Eine alte Kirche gemeinsam neu entdecken

Trier-Feyen/Weismark · Aktiv der Anonymität entgegentreten, gute Gespräche mit anderen Menschen führen, Neues erfahren und vielleicht auch gemeinsam singen - das ist ein Anliegen, das vier Mitglieder der Pfarrei St. Valerius antreibt. Einmal im Monat laden sie zum Treffen in der St.-Valerius-Kirche ein.

Johannes Schaffrath, Ralf Schiffhauer, Lorenz Becker und Iris Blecker-Guczki (von links) wollen beim Kirchentreff in der St.-Valerius-Kirche Menschen aus dem Stadtteil zusammenbringen. TV-Foto: Rolf Lorig

Foto: Rolf Lorig (flo), Rolf Lorig ("TV-Upload Lorig"

Trier-Feyen/Weismark. Die Kirche in der Bornewasserstraße hat eine interessante Geschichte. Am 1. Mai 1953 erfolgte der erste Spatenstich, der erste Gottesdienst fand am 12. Oktober 1954 statt - die Kirchweih erfolgte aber erst am 9. Juni 1982. Und zum 1. September 2003 verlor sie den Status der Pfarrkirche - fortan war sie Teil des Pfarrverbunds St. Matthias, Herz-Jesu und St. Valerius.
Lorenz Becker kennt all diese Daten. Der gelernte Vermessungstechniker ist eng mit der alten Pfarrei verbunden. Wie auch die Theologin Iris Blecker-Guczki, der Sonderschullehrer Ralf Schiffhauer und der Diakon Johannes Schaffrath. "Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Kirche neu zugezogenen Menschen in unserem Stadtteil näherbringen können", sagt Johannes Schaffrath. "Die interessante Geschichte des Baus will einfach weitergegeben werden", ergänzt Lorenz Becker.
Gesagt, getan. Unter der Überschrift: "Lust auf Kontakte im Stadtteil? Interesse daran, die St.-Valerius-Kirche näher kennenzulernen? Freude an Geschichte, Kultur und Geistig-Geistlichem?" luden die vier Pfarreimitglieder vor einigen Wochen erstmals per Handzettel zu einem Kirchentreff ein. "Dazu hatten wir uns ein gestuftes Programm überlegt", sagt Iris Blecker-Guczki. Treffpunkt ist immer am letzten Samstag im Monat um 17 Uhr.
Als Erstes steht die Entdeckung des Kirchenraums auf dem Programm. Hier kommt Lorenz Becker eine tragende Rolle zu, der nach und nach einzelne Bereiche der Kirche vorstellt und über deren Geschichte referiert. Zur Auflockerung hat Iris Blecker-Guczki für jedes Treffen neue Lieder ausgesucht, die gemeinsam gesungen und von ihr an der Gitarre begleitet werden. Und Johannes Schaffrath obliegt der geistliche Teil der Zusammenkunft. Im Anschluss gibt es Tee und Gebäck in der Obersakristei; wer mag, kann an der dann folgenden heiligen Messe teilnehmen. Seinen Abschluss findet der Kirchentreff mit einem gemeinsamen Umtrunk.
Dass aller Anfang schwer ist, hat das Quartett bereits feststellen müssen. "Die Pellinger Straße bildet eine hermetische Barriere. Und die Menschen aus dem Quartier Castelnau, die wir eigentlich auch ansprechen wollten, haben wir bisher noch nicht erreicht", gibt Johannes Schaffrath selbstkritisch zu.
Dafür aber sind andere gekommen. "Das sind überwiegend Menschen aus der alten Pfarrei, die an einem Miteinander interessiert sind", sagt Ralf Schiffhauer. Iris Blecker-Guczki gefällt, dass sowohl junge wie auch alte Menschen dabei sind. "Gerade das Treffen mit älteren Menschen finde ich als Zugezogene besonders spannend. Die wissen viel über die alte Pfarrei und unseren Stadtteil zu erzählen."
Der ganz große Zustrom ist bislang ausgeblieben. Doch die Organisatoren des Kirchentreffs setzen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda: "Jedesmal waren Andere mit dabei", freut sich Lorenz Becker. Doch was geschieht, wenn die Geschichte der Kirche erzählt ist? Darüber beraten die vier zurzeit intensiv. Es gibt bereits erste Ideen und Vorschläge. Doch ehe diese umgesetzt werden können, muss erst noch etwas Zeit vergehen. "Es gibt da leider noch eine Menge offener Fragen", sagt Johannes Schaffrath: "Was passiert, wenn die Brüder in St. Matthias am 1. September die Pfarrverwaltung aufgeben? Wer wird dann Pfarrverwalter? Und da auch die Wahl eines neuen Pfarrgemeinderats ansteht - was sagt dieses Gremium dann zu unseren Plänen?"
Doch bis dahin ist es noch ein wenig Zeit. Am Montag, 27. Juli, steht in St. Valerius um 17 Uhr wieder ein Kirchentreff auf dem Programm. Dass es dabei erneut zu schönen Begegnungen mit guten Gesprächen kommen wird, dessen sind sich die vier Organisatoren sicher.