Ein Stammtisch muss her

Der Trierer FDP-Chef Thomas Egger will einen runden Tisch für Wirtschaftsfragen. Daran sollten sich alle zwei Monate Vertreter von Wirtschaftsverbänden mit Stadtvorstand und Fraktionen treffen, um sich auszutauschen.

 Triers FDP-Chef Thomas Egger. TV-Foto: Roland Morgen

Triers FDP-Chef Thomas Egger. TV-Foto: Roland Morgen

Trier. Am 31. Januar 2006 beschloss der Stadtrat, die Zahl der Dezernenten von vier auf drei zu reduzieren. Am 1. April 2007 wurde Christiane Horsch als Wirtschaftsdezernentin verabschiedet, das Thema Wirtschaft ist nun Chefsache bei Oberbürgermeister Klaus Jensen. Seitdem hatte es von der CDU Kritik gegeben, dass das Thema zu kurz käme, dass "Wirtschaft nicht mehr stattfinde", wie Fraktions-Chef Berti Adams im April sagte.

Nun hat sich auch die FDP dieses Themas angenommen. Aber Thomas Egger, Chef der Trierer Freidemokraten, übt keine Pauschalkritik am OB. "Er ist viel zu stark durch Dinge eingebunden, die sich aus anderen Dezernaten ergeben. Wirtschaft bleibt auf der Strecke, weil es woanders nicht läuft", sagte Egger dem TV. Vielmehr will die FDP, die laut Egger "dem Wirtschaftsdezernat immer noch nachtrauert", dass sich die Dezernenten viel stärker dem Thema Wirtschaft widmen. Eggers Vorschlag: Da mit dem Wirtschaftsdezernat auch der Wirtschaftsausschuss abgeschafft wurde, soll es einen Nachfolger für das Gremium geben. "Wie man dieses nennt, ob Wirtschaftsrat, wie von Jensen vorgeschlagen, oder runder Tisch, ist egal. Viel wichtiger ist, dass es ein Gremium gibt, das sich alle zwei Monate trifft", meint Egger.

Dieses Gremium könne auf dem runden Tisch Einzelhandel aufbauen - mit einigen Erweiterungen: "Die Stadtratsfraktionen sollen ebenso am Tisch sitzen wie der gesamte Stadtvorstand, also alle Dezernenten." Von Wirtschaftsseite könnten IHK, HWK, Kreishandwerkerschaft, VTU und Einzelhandel teilnehmen.

Für Egger kommen die Informationen aus der Wirtschaft in Richtung Stadtrat und Verwaltung zu kurz - auch weil es im Steuerungsausschuss vor allem um haushalterische Dinge gehe. Jensen hatte jüngst erstmals zu einem Treffen von Wirtschaft und Stadtvorstand geladen, das zweimal im Jahr tagen solle. "Zu selten", moniert Egger.

Jensen sieht die Kritik an seiner Person als nicht gerechtfertigt: "Ich bin sehr häufig in Betrieben, ich bin in Sachen Wirtschaftsförderung sehr präsent - aber ich gehe damit nicht so sehr an die Öffentlichkeit", sagte er dem TV. Dies wünscht sich aber Egger: "Tue Gutes und rede darüber sollte das Motto sein. Vielleicht kommt Kritik daher, dass viele nicht wissen, was Jensen alles leistet."

Für Egger im Gegensatz zu Zeiten von Helmut Schröer: "Der hatte eine Wirtschaftsdezernentin, die ihm viel operative Arbeit abnahm, sowie einen Wirtschaftsausschuss. So hatte er den Rücken frei, um die Unternehmen zu umsorgen." Beispiele für Projekte des neuen Gremiums liegen für Egger auf der Straße: "Es hätte nicht so viel Unmut bei den Firmen in der Loebstraße gegeben, wenn man sich vor dem Sanierungsbeschluss ausgetauscht hätte. Daneben beinhalten auch Themen wie die Rallye-WM, Brot und Spiele oder die Antikenfestspiele wirtschaftliche Komponenten. Und deswegen sollen alle Dezernenten mit an diesen runden Tisch."

Meinung

Von Björn Pazen

Reden ist manchmal Gold

Der Ausschuss ist tot, es lebe der verkappte Ausschuss - so könnte man die Forderung der FDP nach einem runden Tisch für Wirtschaftsfragen umschreiben. Natürlich hat der Kommunalwahlkampf begonnen, aber im Gegensatz zur CDU, die OB Jensen pauschal kritisiert, ohne eigene Vorschläge zu machen, ist dieser Vorstoß konstruktiv. Reden ist in diesem Fall nicht nur Silber, sondern Gold. Denn wenn man nur übereinander spricht statt miteinander, geht es selten voran. Und jede Entscheidung, die gute Rahmenbedingungen für Unternehmen hervorruft, kann Trier angesichts der Finanzlage wahrlich brauchen. b.pazen@volksfreund.de