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Einblick in die Melancholie der russischen Volksseele

Einblick in die Melancholie der russischen Volksseele

Ein Konzerterlebnis der besonderen Art bot der Don-Kosaken-Chor Wanja Hlibka im Bürgerzentrum in Schweich. Zum ersten Mal gastierte das Ensemble auf Einladung des Vereins Kultur in Schweich in Schweich und bot mehr als 90 Minuten lang emotionale Momente und einen tiefen Einblick in die Melancholie der russischen Volksseele.

Schweich. Das Ensemble vom Don-Kosaken-Chor Wanja Hlibka benötigte zwar zwei Aufenthaltsräume. Russen und Ukrainer in einem Raum, das war nicht möglich. Auf der Bühne war davon jedoch nichts zu merken.
Der von Serge Jaroff im Jahre 1921 gegründete Chor tourte bis zu Jaroffs Tod mehr als fünf Jahrzehnte durch alle Kontinente. 1991 belebte Wanja Hlibka, 1967 mit 19 Jahren jüngster Solist des Chors, das Ensemble wieder und erwarb im Jahr 2001 die Namensrechte und alle Originalpartituren. Bis heute unterhält der Chor mit jährlich mehr als 250 Konzerten im In- und Ausland seine treue Anhängerschaft.
Den Auftakt der Konzert-Gala machten liturgische Gesänge aus der russisch-orthodoxen Kirche mit Stücken wie "Credo" (Gretschaninov), das "Vater unser" (Kedrov), "Oh Herr, wir singen dir" (Rachmaninov) und "Die Glocken von Jerusalem" (Serge Jaroff).
Tenorstimmen und Basstiefen sorgten für wohlige Schauer bei den Zuhörern. Dabei stachen insbesondere die Solisten hervor, nahezu jeder der akademisch ausgebildeten Sänger hatte einen oder mehrere Soloparts im Laufe der Gala.
Der zweite Programmteil war geprägt von bekanntesten russischen Volksweisen, allen voran "Die 12 Räuber", "Abendglocken" oder "Eintönig hell klingt das Glöckchen". Die ersten stehenden Ovationen des Publikums gab es für den 16-köpfigen Chor beim Medley "Grünes Gras / Kalinka", wobei man den Schlusspart gleich dreimal intonieren musste. Den Abschluss bildeten die traditionellen Stücke "Im Walde gesagt", "Suliko" (Pazdriy) und das Scherzlied "Die Nachtigall" (Pazdriy/Jaroff), mal wehmütig-melancholisch, mal temperamentvoll-mitreißend vorgetragen. Emotionaler Höhepunkt war die frenetisch geforderte Zugabe "Ich bete an die Macht der Liebe" (Dmitri Bortnjanski). red