Ein Portrait der neuen Präsidentin der Hochschule Trier, Dorit Schumann

Menschen : „Es gibt keinen schöneren Ort für mehr Internationalität“

Die neue Präsidentin der Hochschule Trier hat in den vergangenen drei Jahren in Jordanien gelebt und unterrichtet. Bei einem Rundgang durch die Stadt wird schnell klar, warum sie sich auch an der Mosel wohlfühlen wird.

Für Dorit Schumann gibt es viel zu entdecken. „Ich war zwar schon zu Kurzbesuchen in Trier“, sagt die zukünftige Präsidentin der Hochschule. „Mehr als oberflächlich kenne ich die Stadt bislang aber nicht.“ Zum vereinbarten Treffpunkt am bronzenen Modell des römischen Trier an der Porta Nigra ist sie im dunklen Hosenanzug und weißer Bluse erschienen. Auch der fast schulterlange Pagenschnitte der blonden Haar vermittelt Seriosität. Körpersprache und freundliches Lächeln signalisieren Offenheit.

Wie wissbegierig und interessiert die 47-jährige Professorin für Betriebswirtschaft und Logistik ist, zeigt sich schnell. „In Amman haben wir auch ein antikes römisches Theater“, erwidert auf die Erläuterungen am Modell zum Amphitheater Trier. „Das war auch toller Zielort für eine große Laufveranstaltung unserer Universität.“

In der Hauptstadt von Jordanien arbeitete und lebte die in Duisburg geborene und in Braunschweig und im hessischen Rodenbach aufgewachsene Mutter eines erwachsenen Sohnes in den vergangenen drei Jahren. Von der Hochschule Fulda hatte sie sich für die Aufgabe als Vizepräsidentin für Internationales an der Deutsch-Jordanischen Universität in Amman freistellen lassen. „Ich habe dort viel erreicht, aber weitere drei Jahre in Jordanien, das wollte ich nicht.“ Zu gehen, wenn es persönlich am schwersten falle, sei eine gute Entscheidung.

Dorit Schumann – die neue Präsidentin der Hochschule Trier

Aber warum gerade Trier? „Dafür habe ich mich nach einigen Wanderung in Irland entschieden“, sagt die sportlich-schlanke Wissenschaftlerin, deren neunseitiger Lebenslauf dokumentiert, dass ihre Karriereleiter sie auch für den Top-Job an einer Hochschule in Berlin oder einer vergleichbaren Großstadt prädestiniert. „Eine attraktive Region, eine gut aufgestellte Einrichtung und ein bereits bestehender Kontakt waren die Vorgaben, die ich mir selbst gemacht habe. Letztlich entscheidend für Trier ist aber die Möglichkeit zur Internationalisierung. Ich kann mir kaum einen schöneren Ort vorstellen, der besser dazu geeignet wäre. Mitten in Europa und wie gemacht zum Beispiel für die Erasmus-Programme der EU.“

Wie das römische Erbe und die Nähe zu Luxemburg und Frankreich ihre neue Heimatstadt prägen, erlebt die in mehreren Sprachen gewandte Professorin beim Rundgang mit dem Redakteur des Trierischen Volksfreunds. Von der Porta Nigra durch die Simeonstraße, Glockenstraße und Sieh um Dich führt der zum und in den Dom. „Ich liebe Orgelmusik“, begeistert sich Dorit Schumann sich beim Anblick der Schwalbennestorgel, die just in diesem Augenblick zu einer Klangkostprobe ertönt. Wenig später fehlen der kulturbegeisterten und weitgereisten Frau – mehrere Monate lebte sie auch in New York und Finnland – für kurze Zeit die Worte. Der einzigartige Blick aus dem Domkreuzgang auf 1700 Jahre kirchliche Baugeschichte der sich hier bietet ... Das sei einmalig, bestätigt die nach eigener Aussage nicht streng gläubige Protestantin. Die Konstanin-Basilika – und der Blick auf die mächtige Orgel dort – dürfen auch deshalb auf diesem Spaziergang nicht fehlen.

„In wenigen Wochen werde ich meine Gäste auch zu all diesen Orten führen“, verspricht Dorit Schumann nach 2000 Schritten bei einer Tasse Kaffee auf dem Kornmarkt. Auf das Stück Kuchen – „die Liebe zu Süßem ist bei mir genetisch veranlagt“ – verzichtet sie an diesem Tag. Sport sei Ihr wichtig, erzählt die ehemalige Handballerin und Leichtathletin. Das sei ein wichtiger Ausgleich zum Beruf. Kraft ziehe sie auch aus der Familie. Sohn Nils studiert in Kassel, Ehemann Axel Schuhmann, ebenfalls Professor, lehrt an der Hochschule Gießen. Zumindest für sie und ihren Mann werde Trier nun an den Wochenenden gemeinsamer neuer Lebensmittelpunkt sein.

Unter der Woche, das weiß Dorit Schumann, wird für gemeinsame Aktivitäten kaum Zeit sein, sobald sie ihr neues Amt angetreten hat. Spätestens am 1. Oktober werde es soweit sein, vielleicht sogar schon einen Monat früher. Kein Zweifel: die neue Hochschulpräsidentin brennt schon jetzt für ihre neue Aufgabe. „Ich werde in jedem Fall auch vor meinem Amtsantritt offizielle Termine wahrnehmen“, versichert sie beim Rückweg durch die Fußgängerzone zur Porta Nigra. Natürlich werde sie sich auch hochschulpolitisch landes- und bundesweit für ihre neue Hochschule einsetzen. „Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit zur Ausdauer sind sportliche Eigenschaften, die ich als Führungskraft gerne einsetze“, sagt sie selbstbewusst. Überzeugt ist die 47-Jährige ebenfalls davon, dass dafür keine Parteizugehörigkeit notwendig ist.

Die gemeinsame Runde durch die Innenstadt von Trier endet, wo sie begonnen hat. Das römische Stadttor wurde um das Jahr 160 n.Chr. gebaut, fast zeitgleich mit dem antiken Theater in Amman. Das wird für Dorit Schuman bald Geschichte sein. Trier ist die Gegenwart. „Hier kann man Internationalität leben“, freut sich die neue Präsidentin. „Ich fühle mich schon fast Zuhause.“

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