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Ein Pfarrer resigniert vor der Aufgabenflut

Ein Pfarrer resigniert vor der Aufgabenflut

Die Bistumsreform soll zum 1. September in Kraft treten - doch in einzelnen Gemeinden beginnt sie schon, Wirkung zu zeigen. Ein Beispiel sind die Pfarreien in Schweich, Föhren und Zemmer-Rodt, wo im Zuge der Reform personelle Veränderungen anstehen. Den Stein ins Rollen brachte der Schweicher Pfarrer Edwin Prim (55) mit seinem angekündigten Wechsel nach Zemmer-Rodt (TV vom Mittwoch).

Als Pfarrer Edwin Prim vor sechs Jahren von Hetzerath nach Schweich wechselte, war das Bedauern in der zurückbleibenden Pfarrgemeinde groß. Auch an seiner neuer Wirkungsstätte, St. Martin Schweich, hatte der aus Farschweiler/Hochwald stammende Seelsorger schnell alle Sympathien auf seiner Seite. Dabei halfen ihm Witz und Bodenständigkeit, die ihn an Karneval auch mal in die närrische Bütt treiben konnten.

Um so überraschender kam Prims Mitteilung, im Herbst von Schweich nach Zemmer zu gehen. Dieser Wechsel ist seine freie Entscheidung, die er allerdings - wie Prim betont - auf Anraten seines Arztes und seines Freundeskreises traf. Hintergrund ist ein sich dramatisch wandelnder Aufgabenbereich für den künftigen Schweicher Pfarrer: Im Zuge der Bistumsreform entsteht im September das neue Dekanat Schweich-Welschbillig (der TV berichtete).

Innerhalb dieses Dekanats wird die Pfarrei St. Martin in Schweich Teil eines neuen Pfarreienverbunds. Mit Schweich, Föhren, Kenn, Longuich, Riol, Fell und Bekond entsteht dabei eine der größten Pfarreiengemeinschaften im Bistum mit rund 16 000 Katholiken. Die Verantwortung dafür übernimmt dann der Pastor der Pfarrei Schweich. Diesem sogenannten Leitenden Pfarrer soll als Kooperator der Feller Pastor Andreas Broder zu Seite stehen. Der Föhrener Pastor Andreas Noster wird nach eigenen Angaben zunächst bleiben, er rechnet aber langfristig mit einem Wechsel.

Gleichzeitig entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft mit Zemmer-Rodt, Schleidweiler und Orenhofen eine der kleinsten Pfarrgemeinschaften des Bistums mit rund 4000 Katholiken. Zurzeit werden diese Pfarreien noch vom Föhrener Pfarrer Noster mitverwaltet.

Als Pastor Prim von dieser Entwicklung erfuhr, warf er das Handtuch. "Ich sah mich nicht mehr in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen, ich gehe ja heute schon auf dem Zahnfleisch", sagt Prim, der bereits seit April 2010 die vakante Pfarrgemeinschaft Mehring, Klüsserath, Leiwen von Schweich aus verwaltet. Wie zur Demonstration wird das Gespräch im Schweicher Pfarrhaus unablässig von Anrufen unterbrochen. Prim präsentiert daher einen Kalenderspruch, der genau zu seiner Situation passe: "Wer unter Zeitdruck leidet, hat vermutlich vorher zu oft ,ja' gesagt." Und was er von der neuen Pfarreienstruktur hält umreisst er mit diesem Satz "Ich bin gerne Seelsorger, aber kein Verwaltungsbeamter." Bei solchen Umfängen bleibe die Seelsorge auf der Strecke.

Leicht habe er sich die Entscheidung nicht gemacht - lange überlegt und abgewogen. Gerade sei er in Schweich so richtig angekommen, habe Verbindungen geknüpft und vertrauensvolle Bekanntschaften aufgebaut. Nun werde er in Zemmer wieder einmal "beim Nullpunkt anfangen müssen". Das Bistum habe ihm diese kleine Pfarrgemeinschaft auf der Fidei selbst angeboten. Er hoffe, dort die Dinge ruhiger angehen zu dürfen, sagt Prim, bevor er sich zu einem Sterbefall verabschiedet.

EXTRA

GROßE PFARRGEMEINSCHAFTEN



Im neuen Dekanat Schweich-Welschbillig mit 39 300 Katholiken werden 31 Einzelpfarreien zu fünf Pfarrgemeinschaften zusammengefasst. Die größte Gemeinschaft darin (über 16 000 Katholiken) bilden Schweich, Kenn, Riol, Longuich, Bekond und Föhren. Eine ähnliche große Pfarrgemeinschaft mit ebenfalls über 16 000 Katholiken bildet dann der Seelsorgebezirk Waldrach im Nachbardekanat.