Ein Tropfen auf den alten Stein

Ein Tropfen auf den alten Stein

Das Klüsserather Weingut Franz-Josef Regnery bietet Besuchern einen ungewöhnlichen Anblick: Inmitten des alten Hofs steht ein mehr als sechs Meter hoher, tropfenförmiger Bau aus Stahlbeton, Metall und Eichenplanken, der sich deutlich von seiner Umgebung abgrenzt.

Klüsserath. Beim Schlendern durch den Weinort Klüsserath denken vermutlich nur wenige an ein architektonisches Kleinod mitten im Dorf. Doch zwischen neueren Einfamilienhäusern und alten Weingütern öffnet sich plötzlich ein Hof, in dessen Mitte ein futuristischer Bau aus Stahlbeton, Holz und Metall steht, auf den ersten Blick einer Mischung aus überdimensionalem Eichenfass und Ufo gleich. "Viele vermuten hier nicht ein solches Gebäude und sind verwundert, wenn sie es sehen", erzählt Peter Regnery. Er ist Winzer in Klüsserath und hat den Bau im Hof des elterlichen Weinguts errichten lassen.

Geht man über den Hof zu der Vinothek und durch dessen Hülle aus sägerauen, geölten Eichenplanken hindurch, gelangt man im Erdgeschoss in den eckigen, mit Eichenholz verkleideten Verkaufsraum mit kleiner Theke. Von dort geht es über eine offene Treppe ins Obergeschoss, wo der eckige Probierraum und die Terrasse von der tropfenförmigen Holzhülle eingefasst werden.

Vor zehn Jahren hatte Peter Regnery, der im Jahr 2000 das Weingut von seinem Vater Franz-Josef übernommen hatte (siehe Extra), das Nachbargrundstück mit der Absicht gekauft, in dem bis dahin engen Hof das Weingut zu erweitern. "Früher verlief die Mauer zum Nachbargrundstück quasi quer durch den heutigen Proberaum", erzählt Regnery. 2005 modernisierte und erweiterte der Winzer zuerst das alte Kelterhaus im Hof, dann wagte er sich an die Idee, eine runde, zweigeschossige Vinothek zu bauen, etwas Besonderes für das Weingut.
TV-Serie Architektur und Wein


Bis zur Fertigstellung des Baus 2013 sollten sieben Jahre vergehen. "Ich wollte einfach etwas haben, das passt", sagt er. Keine Kurzschlussreaktion, kein Kompromiss. Und vor allem nichts Eckiges. Woran die Realisierung des Baus lange zu scheitern schien. Einige Architekten habe er in dieser Zeit "verschlissen", so Regnery, bis er in Marco Hoffmann aus Wittlich den richtigen gefunden habe. Hoffmann setzte Regnerys Vorgabe eines runden Neubaus auf dem Hof um, was vom fertigen Plan bis zum fertigen Bau vier Jahre gedauert hat. "Allein auf die Genehmigung des Bauantrags habe ich sieben Monate gewartet", sagt Regnery. Statisch seien ebenfalls einige Zusatzberechnungen nötig gewesen, weil der Baukörper auf einem alten Gewölbekeller steht.

Beim Bau der Vinothek kam schließlich nichts von der Stange: Die 6,30 Meter hohen Eiche-Holzbalken, die Peter Regnery selbst mit dem Metallgerüst verschraubt hat, wurden direkt vom Sägewerk geliefert. In ihrem Inneren können die bodentiefen Fenster zum Proberaum komplett eingefaltet werden, so dass der Raum mit der Terrasse zu einer Einheit wird und den Blick in die Weinberge der Klüsserather Bruderschaft freigibt.

Im Proberaum setzt sich die Architektur des Verkaufsraums im unteren Teil fort: Alles ist in Eichenholz gehalten, vom Stäbchenparkett über die Schränke bis hin zu den maßgefertigten Sitzbänken, Stühlen und Tischen, die von einem Kunstschreiner im pfälzischen Kappeln stammen. "Es war schwierig, jemanden zu finden, der unsere Entwürfe umsetzen konnte", erzählt Regnery.

Bei den verwendeten Materialen war dem 40-Jährigen vor allem die Nachhaltigkeit wichtig. So ist der Belag der Terrasse aus Accoya-Holz, einem aus nachhaltigem Anbau stammenden und mit Essigsäure behandelten Weichholz. Den mineralischen Wandputz hat er aus Lehm und Schilf selbst angerührt. "Das Schilf stammt von den Feldern meines Vaters bei Kenn", erzählt Peter Regnerys Frau Andrea. So bleibt alles, wie das Weingut selbst, in der Familie, zu der mittlerweile auch der fast fünfjährige Jakob und seine beiden fast dreijährigen Schwestern Frieda und Greta gehören.Extra

Sie bauen aus, sie bauen um, sie bauen an: Viele Traditionsweingüter an Mosel, Saar und Ruwer wandeln sich. Eine neue Generation von Winzern stellt sich den Herausforderungen der Zukunft, indem sie auch architektonisch neue Wege geht. In seiner Serie berichtet der TV über Winzerbetriebe, die dabei ihre Vorstellungen ganz unterschiedlich umgesetzt haben. vkExtra

Peter Regnery hat das Familienweingut, dessen Wurzeln auf das 17. Jahrhundert zurückgehen, im Jahr 2000 übernommen. Zu dem Gut gehören sieben Hektar Steillagen in der Klüsserather Bruderschaft. Bereits Peter Regnerys Vater Franz-Josef hatte in den 1970er Jahren alle Flächen in den flachen Lagen verkauft und auf den arbeitsintensiveren Steillagenanbau gesetzt. Anfang der 1990er baute er als einer der Ersten an der Mosel Spätburgunderreben an. Heute produziert das Weingut Franz-Josef Regnery 30 Prozent Spätburgunder, der Rest ist Riesling, vorwiegend trocken ausgebaut, und etwas Syrah (besser bekannt als Shiraz). Seit 2003 ist das Weingut Mitglied im Bernkasteler Ring. will

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