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Ein Tunnel, zwei Brücken, viele offene Fragen

Ein Tunnel, zwei Brücken, viele offene Fragen

Vor knapp neun Monaten hat die Trier-Saarburger SPD den Bau zweier Brücken angeregt, um den Konz-Saarburger-Raum besser mit Luxemburg zu verbinden. Im Mainzer Infrastrukturministerium wird dies weiter geprüft, beim zuständigen luxemburgischen Ministerium ist das Vorhaben nicht bekannt.

Konz/Langsur. Der Moselaufstieg ist tot - es lebe die Zwei-Brücken-Lösung. Mit dieser Verbindung über Mosel und Sauer überraschte Alfons Maximini von der SPD-Fraktion im Kreistag Trier-Saarburg Ende April 2013 vor allem die Fraktionen, die felsenfest zum Moselaufstieg zwischen Autobahn 64 und der B 51 neu (Ortsumgehung Könen) stehen. Wie sich inzwischen gezeigt hat, waren nicht nur Kreistagsmitglieder von CDU, FWG oder FDP überrascht vom Vorstoß der Sozialdemokraten aus dem Konzer Raum. Denn als es um die Aufnahme der neuen Verbindung ins Wahlkampfprogramm der Kreis-SPD ging, regte sich Widerspruch (der TV berichtete). Genossen aus dem Trierer Land fühlen sich nicht ausreichend informiert über die Pläne der Parteifreunde von der gegenüberliegenden Moselseite. Unter anderem der Langsurer Matthias Wagner vertrat die Auffassung, dass man die Menschen ins Boot holen solle, die mit den Auswirkungen einer neuen Straße umgehen müssten. "Da hat es wohl Missverständnisse gegeben", sagt inzwischen Dominik Matter, Vorstand der SPD Trier-Land. Diese sollten bei einer gemeinsamen Sitzung ausgeräumt werden."Das sagt mir gar nichts"

Mögen auch die Sozialdemokraten ihre Fragen intern alle klären. Viele Fragen zum Projekt bleiben offen. Im zuständigen Infrastrukturministerium in Mainz gibt es derzeit nur die Auskunft, dass es keine abschließende Auskunft gibt. Was würde eine Zwei-Brücken-Lösung kosten, was hält das Ministerium von diesem Modell, wie sehen die Realisierungschancen aus oder wer müsste die Kosten übernehmen? Die Antwort auf diese Fragen von Sprecher Joachim Winkler lautet sinngemäß: Es laufen noch Untersuchungen, die auch noch einige Wochen in Anspruch nehmen. So müssen etwa noch Verkehrszahlen überprüft und ausstehende Gesichtspunkte für landespflegerische Maßnahmen bearbeitet werden. Zu einer Kontaktaufnahme mit den Luxemburgern, auf deren Gebiet die Sauerbrücke zwischen Wasserbilligerbrück und Langsur ankommen würde, sagt Winkler nichts. Diese hat offensichtlich vor allem auf Ebene nachbarschaftlicher Kontakte zwischen Konzer SPD und Grevenmacher/Wasserbilliger LSAP stattgefunden. Dany Frank, Sprecherin des luxemburgischen Infrastrukturministeriums, sagt jedenfalls im Bezug auf die SPD-Idee der zwei Brücken: "Das sagt mir gar nichts." Es gebe nur eine "Machbarkeitsstudie mit noch ungewissem Ausgang" für eine weitere Moselbrücke im Bereich zwischen Mertert und Grevenmacher.Steile Bergstrecke

Wo so viel offen ist, da lassen auch die von der SPD geschätzten Kosten von rund 35 Millionen Euro viele Fragen ungeklärt. Das wären 25 Millionen Euro weniger als die hochgerechneten Kosten für den Moselaufstieg in Höhe von 60 Millionen. Dieser Vorteil könnte unter anderem nach dem Studium einer EU-Verordnung schmelzen. Die besagt, dass zwei Röhren gegraben werden müssen, wenn täglich mehr als 10 000 Fahrzeuge in einem Tunnel unterwegs sind. Aktuell sind täglich auf der B 49 bei Igel rund 15 000 Fahrzeuge unterwegs. Kosten hin oder her. Würde der Vorschlag der Sozialdemokraten umgesetzt, gäbe es noch eine Herausforderung, die offensichtlich bisher so nicht diskutiert worden ist. Die Straße zwischen dem Sauertal und der Autobahnanschlussstelle in der Nähe des alten Grenzübergangs ist so schmal und so kurvig, dass dort LKW gehörige Mühe hätten, heil hoch- oder runterzukommen. Einen Begegnungsverkehr zweier 40-Tonner mag man sich bei den aktuellen Straßenverhältnissen erst gar nicht vorstellen.Meinung

Das war es dann wohlWenn du mal nicht weiter weißt, dann bilde einen Arbeitskreis. Oder mache es wie im Fall der von der SPD ins Spiel gebrachten Zwei-Brücken-Lösung: Beauftrage ein Fachbüro, und warte auf Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Das Ergebnis dieser Studie ist mutmaßlich für die Schublade bestimmt. Denn allzu weit her mit dem Willen zur Umsetzung scheint es nicht zu sein. Noch nicht einmal mit dem zuständigen luxemburgischen Ministerium ist offensichtlich gesprochen worden. Dabei soll die Sauerbrücke die Bundesrepublik und das Großherzogtum verbinden. Es drängt sich daher der Eindruck auf, als ob die Realisierungschancen des Projekts bei genauerem Hinsehen wie eine Seifenblase zerplatzen. Wobei selbst bei wohlwollender Betrachtung den Befürwortern klar sein muss, dass es mit den zwei Brücken in den kommenden Jahren schon aus finanziellen Gründen nichts werden kann. Auf Jahre hinweg wird das Trierer Tal deshalb unter dem zunehmenden Verkehr zu leiden haben. Um das vorherzusagen, braucht es weder einen Arbeitskreis noch ein Fachbüro. h.jansen@volksfreund.de