Ein Weckruf für "Schlaf-Baustellen"

Newel/Trier · In der Hitliste der Bummel-Baustellen, über die sich TV-Leser ärgern, nehmen die Kanalverlegung an der K 5 zwischen Trier-Biewer und dem Altenhof sowie der Ausbau am Knotenpunkt Ehranger Brücke unrühmliche Spitzenplätze ein. Beide Projekte sollen Mitte November abgeschlossen sein.

Wenig Verständnis haben TV-Leser dafür, dass die Kanalarbeiten mit Vollsperrung an der K 5 bei Biewer so lange dauern. TV-Foto: Albert Follmann

Newel/Trier. Jeder Autofahrer kennt das: Straßenbaustellen, auf denen tagelang kein Arbeiter zu sehen ist und die Baumaschinen ungenutzt herumstehen. Da nerven Sperrungen und Staus doppelt. Als der TV anlässlich der Einführung einer Beschwerdeplattform des Verkehrsministeriums im Internet die Kraftfahrer in der Region Trier dazu aufrief, "Schlaf-Baustellen" zu melden (TV vom 19. Oktober), war die Resonanz groß. Besonders häufig genannt wurde die Sanierung des Knotenpunkts an der Ehranger Brücke mit neuen Auf- und Abfahrten (siehe Extra), und die gesperrte Kreisstraße 5 zwischen Trier-Biewer und dem Ausflugslokal "Altenhof". Dort verlegen die Stadtwerke Trier (SWT) seit dem Frühjahr neue Kanäle.
"Die Maßnahme sollte bis August dauern", ärgert sich TV-Leserin Sabrina Merkel aus Butz-weiler, "dann hieß es bis Mitte September, jetzt haben wir Ende Oktober, und es ist immer noch gesperrt."
"Wie lange müssen wir die Vollsperrung noch erdulden, und was passiert mit dem desolaten Straßenzustand anschließend?", fragt Bernd Burghardt aus Beßlich, und auch Leserin Heike Schmidt, ebenfalls aus Beßlich, sehnt den Tag der Freigabe herbei. Hoffentlich, meint sie, sei es ein Scherzbold gewesen, der das Fertigstellungsdatum auf einem Bauschild vom 30. 8. 2011 auf den 30. 8. 2012 abgeändert habe. "Warum ist es nicht gelungen, die Kanalverlegung zeitgleich mit der vorherigen Erneuerung der K 24 vom Altenhof nach Butzweiler durchzuführen?", fragt ein anderer genervter Autofahrer.
Die "Bummel-Mütze" wollen sich die Stadtwerke nicht anziehen: Laut SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück sind zwei Gründe für die längere Bauzeit verantwortlich. Zum einen hätten die Leitungen anders als erwartet teilweise mitten in der Fahrbahn gelegen, zum anderen hätten die schlechten Bodenverhältnisse für Mehraufwand und damit für Verzögerungen gesorgt. Von einer Bummel- oder Schlafbaustelle könne nicht gesprochen werden, meint Grasmück. Wenn das Wetter mitspiele, könnten die Arbeiten bis Mitte November abgeschlossen werden.
Auch neue Deckschicht


Die Stadtwerke glauben, dass sich das lange Warten für Anwohner und Autofahrer lohnen wird. Grasmück: "Wir haben aufgrund des schlechten Zustands der Straßenoberfläche mit dem Tiefbauamt eine Möglichkeit gefunden, die Straße mit einer neuen Decke zu überziehen statt einen Flickenteppich zu hinterlassen."
Obwohl René Kehl aus Beßlich gleich in doppelter Weise zu den Leidtragenden der Straßensperrung gehört - er kann diesen Weg Richtung Trier zurzeit nicht nutzen und muss auch noch Lärm und Abgase des Umleitungsverkehrs ertragen - bricht er eine Lanze für die Straßenbauer. "Wenn das Resultat stimmt, habe ich Verständnis für Verzögerungen." Kehl, der sich selbst als Baufreak bezeichnet, hat ein wachsames Auge auf die Arbeiten im Raum Butzweiler. Sein Fazit: Die K 24 und die Loricher Brücke habe man "sauber hingekriegt". Insbesondere das untere Teilstück sei aus wassertechnischen Gründen kompliziert und unberechenbar.Extra

TV-Leser Thomas Müller aus Trier-Pfalzel spricht von einer Skandal-Baustelle. Er fahre täglich mehrfach vorbei, sagt Müller, und man sehe "ein oder zwei Bauarbeiter". Er wirft den Verantwortlichen Unfähigkeit vor. Autofahrer und eine von Abgasen unnötig belastete Umwelt seien die Gelackmeierten. Wenn man als Autofahrer an einer Ampel auf der B 53 stehe, könnte in der Tat der Eindruck einer Bummel-Baustelle entstehen, sagt Walter Druckenmüller, Leiter der Autobahnmeisterei Schweich. "Im einsehbaren Teil ist der Erdbau erledigt, gearbeitet wird oben an der Beschleunigungsspur." Laut Druckenmüller hätte eine Vollsperrung die Arbeiten beschleunigt, aber auch den Verkehr chaotischer gemacht. Er räumt ein, dass der Fertigstellungstermin Ende Oktober (TV vom 7. Oktober) nicht mehr zu halten ist, weil "mehr Material als geplant zugefahren werden muss". Mitte November sei man aber so weit. alf