"Ein paar Äste im Wasser"
Trier · Im Eurener Wald bieten drei Tümpel seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Jetzt hat eine Leserin, die dort regelmäßig vorbeischaut, Alarm geschlagen: Rücksichtlose Holzernte habe starke Schäden verursacht, sagt auch ein Umweltexperte. Doch die Stadt als Kontrollbehörde sieht das anders.
Trier. Einst klopfte ihr Herz hier vor Liebe - jetzt beschleunigt eher der Frust den Puls der Eurener TV-Leserin Petra Lieser: Sie ist "fassunglos" darüber, wie ein lauschiges Biotop mit drei kleinen Tümpeln im Eurener Wald derzeit aussieht.
Sie kennt das Areal schon seit Jahrzehnten und stattet ihm regelmäßig einen Besuch ab - auch, weil es die Eurenerin an die ersten romantischen Momente mit dem Mann erinnert, mit dem sie bis heute verheiratet ist. Allerdings war die Stelle schon damals kein völliger Geheimtipp: "Beim ersten Besuch in den achtziger Jahren trafen wir auf einen Reporter vom Volksfreund", erinnert sich Lieser.
Bei einem Spaziergang vor einigen Wochen kamen allerdings keine Frühlingsgefühle in ihr auf: Zuerst erschreckte die Frau sich über den durch Holzfällarbeiten tief zerfurchten Boden, musste über offenbar achtlos liegengelassene Stämme und Äste steigen.
Die drei Tümpel fand sie dann in einem jämmerlichen Zustand vor: Einer war fast ausgetrocknet, dichte Schwärme von Kaulquappen drängten sich im niedrigen, brackigen Wasser. "Durch die Arbeiten wurde der Wasserlauf verändert", glaubt Lieser. Ein paar Meter weiter war der nächste Tümpel kaum noch zu erkennen: Hineingefallene Äste und sogar ganze Baumstämme hatten ihn in Morast verwandelt.
Offenbar waren Stämme quer durch die Weiher gezogen und große Mengen Holzabfälle einfach darin liegen gelassen worden. "Durch einen Tümpel ist man mit schwerem Gerät sogar durchgefahren", deutet Lieser Reifenspuren. "Ich war im März noch da, da war alles voller Leben. Das kann doch nicht rechtens sein!"
Auch Manfred Weishaar vom Naturschutzbund (Nabu) spricht von "einer unglaublich naturfremden forstlichen Maßnahme": Die Quellmulde, aus denen sich die Tümpel speisen, sei weitgehend zerstört. Die Landes-Naturschutzverwaltung führt das Areal in ihrem Biotopkataster (BK-6205-0611-2007) und auch im Landschaftsplan der Stadt Trier finden die Tümpel Erwähnung: Als vorkommende bedrohte Arten werden Seerose, Berg- und Fadenmolch sowie die Erdkröte aufgezählt.
"Diese Gewässer waren also Laichbiotop für streng geschützte Amphibien, deren Brutstätten genauso einen Schutzstatus im Bundesnaturschutzgesetz genießen", sagt Weishaar.
Die Stadt Trier als Trägerin der aufsichtführenden unteren Naturschutzbehörde sieht allerdings keinen größeren Umweltfrevel im Eurener Wald - und vor allem keinen strafbaren Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz: Bei einem Ortstermin sei festgestellt worden, dass die Tümpel nicht verändert worden, sondern nur "einige Äste" in die Tümpel gefallen seien, sagt Pressesprecher Ralf Frühauf. Ihr Wert als Laichgewässer habe ohnehin stark abgenommen: "Die niedrigen Wasserstände sind jahreszeitlich sowie durch die Tatsache bedingt, dass die Tümpel immer weiter verlanden."
Zwar sei der hinführende Weg durch schweres Gerät und Holzabfälle unbrauchbar gemacht worden - aus Sicht des Naturschutzes könne "dieses Durcheinander aber nur begrüßt werden": Die tiefen, wassergefüllten Fahrspuren seien hervorragend als Laichhabitat für Amphibien geeignet, sagt Frühauf.
Mit dem zuständigen Revierleiter habe man vereinbart, dass Äste und Abfallholz aus den Tümpeln und einer Ablaufrinne wieder entfernt werden. Die Tümpel sollen außerdem bis zu einem halben Meter tief entschlammt werden, der Weg zu ihnen aber bewusst "chaotisch" verbleiben - um die Zugänglichkeit der Tümpel zu erschweren, sagt Frühauf. "Die Maßnahmen sollen aber nicht vor September erfolgen, um eventuell noch vorhandene Tiere nicht zu gefährden."
Eine Bitte um Stellungnahme an die Vereinigten Hospitien, denen das betreffene Waldstück gehört, blieb unbeantwortet. Der Pflegestiftung macht Umweltschützer Weishaar ganz direkte Vorwürfe - schließlich sei die Ressourcenschonung doch einer ihrer Grundsätze. Dieser sei aber "im vorliegenden Fall leider gröblichst verletzt worden!"