Ein seltenes Jubiläum ohne Jubiliar

Ein seltenes Jubiläum ohne Jubiliar

Der letzte Zug ist längst abgefahren. Vor 125 Jahren ist die Hochwaldbahn zwischen Trier-Ruwer und Hermeskeil eröffnet worden. Der Konzer Helmut Schiffhauer ist auf Spurensuche gegangen. Und hat herausgefunden, dass es auch ganz anders hätte kommen können.

Der 9. August 1889 ist wohl ein schwarzer Tag für viele Kutscher in Trier und im Hochwald gewesen. An jenem Dienstag wird bekanntgegeben, dass die Pferdekutschen-Linien zwischen Trier und Hermeskeil und die zwischen Trier und Niederzerf eingestellt werden. Denn die moderne Konkurrenz der Eisenbahn schickt sich an, Menschen und Waren zu transportieren. Am 15. August 1889, es ist ein Montag, fährt dann der erste Zug.
Unter anderen Umständen wäre dieses Jubiläum sicher Anlass für eine nette Feier mit Dampflokfahrt gewesen. Doch 125 Jahre später erinnern allenfalls noch einige Bahnhofsgebäude an die Eisenbahnstrecke. Auf der früheren Schienentrasse verläuft heute der Ruwer-Hochwald-Radweg. Günther Schuh von der Touristinformation in Waldrach sagt: "Der Radweg ist ein toller Erfolg." Anfangs habe es auch durchaus kritische Stimmen gegeben, doch inzwischen sei der Weg nicht mehr wegzudenken. Kritik gab es vor allem von Bürgern, die die Eisenbahnstrecke erhalten wollten. Schuhs Kollegin Walburga Meyer von der Touristinformation Kell ist ebenso voll des Lobes. "Der Radweg ist das Rückgrat für den Tourismus in unserer Region." Sie hat auch die Erfahrung gemacht, dass der Ruwer-Hochwald-Radweg vor allem Einheimische auf die Idee bringe, auch andere Wege auszuprobieren.
Es hätte jedoch auch ganz anders kommen können. Das hat der Konzer Helmut Schiffhauer herausgefunden. Er hat zeitgenössische Quellen gesichtet und ist dabei auf den Jahresbericht 1882 der Handwerkskammer gestoßen. Darin heißt es, dass die Vorarbeiten für die Trasse durch das Ruwertal laufen. Es gebe jedoch ein "mehr in das Herz des Hochwalds eindringendes Projekt", das eine Linie von Trier über Longuich, Fell, Lorscheid und Bescheid nach Hermeskeil vorsehe. Doch am Ende bleibt es bei der Ruwertal-Linie. Sechs Jahre später wird die Strecke bis Türkismühle im Saarland weitergeführt.
Drei Jahre dauert der Bau der 50,3 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Hermeskeil und Trier, mehrere Arbeiter sollen bei den Arbeiten gestorben sein. Anlässlich der ersten Zugfahrt hat es angeblich ein fünftägiges Fest in Hermeskeil gegeben.
Der Abstieg der Hochwaldbahn kommt nach dem Zweiten Weltkrieg in Raten. Bis zum November 2000 werden der Personen- und der Güterverkehr nach und nach eingestellt. Bis 1998 fahren Museumsbahnen auf der Strecke. Dann ist Schluss. Das geschieht eher still und leise - ohne fünftägige Feier in Hermeskeil.
Zwischen 2005 und 2008 entsteht schließlich der Ruwer-Hochwald-Radweg, der rund 10,5 Millionen Euro gekostet hat. Und das wird dann auch wieder gefeiert. Offiziell eröffnet wird er ziemlich genau vor fünf Jahren. 120 Jahre nachdem der erste Zug auf der Strecke unterwegs gewesen ist.
Extra:

Früher war alles viel besser, und die Winter waren viel kälter. So heißt es immer wieder. Was den Winter betrifft, scheint es zumindest 1894/95 so gewesen zu sein. Laut Helmut Schiffhauer ist in einer zeitgenössischen Quelle von bis zu vier Meter hohen Schneeverwehungen die Rede: "Die ersten Personenzüge von hier beziehungsweise von Hermeskeil fuhren sich bei der Station Schillingen fest. Ebenso noch weitere zwei Maschinen, von denen eine entgleiste. 300 Soldaten wurden beordert, das Gleis freizumachen. Am Samstagnachmittag fuhren viele Rottenarbeiter von Trier und der Station Karthaus nach Schillingen, wo die ganze Nacht bis zum Vormittag gearbeitet wurde." har