Ein paar Gläser zu Andres Ehren:

Literatur : Ein paar Gläser zu Andres’ Ehren

Die Stefan-Andres-Gesellschaft in Schweich beschäftigt sich mit dem Begriff der Freude.

Der Schriftsteller Stefan Andres (1906 bis 1970) aus Trittenheim-Dhrönchen beschäftigte sich mit einer Form des christlichen Existentialismus und der Frage, welchen Weg Menschen zwischen Freiheit und Schuld wählen.

Doch Andres sei nicht nur ein Bewältiger großer Romane gewesen, sondern auch ein Meister der kleinen Form, „wo in einem Moment der Intensität die ganze Welt aufleuchtet. Er schrieb über Alltagsprobleme einfacher Leute in liebevoller, heiterer Art“, sagt der Präsident der Stefan-Andres-Gesellschaft Wolfgang Keil. Darum ging es auch vergangenen Samstag.

Die Stefan-Andres-Gesellschaft hatte zu einem geselligen Abend unter dem Motto „Wahre Freude ist eine ernste Sache - in Literatur und Weinkultur“ in den Niederprümer Hof nach Schweich eingeladen – zum sechsten Mal in dieser Form. Der Abend war kostenlos, auch daher der Andrang groß. Es gab 102 Anmeldungen auf 85 Plätze.

Die Rezitatoren Reinhard Boesten, Elisabeth Cannivé-Boesten, Michael Frede, Peter Kruse und Carla Schött lasen in wechselnden Rollen aus ausgewählten Texte von Stefan Andres. In der Anekdote „Porzellantragödie“ dominierte die Schadenfreude. In der „Tugend an sich im Küchengarten“ ging es um die Vereinigung von Sinnenfreude und Seelenfrieden und in der Erzählung „Die große Erfindung des Dom Perignon“ bereiteten die Götter Eros und Bacchus dem Menschen einen Gipfel der Freude.

Zwischendurch spielte die Band UNO mit Norbert Olk und Uschi Bös Lieder aus mehreren europäischen Ländern. Der Winzer Günter Gindorf aus Schweich schenkte von seinen Weinen aus. Beim dritten Lied „Toutes les femmes sont belles“ kam Stimmung auf. Gindorf schenkte einen trockenen Pinot Noir ein, der zwei Jahre im Barrique gereift war. Es folgten „Canzone blu“ von Al Bano und Romina Power und ein halbtrockener Kabinett aus den Schweicher Steillagen in Spontangärung. „Der Kabinett ist der Einstieg in die Prädikatsweine“, so Winzer Gindorf. Der Autor Horst Lachmund trug eine Erzählung über Kindheitserinnerungen vor, die ihn bis heute erfreuen, etwa an das Fahrrad, welches sein Vater für ihn nach dem Krieg restaurierte. „Freude hängt nicht von Preisschildern ab“, sagte Lachmund. Etwas, das heute in Zeiten „Black Friday“ und „Cyber Monday“ ein Stück weit verloren gegangen zu sein scheint.

Danach las der luxemburgische Autor unter anderem eine slapstickartige Szene aus einer Lehrerbesprechung vor. Dazu gab es eine Grand Cru-Riesling-Spätlese aus dem Schweicher Annaberg. Zum Schluss spielte die Band die Moselhymne „In weiten deutschen Landen“, bei der alle mitsangen.