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Ein Roadtrip vor und hinter der Kamera

 Zum Trierer Filmteam „Beduinen des Westens“ gehören: Kolja Malik, Jonas Vogel und Yvonne Griesinger (von links). TV-Foto: Archiv/Stefan Himmer
Zum Trierer Filmteam „Beduinen des Westens“ gehören: Kolja Malik, Jonas Vogel und Yvonne Griesinger (von links). TV-Foto: Archiv/Stefan Himmer
Trier. Der Episodenfilm "Und am Ende sind sie alle allein" erzählt von fünf jungen Menschen, die einen irrwitzigen Trip durch die Nacht erleben. Einige der Szenen werden in Trier gedreht. Premiere feiert der Film im Herbst dieses Jahres beim regionalen Fernsehsender OK54. Lisa Bergmann

Trier. Die Gründungsmitglieder des Trierer Filmteams "Beduinen des Westens" präsentieren sich zum Interviewtermin gerade so, wie man sich Künstler eben vorstellt. Inmitten von Zigarettenqualm und Kaffeedampf erzählen sie von ihrem Projekt. Das Handy von Ruby Tuesday alias Yvonne Griesinger lässt das Klingeln nicht, es gibt noch viel zu besprechen und zu klären in diesen Tagen. Eigentlich sollte heute die nächste Szene gedreht werden, aber das Wetter ist launischer als so manche Filmdiva.
Schauspieler verzichten auf Gage


"Der Film spielt in einer einzigen Nacht im November. Da sollte kein Schnee liegen", erklärt Griesinger das Dilemma. 15 Drehtage haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits absolviert, teils in Trier, teils in Aachen.
"Und am Ende sind sie alle allein" ist ein Roadtrip in Form eines Episodenfilms. Fünf Menschen erleben einen "besinnungslosen Trip durch die Nacht: sie trinken, sie rennen, sie lieben, sie lügen", so beschreiben es die Beduinen selbst ein wenig kryptisch.
Ihren Namen haben die Beduinen von einem Kurzfilm übernommen, den Gründungsmitglied Kolja Malik 2009 produzierte. Seither kennen sich auch Malik und Jonas Vogel. Griesinger stieß 2011 dazu, als sie die Hauptrolle in "Burn it down" übernahm. "Und am Ende sind sie allein" ist der dritte Film der Gruppe. Malik selbst schrieb das Drehbuch, auch die Filmmusik entstand größtenteils in Eigenregie. Die Rollen sind professionell besetzt, mit Nadine Kiesewalther, Emilia de Fries und Robert Seiler sind drei Schauspieler des Aachener Staatstheaters dabei. Und so pendeln sie nun zwischen Trier und Aachen, von Drehort zu Drehort. "Trier ist ein gutes Pflaster, davon hat man noch nicht so viel in Film und Fernsehen gesehen, das ist unverbraucht", sagt Malik. Die Beduinen schicken ihre Figuren durch das Zewener Industriegebiet, durch die Petrusstraße und am Moselufer entlang. Für Szenen im Innenraum eines Busses stellten die Stadtwerke Trier eines ihrer Gefährte zur Verfügung. "Das war gleich am ersten Drehtag und schon ein enormes Gefühl", erzählt Vogel.
Auf solche Leihgaben sind die Beduinen angewiesen, groß ist ihr Budget nicht: "Wir haben das Glück, dass alle Schauspieler ohne Gage mitspielen." Dennoch mussten sie auch investieren, vor allem in Kamera- und Schnitttechnik. Mit Crowdfunding - dem Sammeln von Spenden im Internet - wollen sie deshalb den Film finanzieren. Im Herbst soll er Premiere feiern, zu sehen sein wird er auf jeden Fall im Trierer regionalen Fernsehsender OK54. Verhandlungen laufen aber auch mit dem Kulturkanal Arte.
Geht es nach den Beduinen, wird der Film zusätzlich auch in einigen Programmkinos laufen. Zum Inhalt wollen sie erst mal nicht mehr verraten, ein bisschen geheimnisvoll soll es bleiben.
So sind Künstler eben.