Literatur: Einblicke in die Welt der Spuren

Literatur : Einblicke in die Welt der Spuren

Das AutorenForum Trier hat seine neue Textsammlung vorgestellt.

„Vorsicht! – Buch! Kann Spuren von Fantasie enthalten!“ Mit dieser „Warnung“ leitete Christine Reiter; Leiterin des AutorenForums Trier, die Präsentation der Anthologie „Welt der Spuren“ ein. Trierer Autoren stellten den vierten Band der Reihe „Blickwinkel“ in den Räumen der Stadtbibliothek Palais Walderdorff vor.

Viele Zuhörer kannten das AutorenForum Trier bereits von den Präsentationen der ersten drei Bände. Den neuen Gästen erklärte die Leiterin des Forums, die zugleich Herausgeberin der Anthologiereihe ist, dass die Teilnehmer in den monatlichen Sitzungen ihre Texte zu einem Arbeitsthema vorstellen, die dann besprochen werden. Ergebnisse der Arbeit werden einmal im Jahr in den erwähnten Anthologien veröffentlicht.

Im vierten Band haben die Autoren die Welt der Spuren entworfen – ein komplexes Thema. So abwechslungsreich wie die Geschichten und Gedichte im Buch, so facettenreich erwies sich die Lesung. Während in Alfred Schilz‘ Geschichte ein Reporter der Wahrheit auf der Spur war, führte Anita Koschorrek-Müller in ihrer Erzählung die Zuhörer zunächst auf eine falsche Fährte. Regina Stoffels nahm die Zuhörer auf amüsante Weise in die Kindheit eines katholischen Elternhauses der 50er Jahre mit. In Heike Siemanns metaphorischer Erzählung wurden Spuren aus der NS-Zeit entdeckt.

Verwandelt sich eine Protagonistin in einen Werwolf? Darauf machte Jutta Fantes gespannt: „Sehnsuchtsvoll verliere ich mich in der Betrachtung des Mondes, immer noch leckend, beneide ich die Wölfe, die ihn anheulen dürfen, das würde ich jetzt auch gerne tun: mich einfach hier hinsetzen, alle Gefühle und Töne aus meinem Bauch herausholen und einfach losheulen ...“

Ebenso hielt Sabine Moritz mit ihrer Kriminalgeschichte Symphonie die Zuschauer in Spannung; Herbert Linnes szenische Darstellung in einer Trierer Kneipe, ebenso wie Christine Reiters und Lisa Neunkirchs Erzählungen über Menschen in Lebenskrisen regten zum Nachdenken an. Besonders interessant für „echte“ Trierer: Elisabeth Minarskis Beitrag Sprachspuren oder Viejel die morjens peifen hölt oamens de Kaaz. Hier fragt sich die Autorin: Warum gelingt es nicht, Sprache, Heimatsprache, Muttersprache, Sprache der Kindheit wie auf Fotos festzuhalten und in ein Album zu kleben, damit man sie für kommende Generationen aufbewahren und zeigen kann?

Ein Spurwechsel ist nötig, von der Kriechspur auf die Überholspur. Einspurig – mehrspurig – großspurig? Mit ihrer Gedankenspur beendete Anita Koschorrek-Müller die Präsentation der Anthologie.

 Die Anthologie ist ab sofort in allen Buchhandlungen und online erhältlich: Welt der Spuren. Hg. v. Christine Reiter. Stephan Moll Verlag 2019.

Informationen zum AutorenForum Trier gibt es unter: www.lese-kultur.com