Ein Schneeball im Visier der Sternforscher

Trier · Es ist der wohl größte Schneeball in unserem Sonnensystem: Der Saturnmond Enceladus ist ein Exot, denn seine Oberfläche besteht vollkommen aus Eis. Dass sich darunter Leben entwickeln könnte, macht ihn für Forscher umso begehrter. Um ihn selbst zu sehen, muss man schon die Stadt verlassen, denn das geht nur von der Sternwarte in Trier-Irsch.

Trier. Heute guckt Markus Weber in die Vergangenheit. Um ziemlich genau 71 Minuten. So lange braucht das Licht, das von der eisbedeckten Oberfläche des Saturnmonds Enceladus reflektiert wird, ehe es einige Millionen Kilometer bis zur Erde überwunden hat. TV-Sommerserie Heiß auf Eis

Wenige Lichtstrahlen bleiben übrig, einige fangen sich im Teleskop der Sternwarte in Trier-Irsch. Vom Saturnmond, dessen Durchmesser von 500 Kilometern in etwa der Strecke von Trier nach Hamburg entspricht, bleibt nicht viel übrig - kaum mehr als ein kleines diamantförmiges Leuchten, irgendwo am Rande der markanten Saturnringe.Bei gutem Wetter kommen die Mitglieder des Vereins Sternwarte Trier manchmal mehrmals pro Woche hinaus auf die Beobachtungsstation in Irsch. Auf dem Dach der Trierer Universität gibt es eine weitere Sternwarte. Mit ihrem Teleskop, durch dessen 30 Zentimeter große Öffnung viel Licht eindringen kann, können sie bis in weite Galaxien blicken; die weiteste ist zwei Milliarden Lichtjahre entfernt. Der Saturnmond Enceladus ist im Vergleich dazu praktisch um die Ecke. "Wenn man früher ein Objekt wie Enceladus beobachten wollte, musste man zunächst einen Blick in die Sternkarte werfen und ihn dann Schritt für Schritt suchen", sagt Markus Weber. Per Knopfdruck zum Saturn

Heute geht das wesentlich schneller - auf Knopfdruck. Das 30 000 Euro teure Teleskop ist mit einer virtuellen Sternkarte verbunden, in einer Datenbank sind die Bahnen von etwa 4000 Himmelskörpern gespeichert. Innerhalb von höchstens einer Minute hat sich das Teleskop automatisch in die richtige Position manövriert. Mit einem leisen Surren dreht sich das Fernrohr in Richtung Saturn und seinen über 60 Monden. "Enceladus ist ein besonders spannender Mond", sagt Werner Gruner. Auch er gehört dem Vorstand des Sternwarten-Vereins an. "Enceladus ist vollkommen von Eis bedeckt und reflektiert daher besonders viel Sonnenlicht. Enceladus ist wie ein riesiger Schneeball." Wie dick diese Eisschicht ist, kann niemand mit Bestimmtheit sagen; auch nicht, was sich darunter befindet. Noch interessanter ist für Astronomen die vulkanische Aktivität des kleinen Himmelskörpers: Am Südpol kommt es regelmäßig zu Vulkanausbrüchen, dort ist es auch wärmer als auf dem Rest des Mondes. Forscher vermuten daher, dass es dort unterhalb der Eisschicht Wasser gibt, das nicht gefroren ist - das wäre eine Voraussetzung dafür, dass dort Leben existieren kann. Besonders detaillierte Aufnahmen des Mondes gibt es seit etwa drei Jahren: Im März 2008 flog die Raumsonde Cassini zum ersten Mal dicht an Enceladus vorbei, die Bilder zeigen die zerklüftete Oberfläche, die von Kratern übersät ist. "Solche Texturen können wir mit dem Teleskop leider nicht erkennen", sagt Gruner. Es ist zu klein und in der Umgebung gibt es auch nachts noch zu viel Licht, etwa von Straßenlaternen. Sternwarten wie die in Irsch müssen daher möglichst weit von anderen Lichtquellen entfernt sein, damit man nachts etwas sehen kann. Denn in die Sterne gucken, das wollen viele: Vor allem dienen die beiden Sternwarten den Trie rer Gymnasien, die Astronomiekurse abseits des regulären Unterrichts anbieten. Etwa 100 Trierer Schüler nehmen das Angebot nach Angaben des Vereins jedes Jahr wahr. "Zusätzlich kommen pro Jahr etwa 300 weitere Besucher zu uns, meistens Gäste von außerhalb", sagt Gruner. Das Interesse für Astronomie sei jedes Mal riesig, sagt er - nur das Vorwissen aus der Schulzeit meistens nur bruchstückhaft.Passend zu den derzeitigen Temperaturen kommt heute der dritte Teil der TV-Sommerserie zum Thema Eis. Dabei geht es nicht um die Frage Erdbeer oder Schoko, sondern um viele verschiedene Facetten des Themas. Wir besuchen Eiszwerge, suchen nach den exotischsten Eissorten und schauen, was die Kornmarkt-Eislaufbahn im Sommer so treibt ... Im Sommer jeden Dienstag im TV. mic