Kultur: Ein Schlüsselgrundstück – nicht nur fürs Theater Trier

Kultur : Ein Schlüsselgrundstück – nicht nur fürs Theater Trier

Die Stadt und die Volksbank sind an dem Kirchengelände an der Hindenburgstraße interessiert. Eine Entscheidung steht noch aus.

Der Stadtrat Trier wird am Dienstagabend aller Voraussicht nach die Weichen für die Sanierung des Stadttheaters stellen. 49 Millionen Euro sind nach den umfassenden und mehrfach überarbeiteten Voruntersuchungen als aktuelle Summe dafür veranschlagt. Am Ende wird die Summe wegen der jährlichen Kostensteigerungen von derzeit drei bis fünf Prozent im Baugewerbe höher liegen. Der Abriss und Neubau wäre dennoch mit geschätzten 66 Millionen Euro erheblich teurer.

Dem Grundsatzbeschluss folgen wird die Ausschreibung eines Planungswettbewerbs, in dem unter anderem untersucht werden soll, ob zusätzlich ein Orchesterprobesaal bei vertretbaren Kosten realisiert werden kann. Für die zukünftige räumliche Ausrichtung des Theaters wichtiger ist allerdings die zu klärende Frage, ob und wie der Haupteingang in Richtung Innenstadt verlegt und eine Anbindung an das Parkhaus geschaffen werden kann. Voraussetzung dafür ist die Nutzung des angrenzenden Grundstücks an der Hindenburgstraße (siehe Luftbild), auf dem – umgeben von viel Grün und flankiert von einer als Naturdenkmal eingestuften alten Buche – das ehemalige Pfarrgebäude der Kirche St. Antonius steht. Eigentümer ist die Innenstadtpfarrei Liebfrauen. „Wir werden ein Angebot machen, um das Grundstück im Erbbaurecht zu übernehmen“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig.

Doch nicht nur die Stadt ist an der Fläche interessiert. Bereits 2016 hatte die Volksbank Trier der Pfarrei ein Angebot gemacht. „Der Standort ist für uns ideal, um unsere Zentrale von Castelforte wieder in die Innenstadt zu verlagern“, sagt Volksbank-Vorstand Alfons Jochem im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Auch Vorstand Norbert Friedrich ist davon überzeugt: „Wir sind in Saarburg, Hermeskeil und Schweich gut unterwegs und haben dort starke Stützpunkte. Auch in Trier kommen wir richtig gut an. Deshalb muss die Volksbank hier wieder ein Gesicht bekommen.“

Zugang zum Theatergarten zwischen Volksbank und Pfarrhaus an der Hindenburgstraße. Foto: Friedemann Vetter

2004 war die Bank im Rahmen der Fusion mit der Raiffeisenbank Schweich von dem zu beengten Standort am Viehmarktplatz nach Trier-Nord gezogen. Mit Blick auf die Zukunft ist nun wieder ein attraktiver Standort in der Innenstadt gefragt. Die inzwischen frei gewordene Fläche neben dem Volksbank-Bürogebäude über der Ausfahrt der Viehmarkt-Tiefgarage sei dafür ideal, betonen beide Vorstände.

Eine Konkurrenz zu den Theaterplänen der Stadt? „Wir sind kooperativ, agieren transparent und sind zu jeder Zusammenarbeit bereit“, versichert Alfons Jochem. „Wir passen unsere Gebäudeform gerne so an, dass ein attraktiver Zugang zum Theater entsteht, mit einem öffentlichen Platz rund um die Buche.“ Dass die Volksbank bei einem solchen Bauprojekt in der Denkmalschutzzone  reichlich Zeit für archäologische Grabungen geben würde, stehe ebenfalls außer Frage. Norbert Friedrich: „Wir haben keinen Zeitdruck, wollen aber eine langfristige Perspektive in der Innenstadt.“

Wer den Zuschlag erhält, entscheidet am Ende die Pfarrgemeinde Liebfrauen, die derzeit auch die profanierte Pauluskirche mit ihren Nebengebäuden verkaufen will (TV vom 26. Januar).  Thomas Schiffler, Vorsitzender des Verwaltungsrats, hält sich bedeckt. Er bestätigt Gespräche mit der Stadt und auch mit der Volksbank. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. „Wir können uns vom Status quo bis zu diversen anderen Verwendungen  alles vorstellen. Es gibt noch keine stabile Entscheidungsgrundlage.“ Ausschlaggebend sei letztlich die Angebotssituation.

Derzeit residiert in dem ehemaligen Pfarrhaus auf dem umworbenen Gelände die Kita gGmbH des Bistums. Zudem befinden sich zwei Wohnungen in dem Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht.

Foto: TV/Lambrecht, Jana

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