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Ein Sechserpack für das Sixpack

Ein Sechserpack für das Sixpack

TRIER. (mew) Wer um alles in der Welt ist so fitnessfanatisch, dass er freitagabends seine Bauchmuskeln trainiert? Abseits von hart gesottenen Mucki-Buden-Besuchern wurde in der frisch renovierten "Produktion" am Dom gelacht, was Zwerchfell und Bauchmuskeln hergaben. Ursache dieser (un)beabsichtigten Ertüchtigung waren sechs Berliner: die "Brauseboys".

"Wir sind doch nur Kurzgeschichten-Leser" schmettern die Männer auf der kleinen Bühne voller Herzblut in die Mikrofone. Der schmachtende Savage-Garden-Sound passt perfekt zur eigenen Abschlussinszenierung voller Selbstironie. Klar, im Grunde hat die Truppe aus Berlin-Wedding "nur" gelesen - das war auch der Ursprung ihrer Combo. Vor vier Jahren hat Nils Heinrich seine eigene Lesebühne gegründet, da es ihm zu wenig war, in Berlin immer nur ab und an als Gast auf einer bereits bestehenden Bühne lesen zu können. Nach langen E-Mail-Gefechten und Gesprächen mit Comedy-Kollegen waren die "Brauseboys" komplett - und das ganz ohne Casting. "Das meiste lief über E-Mail", erklärt Nils. Das digitale Medium spielte auch bei der Namensgebung eine Rolle. Wer nun an Anleihen an Grass' Blechtrommel und die darin enthaltenen Prickel-Pulver-Schweinereien Oskars denkt, orientiert sich viel zu hochliterarisch. "An einem Spielort war direkt neben dem Männerklo eine Dusche und so kamen wir drauf", erklären sie. "Und da die Internetdomain noch frei war haben wir das genommen." Männer denken eben pragmatisch. Wenn die Auftritte auch wenig Prickel-Faktor haben, für Blubbern sorgen sie schon. Glucksen, prusten, gackern - die Lacher entfleuchen in vielfältigen Formen den anwesenden Leibern. Urheber der lustigen Geräuschkulisse sind die humorigen Texte und Lieder des Berliner Sechserpacks. Nils Heinrich ist der Mann mit der Musik im Blut. Nach ersten Frühlingsgefühlen, die bauch-bedingtes "Whale-Watching" in der eigenen Badewanne beinhalten, widmet er sich Fischers Fritz, den er in einer coolen Hip-Hop-Version reanimiert - ohne sich die Zunge zu brechen. Ebenfalls musikalisches Talent offenbart Heiko Werning, wenn er dem "physisch etwas bedenklich" aussehenden Klavier kraftvolle Töne entlockt, und über sehnsuchtsvolle Senioren-Fantasien im Strandkorb singt. Literarisch verarbeitet er einen Horror-One-Night-Stand, der ihm nachhaltig indisches Essen vermiest hat ("In bed with Buddha"). Robert Rescue ist kaum noch zu helfen. Zu tief hat er sich in das Dilemma schüchterner Kerle bezüglich der ersten zwischenmenschlichen Annäherung verstrickt: "Warum muss man(n) immer etwas sagen, wenn man eine Frau ansprechen will?" Einfacher macht es sich Volker Surmann. Passend zur brummenden Lüftung erzählt er von Hummeln und "Hummululogen", oder plaudert aus dem jugendlichen Nähkästchen seiner Zivildienst-Zeit ("Jeder zweite Oberschenkelhalsbruch ging auf das Konto der Kehrwoche."). Alttagstaugliche Tipps gegen nervige Drückerkolonnen oder Telefonanbieter-Vertreter hat Frank Sorge parat. Am Ende mutieren die Spaßvögel zur Boygroup-Parodie, die scheinbar bescheiden ihre soeben vollbrachte Lese-Leistung besingt. Wäre da nicht immer wieder dieses Augenzwinkern, würde man es ihnen fast abnehmen. Aber die Bühne ist mehr für sie - das spürt man.