Ein vielfältiger Ort

Ob man Klopapier braucht oder eine Sitzgarnitur — in Trier-Süd bekommt man problemlos beides — und eigentlich auch alles andere. Bisher sind die vielen Einzelhändler aber nur wenig miteinander vernetzt. Mitglieder eines bestehenden Gewerbevereins möchten das ändern — und laden den Stadtteil zum Feiern ein.

Trier. Wenn es eine überzeugte Trier-Süderin gibt, dann ist das wohl Maria Zink: Seit elf Jahren betreibt die gelernte Hauswirtschaftlerin Marias Kaffeestübchen in der Saarstraße. Sie öffnet um 6 Uhr morgens - sieben Tage die Woche.
"Ich habe hier meinen Traum wahrgemacht", sagt die Frau, die mit 14 in einem Kloster war und "praktisch die ganze Freizeit" in der dortigen Großküche zugebracht hat: "Nirgendwo sonst kann man so gut Menschen kennenlernen wie hier", ergänzt sie strahlend und zählt auf, was die Menschen nicht nur aus Trier-Süd anlockt: guter Kaffee, selbst gemachter Kuchen und ein täglich wechselnder Mittagstisch - und eben, ganz wichtig: die persönliche Begegnung, die Zink so am Herzen liegt.
Der Verein Buntes Trier hat sie dafür 2012 mit dem Preis "Ort der Vielfalt" ausgezeichnet - zusammen beispielsweise mit der Skatehalle Trier und dem Frauenhaus. An Trier-Süd gefällt Zink der Flair, der durch das bunte Miteinander aus allen Gesellschaftsschichten entsteht.Tv-Stadtteiltour Trier-Süd


Bedingung dafür ist auch eine intakte Infrastruktur an Einkaufsmöglichkeiten, und schon der Blick die Saarstraße hinunter zeigt, dass hier so gut wie kein Bedürfnis unbefriedigt bleibt: Es gibt Supermärkte und Discounter, Boutiquen und Zeitschriftenläden, schicke Restaurants und quirlige Dönerbuden, Apotheker und Frisöre, Schuster und Optiker, Wein- und Möbelhändler. Fast alles inhabergeführte Geschäfte, ödes Franchise-Einerlei findet man hier nicht.
Einige der Händler haben sich vor Jahren zur Interessengemeinschaft "Wir - Die Südstadt" zusammengeschlossen - und seitdem nicht allzuviel bewegt, gibt Zink als zweite Vorsitzende unumwunden zu: Den vielen Einzelkämpfern fehle es schlicht oft an Kraft und Zeit für aufwendige Aktionen. Das könnte sich jetzt ändern, hofft nicht nur Zink, sondern auch Sascha Haupenthal. Dessen Eltern betreiben seit 2009 den Edeka in der Saarstraße, der Sohn war lange Marktleiter und hat in dieser Eigenschaft ein Oktoberfest auf dem Supermarktparkplatz etabliert. "Das erste Mal war nicht so gut besucht", sagt der 27-Jährige - und, dass es sich aber lohne, am Ball zu bleiben: "Bei späteren Ausgaben haben wir mit unseren Kunden bis zwei Uhr früh gefeiert."
Sein Vorschlag, in diesem Sommer ein großes Händlerfest auf die Beine zu stellen, brauchte zwar auch ein bisschen, um richtig einzuschlagen - jetzt sind aber an diesem Samstag im Hubert-Neuerburg-Park (siehe Extra) viele Kollegen dabei, sagt Haupenthal. "Es gibt unter anderem natürlich Kuchen aus dem Kaffeestübchen, unseren hauseigenen Schwenkbraten und leckeres Bier vom Fass." Der Blumenpavillon Weis bemalt mit Kindern Blumentöpfe, und auch die Bastelstube wird dafür sorgen, dass nicht nur den Kleinsten nicht langweilig wird. Livemusik gibt\'s ebenfalls, die Künstler lernte Zink, natürlich, in ihrem Café kennen. "Das Fest wird einen Relaunch für unseren Gewerbeverein bedeuten", ist Haupenthal überzeugt - der auch noch ein paar Ideen auf Lager hat, wie etwa einen gemeinsamen Adventsbasar der Einzelhändler.
Zunächst laden er, seine Nachbarin aus dem Kaffeestübchen und die anderen Vereinsmitglieder alle Kunden und Trier-Süder aber zum fröhlichen Miteinander ein.Extra

Ins Café von Maria Zink (links) kommt Heidi Hermanns (Mitte) fast täglich: Sie schätzt die persönliche Atmosphäre und den leckeren Kuchen. Der Ex-Eintracht-Spieler Günter Bach kann da nur zustimmen. Tv-Foto: Frank Göbel.

Das Jahresfest der Interessengemeinschaft beginnt am Samstag gegen 14 Uhr im Hubert-Neuerburg-Park neben dem Finanzamt. Mit dabei: der TV mit Leseratte Lucky und der Hüpfburg. Die Interessengemeinschaft präsentiert sich und den Stadtteil auch im Internet unter www.trier-sued.de fgg

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