Eine Frau kämpft für Ruanda
Victoire Ingabire Umuhoza, Präsidentschafts-Kandidatin von Ruanda, strebt einen Machtwechsel in ihrem Land an. Im Haus der Afrikamissionare "Weiße Väter" in Trier hat sie dem Ruanda-Komitee erläutert, wieso sie bei den nächsten Präsidentschafts-Wahlen antreten will.
Trier. Man merkt Victoire Ingabire Umuhoza ihre Weltgewandtheit an: Die Ruanderin, die seit 1992 in den Niederlanden lebt, zeigt sich wortgewandt, offen und charmant. Und doch ist ihr Anliegen ernst - so ernst, dass ein Mann aus dem französischen Lille nach Trier gekommen ist, um ihr zuzuhören. Die Oppositionsführerin der "Forces Démocrati que Unifiées (FDU, übersetzt: Vereinigte Demokratische Kräfte) will kommendes Jahr Präsidentin von Ruanda werden. In Trier hat sie erklärt, wieso sie diesen Machtwechsel bei den Wahlen im August 2010 anstrebt.
"Es geht um ein hehres Ziel: die Einhaltung der Menschenrechte", sagt Umuhoza. Die Werte Freiheit und Gleichheit würden in Ruanda mit Füßen getreten. Die heutige Regierung sei zudem anti-demokratisch, die Medien würden kontrolliert. Umuhoza will das ändern. "Wir müssen das Land von Diktatur befreien und dem Rechtsstaat eine Chance geben."
Die wichtigste Baustelle sei der inner-ruandische Dialog. Noch immer wirke der Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis in der Gesellschaft nach. Es sei eine Herausforderung, einen Machtwechsel mit den friedlichen Möglichkeiten einer Demokratie auszuführen, sagt Umuhoza. Das Regime habe sich seine Verfassung zu seinem Vorteil selbst zusammengeschneidert. "Es steht zu befürchten, dass das Regime diese Mittel dazu nutzen wird, unsere Registrierung zur Wahl zu verhindern."
Bereits seit 1982 existiert eine Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Helmut Scherf vom Ruanda-Komitee Trier reist jährlich in das Partnerland. "Es herrscht dort eine große Armut. Menschen kommen ins Gefängnis, ohne ein Verbrechen verübt zu haben", sagt er. "Die vergangenen Wahlen liefen völlig undemokratisch ab." Die Partnerschaft der beiden Länder sei nun wieder gefragt. "Deutschland kann eine federführende Rolle für friedliche und freie Wahlen in Ruanda spielen - schon durch neutrale, externe Wahlbeobachter", appelliert Umuhoza.
Hintergrund Ruanda: Der afrikanische Staat war im 19. Jahrhundert deutsche Kolonie, wurde nach dem ersten Weltkrieg von belgischen Truppen besetzt und erhielt 1962 seine Unabhängigkeit. 1994 gipfelten Unruhen zwischen den Bevölkerungsgruppen Hutus und Tutsis in einem Völkermord an der Minderheit der Tutsis. Heute wird Ruanda von der Ruandischen Patriotischen Front mit Paul Kagame als Präsident regiert.