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Eine besondere Bindung zur Abtei

Eine besondere Bindung zur Abtei

Michael Embach (55) leitet seit 2007 die Trierer Stadtbibliothek und unterrichtet außerplanmäßig Germanistik und Theologie an der Universität Trier. Sein Lieblingsort ist die Abtei St. Matthias, wo sich für ihn Geschichte, Kultur und Erholung ideal zusammenfügen.

Ich habe bereits viele tolle Städte und Länder bereist, sowohl privat als auch von Berufs wegen. Aber so richtig wohl fühle ich mich eigentlich nur in Trier. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier habe ich das Abitur gemacht und bin zur Uni gegangen. Natürlich ist es schön, ab und zu auch mal unterwegs zu sein und etwas Neues zu sehen. Aber ich bin kein Mensch des ständigen Aufbruchs. Ich lebe gerne in Trier und genieße das Leben hier. Einen permanenten Ortswechsel brauche ich nicht.
Geboren bin ich in Heiligkreuz, aber seit 1991 wohne ich mit meiner Frau Ingrid und unseren beiden Mädels in Feyen auf der Grafschaft. Wir fühlen uns sehr wohl dort, und gerade für mich könnte es wohl keinen passenderen Wohnort in Trier geben. Denn historisch gesehen gehört die Grafschaft zur Abtei St. Matthias, zu der ich als Germanist und Theologe eine ganz besondere Bindung verspüre.
Die Abtei St. Matthias ist auf spätantiken Fundamenten errichtet worden. Man hat das Gefühl, auf historischem Boden zu stehen. Außerdem spielte sie im Mittelalter eine wichtige Rolle für die Stadt Trier und weit dar über hinaus: Sie besaß ein bedeutendes Skriptorium, dessen Handschriften wir heute in der Stadtbibliothek aufbewahren und im Rahmen eines großen Projektes gerade digitalisieren. Wenn man sich beruflich so intensiv mit einem Thema beschäftigt, dann entwickelt man eine starke mentale Bindung dazu. Außerdem haben sich über diese Schiene viele persönliche Kontakte und Freundschaften in die Abtei ergeben.
St. Matthias spielt auch in meiner Freizeit eine wichtige Rolle in meinem Leben, denn ich bin oft zum Wandern, Joggen oder Radfahren im Mattheiser Wald. Nachdem man jahrelang darin herummarschiert ist, hat man einen Blick für die Natur und die Veränderungen in der Umwelt entwickelt. Es berührt mich, wenn nach einem Sturm Bäume abgeknickt sind und bekannte Wege plötzlich nicht mehr begehbar sind.
Ich finde es übrigens faszinierend, wie sich der Mattheiser Wald seit meiner Kindheit verändert hat. Damals habe ich ihn noch ganz anders erlebt, es war ein militärisches Gelände. Wir sind früher unter dem Zaun durchgekrochen und haben Abenteuerwanderungen auf der anderen Seite unternommen. Heute ist der Mattheiser Wald ein tolles Naherholungsgebiet mit schönen Wegen und Hochplateaus mit Ausblick auf die Mosel und den Hochwald.
Abgesehen von meiner Begeisterung für die Abtei St. Matthias sind es die ganz normalen Kleinigkeiten des Alltags, die mir Freude bereiten. Etwa wenn meine erwachsenen Töchter heimkommen und wir alle zusammensitzen und reden. Es ist mir wichtig, an den Plänen meiner Kinder Anteil zu nehmen und sie so gut wie möglich zu unterstützen.
Ab und zu höre ich auch gerne mal Musik. Von Klassik bis zu Rock und Pop aus dem Radio höre ich eigentlich alles, das kommt ganz auf meine Stimmung an. Ich finde, dass es in jeder Stilrichtung hervorragende Musiker gibt. Man muss nur für alle Gattungen offen sein.

Aufgezeichnet von Beate Kerpen