Eine ganze Schule macht Kunst

Eine ganze Schule macht Kunst

"Bewegung" ist das Motto für ein ungewöhnliches Kunstprojekt. Alle Schüler der Grundschule Olewig entdecken dabei in den Räumen der Europäischen Kunstakademie ihre kreativen Möglichkeiten.

Trier. Gedämpftes Hämmern stört die Ruhe auf dem beschaulichen Innenhof des ehemaligen Schlachthofes an der Aachener Straße. Hinter der Tür des zum Atelier umgebauten Arbeitsraumes wird der Lärm ohrenbetäubend. Sieben Kinder schlagen mit Begeisterung Nägel in Holz-Latten und -Platten in allen denkbaren Größen. "Das wird ein Katamaran", erklärt Eike, während er fachmännisch das nächste Bauteil für sein Modell auswählt. "Da können Flugzeuge drauf landen."

Die Künstlerin Britta Deutsch leitet diese Projektgruppe. Sie heißt "Holzbaukasten" und ist eine von insgesamt sechs Gruppen, die sich seit Montag unter Anleitung von erfahrenen Künstlern mit dem Thema "Bewegung" beschäftigen. "Jedes Kind entwickelt hier eigene Ideen, was es mit den Holzresten macht, dabei lösen sie sich zunehmend vom Arbeiten in der Fläche und gehen in den Raum", freut sich Deutsch.

Schräg über dem Hof, in einem anderen vom Sonnenlicht durchfluteten Raum herrscht derweil überraschend Ruhe. Bildhauer Guy Charlier hat seinen Schützlingen Eis am Stiel spendiert. Als Anerkennung für die ersten kleinen Kunstwerke aus Ton. Und weil die Holz-Stiele für den Bau der lebensgroßen Marionette benötigt werden, die bis Freitag in Teamarbeit entstehen soll. "Hier lernen die Kinder nicht nur den Umgang mit Ton und Holz, sondern auch etwas über Anatomie, den Aufbau des menschlichen Körpers", erklärt Charlier.

Einen Raum weiter fädelt Workshop-Leiterin Ingrid Schmitt-Fassbinder derweil mit Hilfe einer Mutter den mit Fabelwesen geschmückten Teil einer Tonsäule in den dafür vorbereiteten Ständer. Wie alle großen Gemeinschaftsobjekte wird diese Stele einmal in der Grundschule in Olewig ihre neue Heimat finden. "Jedes Kind darf auch ein Kunstwerk mit nach Hause nehmen", verspricht Uta Decku vom Förderverein der Schule, die das Kunstprojekt maßgeblich vorangebracht hat. Dank finanzieller Unterstützung der Nikolaus-Koch-Stiftung und des Freundeskreises der Kunstakademie mussten Lehrer und Eltern "nur" die tägliche An- und Abfahrt sowie die begleitende Betreuung während der Projekttage organisieren. Und natürlich das Abschlussfest am Freitag, dem ab 15 Uhr eine öffentliche Vernissage mit allen Kunstwerken vorangeht.

Auch viele bunte und dynamische Bilder werden dort zu bewundern sein, die derzeit unter Anleitung von Christine Henn und Sebastian Böhm entstehen.

Und die jungen Aktions- und Videokünstler im Workshop mit Ralf Kotschka sorgen dafür, dass - nach dem Zirkusprojekt im vergangenen Jahr - auch das große Kunstprojekt in bewegten Bildern der Nachwelt erhalten bleibt. Aber derzeit erinnert ihr Arbeitsraum im Obergeschoss der Akademie noch sehr an eine Baustelle. Eine Baustelle, in der sich Dinge bewegen und etwas bewirken, etwa wie bei der Kettenreaktion eines Domino-Spiels - nur nicht so leise...

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