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Ein Weinstand mit wunderschöner Aussicht in Klüsserath

Heimat und Genuss : Ein Weinstand mit wunderschöner Aussicht

Hier sprudelt nicht nur der Wein. Wie ein gemeinsam gebauter Weinstand identitätsstiftend für einen ganzen Ort wird und wie er die Dorfbewohner zu immer mehr motiviert.

Der „Klüsserather Sagenweg“ beginnt auf einer Höhe von 291 Metern über NN. Am Startpunkt empfängt den Wanderer ein weitläufiges Panorama über 1000 Hek­tar Weinberge im Moseltal, so sagen es die Winzer. Auch eine Hütte mit Schieferwänden, sechs Tische und neun Bänke und im Wind wehende Fahnen stehen hier. Und etwas darunter eine eingezäunte Wetterstation. Ab Ostern erwartet den Wanderer mit etwas Glück zudem ein Gläschen Wein aus den Trauben der größten zusammenhängenden Steillage der Mosel vor ihm. Und noch mehr ist möglich auf der „Bergstation“ Klüsserath. Zumindest bei schönem Wetter an Sommersonntagen.


Lange gereifte Idee
Noch ist es ruhig hier oben. „Schon vor 20 Jahren wollte ich einem Winzer ein kleines Grundstück in einer Spitzkurve etwas unterhalb der heutigen Wetterstation abkaufen, um da einen Weinstand zu eröffnen“, sagt Rudi Blesius (57), Winzer aus Klüsserath, während er die Bergstation zeigt. „Damals konnte ich das Grundstück nicht bekommen, doch die Idee hat nur geruht. Als sich dann 2013 hier die Chance ergeben hat, haben wir sie ergriffen und das Grundstück gekauft“. Wir – damit meint er den Verein „Winzer der vereinigten Weingüter der Klüsserather Bruderschaft“.

Der Weinstand in Klüsserath 2020

Auch Günter Herres (58), ehemaliger Bürgermeister, und Maurice Regnery (25), ausgebildeter Winzer und Weinbautechniker, gehören dazu. Herres: „Wir wollten im Gebiet der Bruderschaft einen Weinstand installieren, wo Winzer mit ihren Gästen hinwandern können, um ihren Wein zu verkosten.“ Erst kam die Wetterstation, 2016 begannen sie mit dem Bau der Schutzhütte.

Heute ist der Weinstand für alle viel mehr. Regnery findet: „Vor allem schweißt der Weinstand die jungen und alten Klüsserather zusammen“.

Gemeinschaftsstiftend Die Dorfjugend zum Beispiel sei sehr aktiv und habe tatkräftig beim Umbau und bei den Anbauten am Weinstand an der Wetterstation geholfen. Außerdem unterstütze sie die Bruderschaft mit selbst gemachten Werbevideos. Da sich die Bruderschaft mit einem Foto von der Aussicht hier oben auch beim Deutschen Weininstitut um die „schönste Weinsicht“ beworben hat (bis Sonntag kann noch abgestimmt werden), haben die Jugendlichen dazu zum Beispiel einen Film gedreht, erzählt Herres.

Auch unter den Winzern hätte vorher „jeder so sein eigenes Ding“ gemacht, aber „seit wir uns alle an einen Runden Tisch gesetzt haben und etwas Großes aus der Wetterstation machen, wird die Gruppe an Leuten immer größer, die einfach Spaß dran haben, Teil davon zu sein“, erzählt Jungwinzer Regnery.

Vergangenes Jahr hatte der Weinstand zum ersten Mal jeden Sonntag von Ostern bis Oktober geöffnet. „Da wechseln sich unsere Winzer dann ab und auch die Dorfjugend übernimmt einen Tag“, erklärt Günter Herres . Die Jugendlichen schenken dann Wein aus der Bruderschaft aus und finanzieren mit dem Gewinn den weiteren Umbau ihres Jugendraums. Der Stand komme gut an. „Unser Weinstand ist hier im Ort und auch für Leute aus den Nachbargemeinden ein zentraler Anlaufpunkt geworden“, sagt Regnery. Und auch ohne Ausschank seien die Bänke mit der Aussicht beliebt. Wenn er im Sommer abends mit seinen Freunden und einer Flasche Wein hier hochradele, sei es schon vorgekommen, dass alle Bänke besetzt waren.

Aktiv auf allen Kanälen Auch im Internet und in den sozialen Medien sind die Winzer, die jungen Weinköniginnen und die anderen Jugendlichen aktiv. Ihre Webseite erweitert die Bruderschaft nach und nach, so dass zum Beispiel die Informationstafeln des Weinlehrpfads (siehe Infobox) und die Beschreibungen zur Aussicht entlang des gesamten Sagen-Wanderwegs auch online interaktiv genutzt werden können, erzählt Herres. Das Zusammenspiel funktioniere so gut, weil sich heute immer mehr junge Leute für Wein interessieren, sagt Jungwinzer Regnery.

„Die Jugendlichen wollen den Wein nicht mehr nur trinken, sondern mehr darüber erfahren.“ Der Trend sei regional und man wolle wissen, wo das, was man isst und trinkt, herkomme und wie es gemacht werde. In Klüsserath sehe man die Winzer im Steilhang arbeiten und dadurch sei die Verbundenheit der Jugendlichen zu dem Wein des Ortes stark. Das gemeinsame Projekt des Weinstands hat auch anderen Aktionen neuen Schwung gebracht: „Mit der Wetterstation und mit der Wiederauflebung des Weinfestes der Gemeinde haben wir, die Vereinigten Weingüter, auch unsere jährliche große Weinprobe auf neuere Weine umgestellt, um auch die Jugend mehr anzusprechen.“ Mit gemeinsam gedrehten witzigen Filmchen lockere man die Weinprobe zudem auf und mache sie origineller.

Am Weinstand gibt es jeden zweiten Sommersonntag zudem ein Frühstück, zu dem sich 40 Personen auf der Webseite der Bruderschaft anmelden können.

Ausblick Und wie geht es weiter? „So eine Hütte baut man nicht mal einfach so hoch. Gerade die Gabionengarnituren sind aufwendig, das ist alles nach und nach entstanden“, betont der 25-jährige Regnery. Aktuell sei man daran, das Ganze zu optimieren. Eine weitere Panoramabank sei geplant, Hülsen müssten noch gesetzt werden, für ein schattenspendendes Sonnensegel. Auch die Idee einer Grillstelle steht noch im Raum und über Wasseranschluss für die Toilette werde weiter nachgedacht. „Das Projekt ist niemals fertig“, sagt der Jungwinzer lächelnd.

Ansonsten wäre so ein Preis für die schönste Weinsicht natürlich schon genial, sagt Rudi Blesius. Egal ob sie gewinnen oder nicht: Das beschriftete Foto „ihrer Weinsicht“ wird bald hier oben installiert. Das machen sie mit links, die Klüsserather.

Ein Video zum Weinstand der Klüssera­ther Bruderschaft finden Sie auf volksfreund.de/videos