Eine Fahrradgarage mit Mehrwert

Eine Fahrradgarage mit Mehrwert

Der alte Expressgüterschuppen, der neben dem Hauptbahnhof vor sich hingammelt, soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Dann kann endlich die seit Jahren geplante Fahrradgarage gebaut werden.

Trier. Am Bauzaun, am Straßenschild vor dem Schnellrestaurant oder doch lieber zwischen den parkenden Autos? Wer am Trierer Hauptbahnhof einen Platz sucht, um sein Fahrrad sicher abzustellen, hat die Qual der Wahl - im negativen Sinn. Die wenigen Metallbügel reichen bei weiten nicht aus, damit Luxemburg-Pendler, Touristen oder andere Bahnreisende ihre Räder anketten können.
Die Idee, eine sichere, überdachte Abstellmöglichkeit für Fahrräder in Bahnhofsnähe zu schaffen, gibt es schon lange. Eine Bedarfsstudie samt Konzept hatte die Stadtverwaltung dazu bereits 2008 in der Schublade.
Doch die Verhandlungen mit der Bahn über die Überlassung des benötigten Grundstücks zogen sich in die Länge (der TV berichtete).
Nun geht es endlich in die konkrete Umsetzung: Die Bauzäune rund um den ehemaligen Expressgutschuppen sind aufgestellt. Auf den Bannern, mit denen die Stadtwerke - die die Station im Auftrag der Stadt geplant haben und auch bauen - die Metallstäbe verhangen haben, ist zu lesen: "Hier entsteht äppes Neues!".
Und das soll mehr sein als eine bloße Fahrradgarage:
Abstellstation: Herzstück des gesamten Projekts ist eine Abstellstation für Fahrräder auf rund 165 Quadratmetern. 164 Räder sollen später darin Platz finden. Geparkt werden können diese auf sogenannten Doppelparkern - technische Vorrichtungen, die es ermöglichen, Räder übereinander abzustellen. Die Anlagen sichern die Räder automatisch gegen Diebstahl und werden zumindest teilweise mit Lademöglichkeiten für E-Bikes ausgestattet. Auch Stellflächen für Fahrradanhänger sind vorgesehen.
Bei entsprechender Nutzung und Auslastung sei die Anlage um zusätzliche Abstellplätze erweiterbar, erklärt das städtische Presseamt auf TV-Nachfrage.
Registrierte Nutzer sollen über ein Drehkreuz rund um die Uhr Zugang zu den Stellplätzen haben.

Die Fahrradwerkstatt, die der Bürgerservice bislang direkt auf dem Bahnsteig betreibt, zieht um in die neue Fahrradstation. Werkstatt, Fahrradverleih und der Verkaufsbereich sollen dort auf rund 180 Quadratmetern untergebracht werden.

Auto-Parkplätze und Car-Sharing: Die Stadtwerke, die in Kooperation mit einem privaten Anbieter bereits Verleihautos im angrenzenden Parkhaus Ostallee stationiert haben, weiten dieses Angebot aus. Neben der Radstation werden weitere Car-Sharing-Parkplätze errichtet. Zusätzlich sind normale Autostellplätze vorgesehen, zum Beispiel für Park&Ride-Kunden. Außerdem soll es Lademöglichkeiten Für Elektroautos geben.

Wache für die Bundespolizei: Die Bundespolizei, die für Straftaten auf dem Bahnhofsgelände und im Zusammenhang mit dem Bahnverkehr zuständig ist, hat noch alte Diensträume in dem zum Abriss vorgesehenen Expressgutschuppen.
Für die Bundespolizei wird daher in dem neuen Gebäude ein Wachraum mit rund 30 Quadratmetern integriert sowie die dazugehörigen Sozial- und Sanitärräume. Dieser Gebäudeteil wird an die Bundespolizei langfristig vermietet.

Barrierefreie öffentliche Toilettenanlage: Die neue Rad- und Servicestation wird auch das drängende WC-Problem am Hauptbahnhof lösen. Sind die Toiletten bislang im Bahnhofsgebäude nur über eine steile Treppe in den Keller zu erreichen, wird in den Neubau eine öffentliche Toilettenanlage mit etwa 50 Quadratmetern Nutzfläche integriert. Diese soll barrierefrei und unkompliziert zu erreichen sein und wird von der Deutschen Bahn betrieben werden.

Der alte Expressgüterschuppen soll noch in diesem Jahr abgerissen werden und die Arbeiten für den Neubau im ersten Quartal 2017 beginnen. Fertig soll die neue Rad- und Servicestation Ende nächsten Jahres sein. Rund eine Million Euro sind für den Bau eingeplant, das Land hatte Zuschüsse zugesagt.

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