Ein Tunnel hier, eine Straße auf Stelzen da

Ein Tunnel hier, eine Straße auf Stelzen da

Das Land möchte, dass der Bund Ortsumgehungen baut, um Igel und Trier-Zewen vom Verkehr zu entlasten. Davon sind besonders die Igeler überrascht, wo solch eine Straße womöglich auf Stelzen errichtet werden müsste.

Franz-Josef Scharfbillig hat erst einmal auf das Datum der Zeitung geschaut. "Als ich am Freitag im TV etwas von einer Ortsumgehung Igel gelesen habe, dachte ich, dass vielleicht der 1. April ist", sagt der Ortsbürgermeister der Mosel-Gemeinde. Auch Helmut Mertesdorf, Ortsvorsteher im benachbarten Trie rer Stadtteil Zewen, hat zwei Mal lesen müssen, dass das Land die Ortsumgehung Zewen für den Bundesverkehrswegeplan meldet.

Die Ausgangssituation: Über die durch beide Orte verlaufende B 49 fahren nach Auskunft des Mainzer Innenministeriums täglich rund 15 000 Fahrzeuge. Die Straße ist eine beliebte Route für Luxemburg-Pendler und Tank-Touristen. Besonders zu den Stoßzeiten am Morgen und zum Abend hin reiht sich Auto an Auto.

Die Lage in Zewen: Seit vielen Jahren fordern die Zewener, dass ihre Ortsdurchfahrt vom Durchgangsverkehr befreit wird. Es gab Resolutionen, Beschlüsse und viele Pläne. Konkret wurde es Ende der 1990er Jahre, als eine Tunnellösung vorgestellt wurde (siehe Grafik). Die sieht vor, eine neue Straße südlich der Ortslage in einem Tunnel unter den Häusern der Straße Im Biest zu führen. Bis zu 500 Meter lang sollte der Tunnel sein, rund 18 Millionen Euro sollte das Ganze kosten. "95 Prozent der Zewener wären für solch eine Lösung", sagt Ortsvorsteher Mertesdorf.

Die Lage in Igel: Auch die Igeler wären froh, wenn weniger Fahrzeuge durch den Ort fahren würden. Es gibt jedoch keine aktuelle Forderung nach solch einer Umgehung. "Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, wo solch eine Ortsumgehung langführen soll", sagt Ortsbürgermeister Scharfbillig. Denn bereits heute wird es am westlichen Ortsausgang Richtung Wasserbillig eng. Dort drängen sich Eisenbahn und Bundesstraße schon heute auf wenig Raum zwischen Berghang und Moselufer.

Die weiteren Planungen: Gerade im Fall der Ortsumgehung Igel weiß auch der zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) derzeit noch nicht, wie eine Straße verlaufen könnte. Hans Michael Bartnick, stellvertretender Dienststellenleiter des Landesbetriebs Mobilität Trier, ist der Ansicht, dass wohl nur eine bahnparallele Brücke zwischen Mosel und Bahnstrecke infrage kommt.
Einen Schritt weiter ist die Ortsumgehung Zewen. Anfang April hat nach Auskunft von Ralf Frühauf, Pressesprecher der Stadt Trier, ein Abstimmungsgespräch zwischen Stadtverwaltung und LBM stattgefunden. Dort sei über den Planungsstand sowie Trassenführungen gesprochen worden. Der Ball liegt in beiden Fällen damit im Spielfeld des LBM. Der muss nun Machbarkeitsstudien mit Kostenschätzungen erstellen. Die Ergebnisse werden dann vom Bundesverkehrsministerium bewertet. Ob und was gebaut wird, entscheidet schließlich der Bund.Meinung

Ein Ding der Unmöglichkeit
Die Meldung der wohl nicht realisierbaren Ortsumgehung Igel für den Bundesverkehrswegeplan zeigt, worum es in Wirklichkeit geht: Eine Scheinalternative soll davon ablenken, dass in Mainz niemand weiß, wie das Moseltal verkehrstechnisch entlastet werden kann. Eine Umgehung Zewen ist eine Frage des Willens. Eine Umgehung Igel wegen der Topographie dagegen ein Ding der Unmöglichkeit. Wer so etwas fordert, will den Schwarzen Peter dem Bund zuschieben, der allein aus Kostengründen eine Straße auf Stelzen nie finanzieren wird. h.jansen@volksfreund.de