Ein Stück Zeitgeschichte

Trier. (ae) Auf ein Dreivierteljahrhundert wechselvoller Geschichte blickt der Verein Post-Sport-Telekom (PST) in diesem Jahr zurück. Ein Festakt bildete den Auftakt zum Jubiläumsjahr (der TV berichtete). In vielen bewegenden Reden wurde deutlich, dass es sich lohnt, die Geschichte und Entwicklung des Vereins von seiner Gründung bis heute näher zu betrachten.

Am 31. Januar 1929 wurde der Postsportverein, einem Aufruf des Reichspostministers folgend, aus der Taufe gehoben. Zielsetzung war die "Ertüchtigung des Postpersonals mit Nutzen für Verwaltung und Vaterland". Der Verein bot aber schon damals seine Leistungen - zunächst Fußball, Handball und Leichtathletik - nicht nur dem Postpersonal, sondern allen Bevölkerungsschichten an. Im Jahr 1930 waren bereits 230 Mitglieder im Verein, der dem Stadtverband für Leibesübungen beitrat. In der NS-Zeit wurde Sport zu einem politischen Instrument. Statt Vereinsvorsitzenden gab es "Vereinsführer", die nicht gewählt, sondern mit Zustimmung politischer Instanzen bestellt wurden. In einem Aufruf an alle "Vereinsführer" aus dem Jahr 1940 heißt es: "Aus dem Sport erwachsen Tugenden, die Mühen und Anstrengungen leichter ertragen lassen. (...) Wo ein fröhlicher Sportbetrieb herrscht, da ist auch eine Waffenschmiede." Mit dem Zusammenbruch des Regimes endete zunächst auch die Geschichte des Sportvereins, dessen Vermögen eingezogen wurde. Als Folge des ideologischen Missbrauchs durch die Nazis durfte ohne Zustimmung der Alliierten weder Sport getrieben noch ein Sportverein gegründet werden. Mit einer Neugründung als "Geselligkeitsverein" umging man 1948 diese Hürde. Geselligkeit als Vereinszweck war noch bis in die 80er Jahre in der Satzung verankert. In der Nachkriegszeit hatten rauschende Feste im Treveris-Saalbau mit Musik vom Post-Tanzorchester Konjunktur. Als Tombola-Preis winkte damals ein Zentner Brennholz. Erst ab 1951 war der Sportbetrieb wieder uneingeschränkt möglich, und der Verein begann sich unter großem Engagement aktiver Ehrenamtlicher zum mitgliederstärksten in der Stadt zu entwickeln.Viertgrößter Verein in Rheinland-Pfalz

Den Veränderungen des Zeitgeistes passte man sich seither mit immer neuen Angeboten und entsprechender Infrastruktur an. 1957 wurde das Waldstadion ausgebaut und übernommen, dann weitere Sportstätten, vor allem in den 80er und 90er Jahren, in denen zeitweise über 5000 Menschen in dem Verein organisiert waren. Heute, nach Ausgliederung der Abteilung Bernkastel und der Zäsur durch den völligen finanziellen und ideellen Rückzug der Postunternehmen zum 1. Januar 2000, sind es noch 3500. In den 32 Abteilungen des viertgrößten Vereins in Rheinland-Pfalz kann man nahezu jede Individual- und Mannschaftssportart betreiben. Auch Musik, Schach und Skat gehören zum Angebot. Allein unter Regie von Hajo Laas (Vorsitzender von1981 bis 1995) wurden fünf neue Abteilungen gegründet: American Football, Badminton, Fitness, Taekwondo und Triathlon. In seine Zeit fiel auch die Ausrichtung des Postsporttages 1994 und der elften Trierer Stadtlauf unter letztmaliger Organisation des Postsportvereins. Von 1995 bis 2002 übernahm Helmut Basten den Vorsitz des Vereins. In dieser Ära flossen rund zwei Millionen Mark in den Erhalt vorhandener und in den Bau neuer Sportstätten. Eine Schießsportanlage, ein Fitness-Center, das Zentralgebäude der Reitanlage Monaise, ein Seglerheim und ein Clubhaus wurden errichtet. Während der ganzen Geschichte des Postsportvereins wurden immer wieder sportliche Triumphe gefeiert, wie der Gewinn der Deutschen Meisterschaft der weiblichen Basketball A-Jugend 1997. Heute sorgt sich der Verein, dessen Stärke laut Ehrenpräsident Laas in der gelungenen Verknüpfung von Engagement und Fachkompetenz seiner Aktiven besteht, um den Rückgang seiner Mitgliederzahlen. Mit einem neuen Marketingkonzept will Berthold Welter - seit 2002 Präsident - dieser Tendenz begegnen. Dass er mit Unterstützung von Stadt, Kreis, Land und Sportbünden rechnen kann, wurde auf der Jubiläumsfeier deutlich.