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Ein Trierer im Saarbrücker Tatort

Ein Trierer im Saarbrücker Tatort

"Hey, ich bin ein Trierer, der beim Saarbrücker Tatort mitgewirkt hat. Ich kann es immer noch nicht glauben", sagt Isaac Boateng. Er feiert am Sonntag sein Fernsehdebüt in der Folge "Melinda" der ARD-Krimireihe.

Trier. Drei Afrikaner jagen mit Pistole und Wut im Bauch ein Mädchen und einen Kommissar. Einer der Verfolger ist der Trierer Isaac Boateng in seiner Rolle als Uael Alchalaf im Tatort "Melinda". Er und seine zwei Kollegen sind die Bösewichte der Folge - es ist die erste mit dem neuen Saarbrücker Ermittler-Duo. Boateng & Co. haben den Auftrag, das Mädchen Melinda zu fangen.
Der gebürtige Ghanaer Boateng lebt seit 20 Jahren in Trier und hat an der Luxemburger Schauspielschule Conservatoire de Musique studiert. Zum Tatort ist er durch Elisabeth Brück gekommen, die die Hauptkommissarin Lisa Marx spielt. "Wir kennen uns durch die Schauspielschule. Elisabeth hat mich ermutigt, mich für die Rolle des Nordafrikaners zu bewerben", sagt der 30-Jährige.
Im Mai 2012 machte sich Boateng auf zum Casting nach Saarbrücken. Vor lauter Aufregung sei er statt in den Zug nach Saarbrücken in den nach Perl gestiegen. "Mein Herz schlug schneller. Was sollte ich tun? Hatte ich meine Chance verspielt?", waren seine Gedanken. Ein Freund holte den Schauspieler schließlich mit dem Auto in Nittel ab und brachte ihn zum Casting. "Eine Woche später bot man mir die Rolle an, und ich habe mich riesig gefreut." Mehrmals habe er das Drehbuch gelesen und sich seine Rolle und seine Szene bildlich vorgestellt. "Ich fragte mich, wie ich persönlich in einer solchen Situation reagieren würde."
Das Schwierigste an der Rolle sei die Sprache gewesen. Seine Rolle könne nur sehr schlecht Deutsch sprechen, und mit seinen Freunden sollte er sich auf Arabisch unterhalten. "Meine Schauspielkollegen beherrschten die Sprache und gaben mir Unterricht. Das war lustig." Überhaupt sei die Stimmung am Filmset und unter den Kollegen gut gewesen, sagt Boateng.
Gelernt habe er vor allem, dass Filmemachen sehr viel Wartezeit sei. "Einmal habe ich sechs Stunden nur rumgesessen, bis ich anfangen konnte." Das könne Gründe haben wie das Wetter, das Wiederholen einer Szene oder das Ändern von Licht- oder Kameraeinstellungen.
Für Boateng ist das Spannende am Filmedrehen, dass man nie genau einschätzen kann, wie eine Szene tatsächlich aussieht. Es könne passieren, dass der Regisseur das Bild mehrmals komplett ändere, erzählt er. Flexibilität sei das Wichtigste. "Man muss einfach spielen und improvisieren."
Am Sonntag wird Isaac Boateng sein Fernsehdebüt mit Freunden genießen. "Ich werde meinen Auftritt genau unter die Lupe nehmen und analysieren, denn ich will besser werden." Sein größtes Ziel sei es, einmal selbst den Kommissar im Tatort zu spielen. Bis dahin absolviert er eine Weiterbildung als Schauspiellehrer am Conservatoire de Musique.