Ein problematisches Pflaster

Wer gut zu Fuß ist, für den sind kaputte Straßenbeläge eher ein ästhetisches Ärgernis. Doch für Menschen, die auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen sind, kann ein Stück zerklüfteter Asphalt zu einem schwer überwindbaren Hindernis werden - beispielsweise in Euren.

Trier. Andrea Biesdorf ist ein echtes "Eurener Mädschie": Sie ist im Stadtteil aufgewachsen und lebt heute gerne mit ihrer Familie hier. Kürzlich musste sie allerdings eine traurige Episode erleben: Nach einem Besuch bei ihrer Mutter durchfuhr sie mit ihrem Auto die St.-Helena-Straße. Diese wollte eine Seniorin mit ihrem Rollator überqueren - die Gehhilfe befand sich bereits unterhalb des Bürgersteigs auf dem Straßenrand. Andrea Biesdorf hielt an, doch die Dame bewegte sich nicht vorwärts. "Als ich ausstieg, um zu schauen, was los ist, sah ich, dass ihr die Tränen übers Gesicht liefen", sagt Biesdorf, selbst immer noch sichtlich bewegt. Es war wohl der Frust oder die Scham über ihre Hilflosigkeit, die die Seniorin zum Weinen brachte: Sie schaffte es jedenfalls nicht, die Räder ihres Rollators aus einem der zahlreichen Schlaglöcher zu befreien, die besonders den unteren Bereich der St.-Helena-Straße säumen.
Altenheim in der Nähe


"Ich habe der Dame dann über die Straße geholfen. Sie hat sich dann bedankt und gemeint, sie käme jetzt wieder alleine klar", sagt Biesdorf, deren Auto ja noch mitten auf der Straße stand und die sich darum nicht weiter mit der alten Dame unterhalten konnte. Sie vermutet aber, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. "In der Nähe ist ja ein Altenheim - von da wollen sicher öfters mal Bewohner in den alten Ortskern. Schließlich gibt es da einen Metzger und einen Friseur und mit der Bank am Kriegerdenkmal auch einen der letzten Treffpunkte, wo die Älteren sich gerne treffen."
Nachfrage im Seniorenzentrum Ago - mehr als 120 Menschen leben hier. Melanie Reis, stellvertretende Leiterin vom Sozialdienst, bestätigt teilweise die Befürchtungen von Andrea Biesdorf: "Viele unserer Bewohner haben wenig Lust, sich überhaupt in den Ortskern zu bewegen." Entlang der Eurener Straße könne man sich zwar komfortabler mit Rollatoren oder Rollstühlen bewegen, schließlich wurde hier vor wenigen Jahren aufwendig saniert. "Allerdings sind hier die Bordsteine meist ziemlich hoch, und es gibt nur selten Absenkungen."
Und abseits der Eurener Straße sieht es sowieso ganz anders aus. Die auf den Rollstuhl angewiesene Henriette Maes sagt, dass sie es lieber vermeidet, sich durch die St.-Helena-Straße schieben zu lassen. "Die Ruckelei ist wirklich sehr unbequem", erzählt die 82-Jährige. Die Betreuerin Mandy Schütz sagt, dass ihr eine Bewohnerin auf dem kaputten und gewölbten Weg sogar beinahe aus dem Rollstuhl gefallen sei.
Auch der Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz kennt das problematische Pflaster: Er weiß von mindestens zwei Fällen, in denen im unteren Teil der St.-Helena-Straße Frauen zu Fall gekommen sind. Sie seien wohl ausgerechnet über eine inzwischen wieder entfernte Warnbake gestolpert. Die sollte Fahrradfahrer offenbar auf die grauen Metallbügel aufmerksam machen, welche an der Einmündung zur Eurener Straße den Fußweg von der Straße trennen.
"Ich habe die Stadt mehrfach deswegen kontaktiert", sagt Schmitz. Tatsächlich will man im Rathaus auch nicht untätig bleiben, sagt Pressesprecher Dieter Jacobs: "Im vorliegenden Fall wird die Stadt im laufenden Jahr den Fahrbahnbelag und den markierten Gehweg in Eigenregie erneuern."

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