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Eine außergewöhnliche Frau sagt tschüss

Eine außergewöhnliche Frau sagt tschüss

Sie gilt als einflussreichste Frau in der Katholischen Kirche Deutschlands, Visionärin, Querdenkerin, harte Verhandlerin und Frauenrechtlerin: Schwester Basina Kloos. Mit einem Dankgottesdienst und einem Festakt wurde die Vorstandsvorsitzende der Marienhaus Stiftung in der Reichsabtei St. Maximin in Trier offiziell verabschiedet.

Trier. Die Marienhaus-Unternehmensgruppe ohne Schwester Basina Kloos an der Spitze? Für viele war dies lange Zeit unvorstellbar, seit diesem Frühjahr ist es Realität und jetzt offiziell. In der Reichsabtei St. Maximin sagten 500 Festgäste einer außergewöhnlichen Frau Danke und würdigten ihr beispielsuchendes Tun. Die 75-jährige Waldbreitbacher Franziskanerin hat über Jahrzehnte lang Krankenhäuser, Altenheime, Hospize und Jugendhilfeeinrichtungen geleitet, viele davon in Trier. Nach dem Dankgottesdienst (mit Generalvikar Georg Bätzing und dem Chor des Marienhaus-Klinikums Neuwied) sagte ihr Nachfolger Heinz-Jürgen Scheid: "Bei einem gemeinsamen Einrichtungsbesuch war ich beeindruckt, dass Schwester Basina praktisch jeden, der uns im Haus begegnete, mit Namen kannte." Als erste Vorsitzende des Vorstands der Marienhaus-Stiftung habe Schwester Basina seit der Gründung der Stiftung im Jahr 2011 die entscheidenden Weichen für ein modernes, gut aufgestelltes und auch großes Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens gestellt. "Dem gingen in den über 40 Jahren in verantwortlichen Führungspositionen viele bewegte und bewegende Schritte voraus", sagte Scheid.
Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, am meisten beeindrucke sie, dass Schwester Basina eine Frau sei, die sich Gottes Liebe verpflichtet habe, und es doch vermochte, die Macht der Zahlen und Betriebswirtschaft in die Hand zu nehmen. In der Festrede des früheren Richters des Bundesverfassungsgerichts, Paul Kirchhof, wurde deutlich, wer im Mittelpunkt des Denkens und Handels der unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Schwester Basina steht: der Mensch und ihr tiefer christlicher Glaube. Als Leitgedanken für den Festakt hatte die Ordensfrau und Spitzenmanagerin "Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt" ausgesucht. Während des Festakts war es ihr wichtig, den Fokus auch auf andere zu richten: Der Jugendhilfe-Preis der Marienhaus-Stiftung wurde an Erzieherinnen verliehen, die sich um 90 junge unbegleitete Flüchtlinge kümmern. Schwester Basina würdigte dieses Engagement in einer Laudatio.
Abschied zu nehmen falle ihr nicht schwer, sagte die in Österreich geborene und in Idar-Oberstein aufgewachsene Frau, die sich auch für Frauen als Priesterinnen starkmacht. Sie habe sich in den vergangenen drei Jahren gut auf diesen Moment vorbereitet. Niemand erwartet, dass die ehemalige Generaloberin die Hände in den Schoss legt: Ein Buch sei in Planung, kündigte sie an. kat
Extra

Die Marienhaus Stiftung in Neuwied ist einer der größten christlichen Träger von sozialen Einrichtungen in Deutschland. Zum Unternehmen zählen 20 Krankenhäuser, 29 Alten- und Pflegeheime, fünf Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, neun Hospize, neun weitere Einrichtungen und zehn Bildungseinrichtungen. Insgesamt arbeiten in der Trägerschaft etwa 13 800 Frauen und Männer. katExtra

Stimmen aus der Festschrift "Weggefährten": Stephan Ackermann, Bischof von Trier: "Für mich ist Schwester Basina ein leuchtendes Beispiel dafür, wie eine Frau in der Kirche Führung wahrnehmen kann, ohne ein hierarchisches Amt im engen Sinn zu bekleiden." Ministerpräsidentin Malu Dreyer: "Schwester Basina war für mich in gesundheits- und sozialpolitischen Fragen eine wichtige Unterstützerin und wertvolle Beraterin." Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: "Sie geht vor niemanden in die Knie, auch nicht vor einem Bischof." Edith Maria Magar, Generaloberin der Franziskanerinnen von Waldbreitbach: "Das Zeugnis von der Menschenfreundlichkeit Gottes war und ist Dir ein Herzensanliegen, gepaart mit souveräner Authentizität, Professionalität und empathischer Zugewandtheit." kat