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Ein Schrei nach Öffentlichkeit

Ein Schrei nach Öffentlichkeit

MEHRING. In der gesellschaftlichen Diskussion werden sie allzu oft vergessen: Jugendliche ohne Berufsabschluss. Wegen immer knapper werdender kirchlicher Ressourcen und Finanzmitteln droht vielen Projekten der Jugendberufshilfe das Aus.

Mehr als nur ein Schrei nach Öffentlichkeit und Interesse war die bundesweite Aktion "Jugend braucht Perspektive. Kirche ebnet Wege" der Katholischen Jugendsozialarbeit (KJS) am Josefstag. In Mehring hatte das Berufsbildungszentrum des Caritasverbandes für die Region Trier, Haus Elisabeth, gemeinsam mit Jugendlichen vom Haus Helenenberg den bischöflichen Beauftragten der Aktion Arbeit, Hans Casel, eingeladen, um die Einrichtungen vorzustellen. 36 Mädchen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren werden in Mehring in drei Ausbildungsjahren zur Hauswirtschaftshelferin ausgebildet. Sie kommen von Förderschulen, haben oftmals keinen Hauptschulabschluss. "40 bis 50 Prozent unserer Mädchen können nach der Ausbildung auf unserem touristisch orientierten Arbeitsmarkt zumindest saisonal oder in Teilzeit vermittelt werden", bilanziert Leiterin Ilona Klein. "Für die anderen bieten weitere Qualifizierungs-Projekte in katholischer Trägerschaft die Chance, ins Leben zu starten und damit dauerhaft an der Gesellschaft teilzuhaben", ergänzt Caritas-Fachreferentin Anna Warnking. Immer mehr gering qualifizierte Jugendliche würden an den strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt mit weiter fortschreitendem Abbau von Einfach- und Niedriglohnarbeitsplätzen scheitern. Ohne das Netzwerk der Katholischen Jugendsozialarbeit würden viele ins Nichts vollkommener Hoffnungslosigkeit stürzen. Die Mädchen in Mehring haben sich für den Mann vom Bistum ("der dem Bischof hoffentlich erzählt, was wir hier alles lernen") mächtig ins Zeug gelegt: Farbenfrohe Cocktails werden gereicht, der Tisch ist liebevoll mit Rosenblättern und pinkfarbenen Servietten eingedeckt."Persönliche Entwicklung ist enorm"

Die angehenden Hauswirtschaftshelferinnen sind in ihrem Element, fühlen sich sichtlich wohl. "Die persönliche Entwicklung in den drei Ausbildungsjahren ist schon enorm", sagt Ilona Klein, zumal keines der Mädchen es bisher im Leben leicht hatte. Nicht viel anders ist es bei den drei Gärtner-Azubis vom Helenenberg, die mit ihrem Sozialpädagogen Roland Gertler nach Mehring gekommen sind und stellvertretend für die mehr als 100 Auszubildenden des Jugendhilfezentrums Don Bosco Helenenberg stehen. In sieben Bereichen (Metall, Holz, Farbe, Gartenbau, Elektro, Lager und Logistik sowie Ernährung) werden hier Jugendliche ausgebildet, die sonst keine Chance hätten. Hans Casel, der an diesem Morgen im Auftrag des Bischofs unterwegs ist, will "ein Signal vermitteln, dass die Kirche auf der Seite der Jugendlichen steht und sich verantwortlich fühlt für ihre Unterstützung und gesellschaftliche Integration". In Mehring investiert das Bistum mit dem Haus Elisabeth seit 26 Jahren in bessere Zukunftsperspektiven für junge Leute, der Orden der Salesianer steht seit mehr als 80 Jahren für gute Jugendarbeit - Lichtblicke für die, die sich oft schon selbst aufgegeben haben.