Eine eigene Schule fürs Trierer Land?

Zemmer/Trier · Die richtige Schulwahl nach der vierten Klasse ist für viele Familien eine Herausforderung. Für Kinder aus der Verbandsgemeinde Trier-Land ist es nach Ansicht der SPD nicht immer einfach, überhaupt irgendwo unterzukommen. Deshalb bringen die Sozialdemokraten die Idee einer weiterführenden Schule in der VG erneut ins Spiel.

Das ist Kritikern ein steter Dorn im Auge: eine leere Schulklasse, weil wieder einmal eine Unterrichtsstunde ausfällt. Symbol-Foto: dpa

Zemmer/Trier. Jungs haben es besonders schwer. Das sagen vor allem Jungs. Und das sagt Edgar Schmitt, dem Jungsalter schon seit einigen Jahren entwachsen. Zemmers Ortsbürgermeister bezieht seine Aussage bezüglich des schweren Loses nur auf die Schulwahl. Denn nach seiner Erfahrung haben vor allem Jungen aus der Verbandsgemeinde Trier-Land nach der vierten Klasse ein Problem, in einer der weiterführenden Schulen unterzukommen. "Ich setze mich dafür ein, dass es eine weiterführende Schule in der Verbandsgemeinde gibt", sagt der Sozialdemokrat, der diese Forderung auch in das Wahlprogramm der SPD für die Kreistagswahl im Mai eingebracht hat.Kommunalwahl 2014


Eine neue weiterführende Schule angesichts rückläufiger Schülerzahlen? Für Schmitt ist das aus zwei Gründen kein Widerspruch. Erstens: Anders als in vielen anderen Verbandsgemeinden gehen die Schülerzahlen in Trier-Land nur leicht zurück. 225 Erstklässler gab es laut Statistischem Landesamt im Jahr 2006, 2019 sind es 192.
Zweitens: Mit dem Ende der Grundschulzeit müssen die Trier-Land-Kinder in eine andere VG oder in die Stadt Trier wechseln. "Gerade in Trier ist für unsere Kinder oft kein Platz, weil erst die Kinder aus der Stadt einen Platz bekommen", sagt Schmitt. Trier ist deshalb so beliebt in Trier-Land, weil weiterführende Schulen im Kreisgebiet von vielen Orten aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer bis gar nicht erreichbar sind.
Hinzu kommen zwei Veränderungen in der Schullandschaft. Mit der Schließung der Realschule in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) fällt besonders für Kinder aus der Fidei ein beliebter Schulort weg. Zudem hat das Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier-Ehrang nach der Umwandlung in ein sogenanntes G 8-Gymnasium einen Teil seiner Attraktivität verloren. Denn so manche Eltern wollen lieber, dass ihr Nachwuchs nach neun Jahren und nicht in acht wie in Trier-Ehrang Abitur macht.
Und was hat das mit dem gefühlten Nachteil für Jungen zu tun? Die Antwort ist einfach: Mit dem Angela-Merici-Gymnasium und der Blandine-Merten-Realschule in Trier gibt es zwei Lehranstalten, die nur Mädchen aufnehmen.
Die Problematik der fehlenden weiterführenden Schule hat nicht nur die SPD erkannt. Bereits im Schulentwicklungsplan 2009 ist die Rede davon, dass im besten Fall eine Integrierte Gesamtschule in der VG errichtet werden könnte. Fragt sich nur, wo. Denn die Verbandsgemeinde hat keinen zentralen Ort wie andere VG, der sich allein durch ihre Lage anbietet. Das weiß auch Edgar Schmitt, der auch für seine Gemeinde Zemmer gar nicht den Anspruch erhebt, Sitz einer neuen Schule zu werden. "Solch eine Schule könnte auch in Trier sein", sagt der Sozialdemokrat. Er kann sich auch vorstellen, dass wie etwa beim Balthasar-Neumann-Technikum in Trier-Nord der Landkreis Träger ist oder der Kreis zumindest Teil eines Zweckverbands mit der Stadt wird. "Egal, wo etwas passiert, es muss etwas passieren", sagt Edgar Schmitt.
Was halten Sie von der Forderung der SPD, für Kinder aus der VG Trier-Land eine weiterführende Schule zu bauen? Haben aus Sie Schwierigkeiten gehabt, Ihr Kind in einer weiterführenden Schule unterzubringen? Mailen Sie uns Ihre Meinung oder Ihre Erfahrungen in drei, vier Sätzen an echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).Meinung

Bildung keine Frage des Wohnorts
Im ersten Moment klingt es so, als ob aus zwei Gründen die Idee einer neuen Schule für Kinder aus der Verbandsgemeinde Trier-Land aus einer anderen Zeit stammt. Erstens ist sowieso kein Geld da für eine neue Schule, zweitens gibt es zu wenige Kinder. Das mit dem Geld stimmt so schon einmal nicht. Schließlich investiert der Landkreis Trier-Saarburg mehrere Millionen Euro, um in Schweich ein zweites Gymnasium entstehen zu lassen. Und auch das mit dem Bevölkerungsrückgang ist etwas diffiziler, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar wird auch die Zahl der Kreisbewohner sinken. Doch dieser Rückgang ist regional unterschiedlich ausgeprägt. In der VG Trier-Land sinkt die Zahl der Kinder jedenfalls nicht so dramatisch, als dass man darauf hoffen kann, dass sich das mit den fehlenden Plätzen für Kinder aus der VG an weiterführenden Schulen zeitnah von selbst erledigt. Vor diesem Hintergrund lohnt sich eine Diskussion darüber, wie auch Trier-Land-Kinder zur Schulart ihrer Wahl kommen können. Ein probates Mittel wäre die längst überfällige gemeinsame Schulentwicklungsplanung von Kreis und Stadt. Denn bisher tun die Kommunalpolitiker in Stadt und Land augenscheinlich so, als ob sie bei der Schulentwicklung allein auf der Welt wären. Und bisher scheint dies- und jenseits der Stadtgrenze vor allem darum zu gehen, den Status quo zu wahren, anstatt sich den Veränderungen durch den demografischen Wandel zu stellen. Was für Kinder aus dem Hochwald und dem Ruwertal gilt, muss auch für solche aus der VG Trier-Land gelten: Bildungschancen dürfen sich nicht am Wohnort der Schüler festmachen. h.jansen@volksfreund.de