Kolumne : Ein oder zwei Knie?

Dass Wörter im Trierischen mit zwei Artikeln ausgestattet sind, ist keine spezifische mundartliche Besonderheit. Im Standartdeutsch taucht dieses Phänomen auch auf. Bei Bach trifft diese Doppelbelegung im Hochdeutschen wie in der Mundart zu.

Der Bach allgemein, die Bach im Speziellen. Ebenso im Trierischen. Dä Baach hönner em Haus und die Baach, die Olewijer Baach im Speziellen.

Der Grund für die Doppelbelegung ist in der Sprachwissenschaft nicht eindeutig geklärt. Auffallend ist, dass bei zusammengesetzten Bachbezeichnungen, die Aulbaach, die Wewerbaach, die aus einem vorangestellten Wort (genaue Bezeichnung Aul, Wewer) und dem allgemeinen zweiten Teil (Baach) der weibliche Artikel verwandt wird.

Beim Knie ist die Sache ähnlich gelagert. Dä Kniejen dut mer wie. Das Knie schmerzt. Hier ist Kniejen Einzahl, obgleich es sich wie Mehrzahl anhört, und männlich. Ob Einzahl oder Mehrzahl es heißt immer Knijen. Vereinzelt hört man Kni, datt Kni, sächlich. Man findet es stets in einer anderen Verbindung.

In Redensarten erscheint datt Kni. Aanen iewer ett Kni läjen (verprügeln) oder ebbes iewer ett Kni bräjen (überhastet entscheiden) sächlich gebraucht.

Ebenso bei zusammengesetzten Wörtern. Dä Knifaal, die Knischeif, die Kniboks, knihiesch. So hat auch datt Kni eine schöne Verwendung gefunden.

Obb de Knijen brängen (unterwerfen), obb de Knijen faalen (Abbitte leisten) önn de Knijen faalen (zusammensinken) herrscht Knijen vor. Wobei hier mehr die Mehrzahl verwendet wird. Somit ist Knijen wieder fein im Geschäft.

Josef Marx

Josef Marx ist Autor des Trierer Wörterbuches, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Horst Schmitt hat er mehr als 12 000 Stichworte Trierisch-Hochdeutsch und Hochdeutsch-Trierisch zusammengetragen.