die Liebste

Ein neues Lied für die Liebste

TRIER. "Tandaradei, Tandaradei", singt Raynmar, der Fiedler. "Andacht", ruft es laut quer durch die Wohnstube des Frankenturms. Der Mönch Bruder Markus verbietet die deftigen und untugendhaften Lieder des Schreibers und Minnesängers und wünscht fromme Gesänge. Doch Fräulein Katharina vom Turm ermutigt den Spielmann, ihr ein neues Lied zu dichten.

Wer in den kommenden zwei Wochen den Frankenturm betritt, ist mitten drin im Mittelalter, mitten in einer von vielen Geschichten, die sich um die Figuren spinnen, die im mittelalterlichen Wohnturm im Jahre 1289 leben.Herr Norbart vom Turm ist auf Reisen gegangen und hat Raynmar, den Fiedler, als Schreiber angestellt. Obwohl er in einem Kloster erzogen wurde, hat Raynmar viele Grillen im Kopf, singt lieber deftige Weisen aus Tavernen, springt und hüpft dazu oder dichtet romantische Liebeslieder. Das Fräulein Katharina vom Turm ist im heiratsfähigen Alter, lauscht gerne dem Fiedler, aber hofft auf einen reichen Gemahl.

Der Mönch achtet auf die Moral

"Raynmar, heute morgen habt Ihr mir doch ein neues Lied versprochen. Nun, was ist damit?", fragt Katharina. Schnell sucht sich Raynmar einen Assistenten. Gut, dass Niklas Czubkowski (7) zu Gast im Frankenturm ist. Schnell greift der Junge am Schreibpult zu Feder, Papier und Tusche und dichtet: "Holde Katharina, Ihr seid so fleißig wie eine Spinne."

Raynmar springt auf, hüpft vor Freude und singt lauthals. Der Benediktinermönch Bruder Markus, der bei Abwesenheit des Turmherrn auf Moral und Tugendhaftigkeit achtet, erscheint und versucht Raynmar vergeblich, Andacht und stilles Stehen beizubringen.

Da geht der Bruder doch lieber zu Magd Margaretha und fragt nach einer kleinen Leckerei. "Bruder Markus, es hat noch nicht die sechste oder die neunte Stunde geschlagen", ermahnt ihn die Magd zur Einhaltung seiner Ordensregeln. Außerdem ist die Mandelmilch noch nicht bereitet. Jakob Schauer (6) muss erst die Mandeln zermahlen und mit Wasser verrühren. Seine Schwester Sofie Schauer (9) indes singt mit Raynmar und Niklas ein Lied für Katharina: "Tandaradei, Tandaradei."

"Mich hat interessiert, wie der Frankenturm innen aussieht. Und für die Kinder ist es toll, ins Mittelalter abzutauchen. Ich bin positiv überrascht, dass sie hier aktiv mitmachen dürfen", sagt Anne Schauer. Beim Programm "Vogelweide" vom Verein "Mobile Spielaktion" sollen vor allem Kinder mittelalterliches Leben und Geschichte durch Geschichten und Interaktion kennen lernen. Das kulturpädagogische Angebot richtet sich aber auch an Familien und alle, die am simulierten Mittelalter interessiert sind.

Der Frankenturm aus dem 12. Jahrhundert ist die passende Kulisse für die Inszenierung. Er ist wie eine zeitgenössische, karge Wohnstube eingerichtet. Die Mägde Margaretha und Gertraud zeigen häusliche Arbeiten wie Wolle spinnen, weben und kochen, Katharina stickt und Raynmar dichtet. Aber auch das Umfeld des Turms ist ins Spiel einbezogen. Söldner Siegmund ist mit seinem Knappen Tilman zu Gast, zeigt Rüstungen und Waffen.

Eine Gauklerin unterhält das Volk mit Spielen, jongliert und erzählt Geschichten. Der Ausflug ins Mittelalter wird vom Verein "Alt Luxemburg" unterstützt und vom Kultursommer Rheinland-Pfalz gefördert.

"Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich hier am Besten finde", sagt Niklas Czubkowski mit großen Augen. "Es ist alles schön, die Rüstungen und das mit der Wolle. Der Raynmar dichtet und dichtet. Ich habe ihm einen Satz geschrieben, das hat Spaß gemacht. Und es ist toll, dass das Gebäude schon so alt ist", sagt der Siebenjährige begeistert.

Gespielt wird "Vogelweide" bis zum 5. Juni, samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils zwischen 10 und 18 Uhr, werktags von 14 bis 18 Uhr. Eintrittspreise 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro und 10 Euro für Familien. Schulklassen können Programme am Vormittag buchen. Informationen unter Telefon 0651/4362583 oder im Internet.

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