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"Ein wirklich liebenswertes Haus" in der Trierer Tuchfabrik aufgeführt

Theater : Bunte Liebe in der Tuchfabrik

Die Schmit-z Family zeigt mit „Ein wirklich liebenswertes Haus“ ihr jährliches Theaterstück der Adventszeit. Humor und Vielfalt kommen dabei nicht zu kurz.

Vorweihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Die Schmit-z Family präsentiert daher einen vielfältigen und bunten Keksteller im großen Saal der Trierer Tuchfabrik. Viermal lassen sich jeweils 240 Menschen das schmecken, was 15 Akteure auf der Bühne und zahlreiche Beteiligte hinter den Kulissen servieren.

Autor Klaas Michel hat die klassischen Zutaten für ein Volkstheaterstück verwendet und das Rezept mit exotischen Ingredienzen verfeinert. Herausgekommen ist „ein wirklich liebenswertes Haus“, in dem Akzeptanz, Freundschaft, Zusammenhalt – und natürlich die Liebe ganz großgeschrieben werden.

Doch küssen hier nicht nur die Buam die Madln, es gehen schon mal mehr als zwei Menschen miteinander ins Bett und eine Familie muss nicht immer aus Mama, Papa und Kind bestehen.

Hier gibt es Wortgefechte auf (gemäßigtem) Luxemburgisch, abgefeuert von zwei verschwägerten Madamen (Alex Rollinger und Ingo Koenen), von denen eine aus reinem Geiz gerne mal bei der Tafel einkauft und dafür von Mel (Nicole Schneider) ordentlich zusammengestaucht wird. Auch die „Schwestern des Wahnsinns“ (Torsten Resch und Mark Hummel) bringen mit Gestik und Mimik den Saal zum Toben.

Wie bei allen Stücken der Schmit-z Family sind musikalische Einlagen obligatorisch – und allesamt sind sie gesanglich stark und begeistern durch Humor, Kreativität und Emotionalität.

Mark Hummel schafft es, mit seinem Lied „Kann es wirklich Liebe sein (auch wenn mein BMI so quillt)“ gleichzeitig Rührung und Belustigung auszulösen. Zuvor war er von „Hoss“ (Sascha Klebig mit spektakulären Klamotten) als „Eifeler Landschinken“ bezeichnet worden.

Aber es gibt auch stille Momente: Emotional wird es, wenn der schüchterne Nerd Benjamin (Daniel Christiansen) „She“ singt. Auch die Liebes-Wirren um Yannik, Paddy und Marv (Andreas Hisgen, Andreas Jacobs und Marco Kimmlingen) lassen die Zuschauer nicht kalt, was im Saal zu kollektiven „ooooh“-Rufen führt.

Mit großer Bühnenpräsenz spielt Julius Milde seine Figur Bonnie, in die sich im Laufe des Abends bestimmt alle Zuschauer – egal welchen Geschlechts – ein wenig verliebt haben dürften. Petra Schmitt überzeugt als bayerische Bistrobesitzerin und gute Seele und ihr „the shit is a Datschi“ ist ein Knaller.

Doch auch in den besten Plätzchenteig rutscht mitunter eine bittere Mandel: Die kommt in Person von Alexandra von Stetten-Langenburg daher: Attitüde und Optik der Frau in weißer Bluse und grauem Hosenanzug sowie hochgestecktem blonden Haar und Brille lassen sofort die richtige Assoziation aufkommen. Kerstin Wiwie gibt überzeugend und präzise die Unsympathin vom Dienst, wenn sie ihre Frau (Caroline Hermes) anschnauzt: „Nur weil ich lesbisch bin, muss ich nicht jeden linksalternativen Unsinn mitmachen.“ Zusammen mit „Putzfrau“ Yasha (Esther Marx) macht sie den anderen das Leben schwer.

Aber „who the fuck is Alice“ möchte man summen, denn am Ende geht natürlich alles gut aus. Alex Rollinger gibt dem stehend applaudierenden Publikum auf den Weg mit: „Da, wo Liebe ist, ist es gut!“ Schade nur, dass vom bunten Teller nur die noch etwas abbekommen, die sich lange vor der Adventszeit um Karten bemüht haben: Alle vier Termine (die nächsten am 6. und 7. Dezember) sind bereits ausverkauft.